Vor kurzem war ich im MAK Wien in der Ausstellung „100 Beste Plakate 24“, einer jährlichen Schau, bei der die 100 stärksten Plakatgestaltungen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz gezeigt werden – ausgewählt aus über 2.500 Einreichungen von mehr als 700 Gestalter:innen. Die Ausstellung ist eine Kooperation des Museums und des 100 Beste Plakate e. V. und bietet einen wirklich breiten Einblick in den aktuellen Stand des Grafikdesigns in der DACH-Region.
Hier der Link
Was mich sofort beeindruckt hat, war die Vielschichtigkeit der Arbeiten. Es geht hier nicht nur um schöne Poster, sondern um visuelle Konzepte, die oft über klassische Informationsvermittlung hinausgehen und zu kleinen visuellen Erzählungen werden. In vielen Arbeiten spielt Typografie eine größe Rolle. Ein Teil der ausgestellten Plakate arbeitet dabei bewusst mit Materialität und Technik: Einige Poster zeigen experimentelle Drucktechniken wie Cyanotypie oder Reliefstrukturen. Es gibt Arbeiten, die erzählerisch wirken und mit vielen Informationen bepackt sind, und solche, die mit minimalistischem Stil starke visuelle Zeichen setzen.
Gerade die Plakate, die nicht einfach eine Botschaft „transportieren“, sondern visuelle Spannung erzeugen, zeigen, wie stark ein Poster als Medium wirken kann, wenn es nicht nur „schön“ gestaltet ist sondern auch starken Kontext schafft.
Mein eigenes Thema – historisch unsichtbar gemachte Frauen sichtbar zu machen – nutzt ebenfalls ein Bildformat, aber bisher habe ich eher im Konzept „hörbar machen“ bzw. „auslagern in Raum und Interaktion“ gedacht. Die Plakate hier zeigen, dass im Medium Poster selbst noch viel mehr erzählerische und expressive Kraft steckt. Nicht nur durch reine Form, sondern auch durch den Einsatz von Technik, Fokus auf Schrift, Materialität und narrativen Ebenen.
Und hier sehe ich auch Anschluss an das Feedback aus dem Final Crit:
– Die Frage nach einem politischen, zeitgenössischen Posterformat. Viele der Siegerplakate transportieren nicht nur Information, sondern Haltung – oft politisch, oft gesellschaftlich relevant, ohne dass sie mit klassischen „Protestplakat“-Klischees arbeiten.
– Die Pop-, Surreal- und Typo-Ansätze lassen sich auch auf mein Vorhaben adaptieren: Interaktive Poster müssen nicht nur technisch funktionieren, sondern sie müssen auch visuell stark sein und den Betrachtenden scheinbar „mehr erzählen“, als auf den ersten Blick sichtbar ist.
Ein zentraler Gedanke, den ich deshalb aus dem Besuch mitnehme, ist: Interaktivität und visuelle Gestaltung sind keine getrennten Welten, sondern sie können sich gegenseitig verstärken. Für mein Projekt heißt das konkret: Ich will nicht nur bewegte Bilder auf statische Poster werfen, sondern ein Poster-Medium entwickeln, das selbst ein Erzählraum ist: gestalterisch mit Haltung und technisch hybrid. Die Ausstellung im MAK war dafür ein sehr guter Referenzpunkt, weil sie mir zeigt, wie traditionelles Medium und zeitgenössische Gestaltung miteinander kombiniert werden können.































