As part of the “Klanglicht” project, I developed (together with my partner in crime (@Karre)) the visual design for the FH Vertigo project. This project was particularly influential for my design and research focus, as it works strongly at the interface of space, atmosphere, and identity.
Research #2 Sports aesthetic
Let me be honest: walk to any local race track or sports club and you’re hit with a very specific aesthetic. It’s (mostly) loud, it’s bright colors, and it’s covered in many many different sponsor logos that all seem to be fighting for your attention. Ive once read somewhere that’s its “engineer-chic”, but that also might be a TikTok term. In the end, it’s functional, but it lacks direction.
Impuls 08 Selbstinszenierung zwischen Bühne und Alltag – Podcast gSpot mit Nilam Farooq
Mein achter Impuls für Design & Research ist die Podcastfolge von gSpot mit der Schauspielerin Nilam Farooq, als Gästin. Die Folge beschäftigt sich mit dem Thema Selbstinszenierung und der Frage, wie bewusst wir jeden Tag entscheiden, wie wir nach außen wirken möchten.
Besonders spannend fand ich den Gedanken, dass jede Person sich täglich neu positionieren kann. Selbstinszenierung wird dabei nicht als etwas Oberflächliches verstanden, sondern als aktiver Prozess. Wie möchte ich wahrgenommen werden. Welche Teile meiner Persönlichkeit teile ich öffentlich. Welche bleiben privat. Und wie sehr lasse ich mich von der Meinung anderer beeinflussen.
Nilam Farooq spricht darüber, wie sie sich von ihren YouTube Anfängen bis zu ihren heutigen Rollen als Schauspielerin immer wieder neu erfinden musste. Dabei wird deutlich, dass Inszenierung nicht automatisch Unechtheit bedeutet, sondern eine bewusste Entscheidung darüber ist, welche Facetten man zeigt. Identität erscheint nicht als starres Konstrukt, sondern als etwas Bewegliches, das sich je nach Kontext verändern darf.
Ein besonders starker Gedanke aus dem Podcast war für mich die Auseinandersetzung mit äußerer Bewertung. Nilam Farooq spricht darüber, wie wichtig es ist, Kritik einzuordnen, Grenzen zu setzen und sich nicht ausschließlich über Resonanz im Außen zu definieren. Sie beschreibt sinngemäß, dass man nie allen gefallen kann und dass genau darin eine gewisse Freiheit liegt. Dieser Gedanke hat mich sehr beschäftigt. Gerade als Gestalterin bewegt man sich ständig im Spannungsfeld zwischen eigener Haltung und externer Bewertung. Entwürfe werden kommentiert, überarbeitet und hinterfragt. Gestaltung ist immer auch öffentlich und damit angreifbar. Gleichzeitig besteht die Gefahr, sich zu stark über Zustimmung oder Ablehnung zu definieren. Der Impuls aus dem Podcast hat mir deutlich gemacht, wie wichtig es ist, Kritik differenziert zu betrachten, ohne die eigene gestalterische Position aufzugeben.
Kritik einzuordnen bedeutet nicht, sie abzulehnen, sondern sie bewusst zu filtern. Welche Rückmeldung hilft dem Konzept weiter. Welche ist rein subjektiv. Wo muss ich mich anpassen, und wo darf ich bei meiner Haltung bleiben. Diese Fähigkeit, Grenzen zu setzen und sich nicht ausschließlich über Resonanz im Außen zu definieren, ist für Gestalterinnen essenziell. Sie schafft den Raum, in dem eigenständige Ideen überhaupt entstehen können.
Für mich wurde dadurch auch klar, dass Inszenierung im Design eine zentrale Rolle spielt. Jedes Projekt ist eine Entscheidung darüber, wie etwas erscheinen soll. Welche Haltung wird sichtbar. Welche Werte transportiert ein visuelles Konzept. Gestaltung ist immer auch Positionierung. Nicht nur für Marken oder Institutionen, sondern auch für uns Designerinnen selbst.
Im Designprozess stellt sich immer wieder die Frage, was gezeigt und was weggelassen wird. Wirkung entsteht nicht nur durch Präsenz, sondern auch durch Reduktion. Die bewusste Entscheidung für eine bestimmte Ästhetik, für eine typografische Haltung oder für eine visuelle Sprache ist vergleichbar mit der Entscheidung, wie man sich selbst im öffentlichen Raum präsentiert.
Der Podcast hat mir eröffnet, dass Gestaltung nicht losgelöst von Identität gedacht werden kann. Jede visuelle Entscheidung ist auch eine Aussage über Selbstverständnis und Haltung. Gleichzeitig bleibt sie wandelbar. So wie Nilam Farooq ihre Rollen wechselt und sich immer wieder neu definiert, verändern auch wir als Gestalterinnen unsere Perspektiven, Themen und Ausdrucksformen.
Der Impuls aus dieser Folge liegt für mich in der bewussten Auseinandersetzung mit Inszenierung als reflektiertem Akt der Positionierung. Nicht als reine Oberfläche, sondern als Entscheidung mit Konsequenz. Diese Gedanken möchte ich in meiner weiteren Design und Research Arbeit vertiefen, insbesondere im Hinblick darauf, wie visuelle Kommunikation Identität formt und gleichzeitig Raum für Entwicklung und Freiheit lässt.
Links:
https://open.spotify.com/episode/2QIUJc46vB6lKLYkdzl9DM?si=cR5u5lUJRKKkhk8839xDGw&nd=1&dlsi=36f5f990777545aa
https://www.instagram.com/nilam.farooq/
Impuls 07 MAK Wien: 100 Beste Plakate – Typografie als Bild, Haltung und Experiment
Mein siebter Impuls für Design & Research ist der Besuch der Ausstellung 100 Beste Plakate: Deutschland Österreich Schweiz im MAK Museum Wien, für angewandte Kunst am 10.02.2026.
Als Typografin war mir bereits vor dem Besuch bewusst, wie vielschichtig und konzeptuell stark das Medium Plakat sein kann. Die Ausstellung hat dieses Wissen jedoch nicht einfach bestätigt, sondern in seiner Bandbreite und Konsequenz sichtbar gemacht. Sie zeigte, wie unterschiedlich Haltung, Systematik und Experiment im zeitgenössischen Plakat aufeinandertreffen können.
Besonders beeindruckt hat mich die enorme Bandbreite typografischer Ansätze. Zwischen perfekter Spationierung und der bewussten Demontage klassischer Lehrsätze spannte sich ein weiter gestalterischer Raum. Einige Arbeiten wirkten streng und reduziert, andere experimentell und beinahe chaotisch. Schreibmaschinenschriften standen neben krakeliger Handschrift, analoge Anmutungen neben digitalen Prozessen. Teilweise wurde künstliche Intelligenz in den Gestaltungsprozess integriert. Dabei entstand der Eindruck, dass Typografie nicht als feststehendes System verstanden wird, sondern als offenes Feld, das ständig neu verhandelt werden kann.
In mehreren Arbeiten verloren Buchstaben ihren reinen Bedeutungsinhalt und wurden als visuelle Formen erfahrbar. Schrift wurde Bild. Der Moment, in dem Lesbarkeit an ihre Grenze kommt, erzeugt eine besondere Spannung. Man beginnt genauer hinzusehen, langsamer zu lesen und bewusster wahrzunehmen.
Besonders nachhaltig beeindruckt hat mich das Projekt „Rettungsplakate“ von Linus Knappe, einem ehemaligen Studenten der Hochschule Düsseldorf. Das Projekt wurde unter anderem mit Gold beim DDC Award ausgezeichnet. Die Idee hinter den Rettungsplakaten hinterfragt das Medium selbst und versteht das Plakat nicht nur als Werbeträger, sondern als Objekt mit gesellschaftlicher Funktion. Gestaltung erhält hier eine zusätzliche Ebene von Verantwortung. Formal überzeugen die Arbeiten durch Klarheit und Reduktion, zugleich transportieren sie eine starke konzeptuelle Haltung. Mich hat besonders angesprochen, wie selbstverständlich hier Gestaltung und Inhalt ineinandergreifen, ohne plakativ zu wirken.
Ein weiteres Projekt, das mich typografisch sehr fasziniert hat, stammt von Tao Lin, gestaltet im Atelier Ltd. Ltd. für die NewOne Awards in Shanghai. Seine Plakatserie basiert auf der Idee, dass Kreativität wie ein lebendiger Kosmos wächst. Sie saugt Inspiration aus der Umgebung auf und entwickelt sich stetig weiter. Diese Vorstellung wurde nicht illustrativ, sondern typografisch umgesetzt. Die Schrift wirkt in dieser Arbeit nicht statisch, sondern eingebunden in ein dynamisches System. Sie scheint sich auszudehnen, sich zu verdichten oder sich im Raum zu organisieren. Typografie wird hier zur Trägerin einer Idee, nicht nur zur Beschriftung. Zwischenräume werden zu aktiven Flächen, Rhythmus entsteht durch Anordnung und Wiederholung. Besonders angesprochen hat mich die Balance zwischen Kontrolle und organischer Entwicklung. Die Gestaltung wirkt präzise und zugleich lebendig.
Für meine eigene Praxis als Typografin war der Besuch dieser Ausstellung ein wichtiger Impuls. Er hat mir erneut bewusst gemacht, wie sensibel das Verhältnis von Lesbarkeit, Bildhaftigkeit und konzeptueller Klarheit ist. Ein gutes Plakat funktioniert auf Distanz ebenso wie in der Nähe. Es muss Aufmerksamkeit erzeugen und zugleich Bestand haben, wenn man genauer hinsieht.
Die Ausstellung hat mir gezeigt, dass zeitgenössisches Plakatdesign weniger von festen Regeln lebt als von bewussten Entscheidungen. Ob radikale Reduktion oder experimentelle Auflösung, entscheidend ist die Haltung dahinter. Diese Erkenntnis möchte ich in meiner weiteren Design und Research Arbeit weiterdenken und besonders im Hinblick auf Typografie als eigenständige gestalterische Kraft im öffentlichen Raum vertiefen.
Links:
https://www.mak.at/ausstellung/100besteplakate24
https://ddc.de/de/wettbewerb/ddc-award-2025/auszeichnungen/kommunikation/KOM-0034-rettungsplakate.php
https://www.instagram.com/tao.graphicdesign/?hl=de
TR #11 From Yugoslavia to Nation-States: How Borders Changed Queer Imagery
When Yugoslavia dissolved, new national identities were aggressively constructed. Flags changed. Narratives changed. Borders hardened.
And queer people had to navigate that.
Photography reflects this shift. In earlier images, you might see a kind of shared Yugoslav cultural space. Later, the imagery becomes more fragmented — shaped by different national politics.
Some states became slightly more open. Others became more conservative.
Queer photography had to adapt.
Borders don’t just divide land. They divide archives, funding, artistic networks. They shape which exhibitions happen and which don’t.
But queerness doesn’t respect borders so easily.
Photographs traveled. Artists collaborated across new nation-states. Underground scenes remained connected.
The breakup of Yugoslavia changed everything — but it didn’t erase queer creativity.
TR #10 Queer Artists Photographing Themselves
There’s something especially powerful about self-portraiture.
When queer artists photograph themselves, they control the narrative completely. No outsider gaze. No misrepresentation.
In post-socialist contexts, where mainstream media often distorted queer identities, self-portraiture becomes self-definition.
You decide how you look. How you pose. What you reveal.
Some self-portraits feel confrontational — staring directly into the lens. Others feel vulnerable, almost diary-like.
The body becomes canvas and protest at the same time.
And because photography freezes time, these self-portraits become long-term acts of resistance. They outlive censorship. They outlive governments.
They say: this is me. On my terms.
TR #9 Why Queer Histories Get Lost (and How Photography Saves Them)
Queer history is fragile. Especially in places marked by war, censorship, and political transition.
Clubs close. Magazines disappear. Activist groups dissolve. People emigrate. Archives get destroyed.
So how do you preserve something that was often hidden to begin with?
Photography helps.
Even if formal institutions ignored queer life, personal photo collections survived. Boxes under beds. Negatives in drawers. Digital files saved on old computers.
These images become unofficial archives.
They challenge the idea that history only lives in state documents. Sometimes history lives in a blurry photo from a basement party in 1996.
Archiving queer life isn’t just about nostalgia. It’s about legitimacy. It’s about saying: this mattered.
And honestly? Without photography, so much of this would be gone.
The camera didn’t just capture moments. It protected them.
LS3 #9 Typooo
Bisher zwar noch nicht meine Lieblingsbeschäftigung, aber wenn ich mich mit Sprache und Schrift auseinandersetzen möchte, ist Typografie ein nicht ganz unwichtiger Teil davon. Vielleicht sogar der Wichtigste, weil es beides miteinander verknüpft.
Back to the Basics
Wieso ist es wichtig, verschiedene Schriften zu nutzen? Irgendwie ja auch logisch, aber was ist da der Hintergrund?
Die Gestaltung und Anordnung von Schrift anhand von Merkmalen wie Schriftart, Schriftgröße, Zeilenabstand, Satzzeichen, Zeichenabstand, Textausrichtung … wird als “Typografie” bezeichnet (Leitner, 2024). Mithilfe von diesen (und noch viel mehr) Elementen wird die Darstellung der Schrift je nach Kontext angepasst. Weil Schriften sind im Grunde genommen auch nur Formen und Formen hinterlassen unterschiedliche Wirkungen.
Typografie strukturiert Informationen, schafft Hierarchien und lenkt den Blick. Sie entscheidet darüber, was zuerst wahrgenommen wird, wie schnell etwas gelesen werden kann und ob ein Text zugänglich oder anstrengend wirkt. Damit beeinflusst sie nicht nur die Lesbarkeit, sondern auch das Verständnis von Inhalten.
Gleichzeitig transportieren Schriften immer Stimmungen und kulturelle Bedeutungen. Eine Serifenschrift kann traditionell oder seriös wirken, eine serifenlose modern oder technisch, eine handschriftliche persönlich oder informell. Typografie ist daher nie neutral: Sie rahmt den Inhalt und prägt, wie eine Botschaft interpretiert wird.
Die Gestaltung der Schrift sollte demnach eine Information gut lesbar, aesthetisch ansprechend und im Kontext stehen gestaltet werden, es gibt aber natürlich keine Regeln denen befolgt werden muss (Leitner, 2024).
Typography & Poetry
Hier mal wieder eine kleine Zusammenfassung eines Buches, was ich passend und spannend zum Thema finde.
“Typography is kept at the treshold of verse” (Matore, 2023).
In dem Buch the graphics of verse experimental typography in twentieth century poetry beschäftigt sich Daniel Matore damit, wie Poetry durch Print zu einer visuellen Erfahrung wurde und wie die unterschiedliche Nutzung von Typografie dies im Beszug auf Aspekte wie Layout, Sound und Struktur beeinflusst hat (Matore, 2023). Außerdem wird hier argumentiert, dass Typografie zu Beginn des Druckes sehr konservativ ausgerichtet war. Es ging hierbei mehr um die Funktionalität des Textes und der Leitsatz “Gute Typografie fällt nicht auf” ist Gang und Gebe. Laut Morison (1967), bewegt sich Typografie mit der Geschwindigkeit des konservativsten Lesers. Auch die modernen Bewegungen im 20. Jahrhhundert wie Bauhaus oder Tschichold sehen Typografie eher als funktional und rational an. Es wird als Werkzeug der Informationsübertragung genutzt und designed.
Das Buch stellt dies dann einiger Dichter gegenüber, welche ohne Typografieasubildung in den Druck iherer Poesie geworfen wurden. Da natürlich kein Verständnis von Regeln vorhanden war, konnte hier viel freier und vielleicht auch kreativer mit der Gestaltung umgegangen werden – Resultat sind zerbrochene Syntax, Störung der Lesbarkeit, visuelle Anordnung von Wörtern oder variable Abstände. Typographie nimmt also als Gestaltungsmittel Form an und ist Teil der Kunst und des Gedichts. Das Schriftbild ist ein wichtiger Teil davon, wie das Gedicht aufgenommen wird.
Matore kritisiert hier also die funktionale Typografie und zeigt auf, dass es gerade für Literatur, Poesie und “künstlerische” Texte keine messbare Funktion gibt (Matore, 2023).
LS3 #8 Sweeter than Honey
Ich war jetzt am Wochenende in München eine Freundin besuchen. Wir sind dann in der Ausstellung “Sweeter than Honey – Ein Panorama der Written Art” in der Pinakothek der Moderne gewesen. Ich habe meine Impuls Beiträge alle schon durch, deswegen nutze ich das hier jetzt einmal als Inspiration für meine Masterarbeit und als normalen Blogpost.



In der Ausstellung geht es um verschiedene Aspekte zwischen Schrift, Bild und Geste in der modernen Kunst und zeigt eine Sammlung verschiedener Werke von ca. 60 Künstler:innen aus verschiedenen Ländern um eine globale Perspektive zu schaffen. Die zwei wesentlichen Fragen, die hierbei gestellt werden, sind:
Welche Rolle spielen Schrift und Geste in der Kunst der Moderne und Gegenwart?
Wie ermöglichen textbasierte Werke über eine westliche Perspektive hinaus kulturübrgreifende Dialoge?
Spannend finde ich auch die Interpretation des Titels. “Sweeter than Honey” also Süßer als Honig kann als Symbol für die Süße von Wissen und Weisheit stehen, aber eben auch aufzeigen, dass harte Realität auch durch Kunst und schöne Worte “süß” werden kann. Diesen Ansatz fand ich spannend, da ich die Theamtik eventuell auch in meiner Masterarbeit aufgreifen möchte. Wie kann Wortspiel und Taktik verwendet werden, um etwas eventuell aus dem Kontext heraus darzustellen oder anders wirken zu lassen und wie ist das messbar?
In der Ausstellung wurden unter anderem auch einige arabische und persische Werke präsentiert. Da ich die Sprache nicht kann bzw. bisher auch wenig Berührungspunkte damit hatte, fand ich es auch hier sehr interessant die Beschreibungen der Werke zu lesen und zu verstehen. Dort wurde erklärt, dass Buchstaben eben nicht nur neutrale Träger von sprachlichen inhalten ist, sondern auch die Erscheinungsform bzw Art der Darstellung eine wichtige Bedeutung trägt oder tragen kann. text funktioniert hier also als Text so wie als Bild. Oft werden Schriftzüge mit floralen oder geometrischen Ornamenten verknüpft und fungieren so auch als darstellendes Bild trotz eigentlich nützlicher Funktion.

Ein anderes für mich inspirierendes Werk der Ausstellung ist der “Room with all existing words”. Mark Manders hat als Projekt eine Zeitung erschaffen, welche mit korrekter Grammatik jedes Wort des englischen Dictionaries einmal nennt (Zeiten vor AI lol). Ich finde das Projekt irgendwie so simpel und wirkürlich, was es gleichzeitig so interessant macht. Ich hab kaum etwas verstanden, wenn ich mir mal einen Absatz durchgelesen habe, sodass ich mich direkt gefreut hab, wenn mal ein Wort kam, was ich verstanden hab. Und es hat mir irgendwie wieder gezeigt, was man eigentlich alles mit Wörtern und Sprache machen kann.

Literaturverzeichnis
Pinakothek der Moderne. (09.02.2025). Sweeter than Honey [Exhibition]. Munich, Germany.
#8 Mythos vs. Messbarkeit: Die Wahl des Mediums in der Ära der digitalen Transformation
Die Debatte über die Überlegenheit von analogem Zelluloid gegenüber digitalen Sensoren wird in der Filmwelt oft mit einer fast religiösen Inbrunst geführt. Während Theoretiker wie André Bazin das Kino als ein „idealistisches Phänomen“ begriffen, das nach einem „integralen Realismus“ strebt, hat die technologische Entwicklung der letzten Jahre die materiellen Bedingungen dieses Strebens radikal verändert. Die wissenschaftliche Untersuchung „As Film Goes Byte“ bietet hier eine entscheidende empirische Basis, um zu verstehen, wie die Wahl des Aufnahmemediums die tatsächliche Wahrnehmung des Zuschauers beeinflusst.
Der Geist des Mediums: Zwischen Vision und Technik
Nach Bazins Auffassung ist das Kino nicht das Resultat technischer Erfindungen, sondern die Realisierung eines uralten Mythos: der vollkommenen Nachahmung der Natur. Er argumentierte, dass die Idee des Kinos bereits „voll bewaffnet“ in den Köpfen der Pioniere existierte, noch bevor die chemischen und mechanischen Voraussetzungen erfüllt waren. In diesem Sinne wäre jede technologische Neuerung – vom Stummfilm zum Tonfilm, von Analog zu Digital, lediglich ein weiterer Schritt zur Erfüllung dieses ursprünglichen Mythos vom „totalen Kino“.
Empirische Realität: Überlebt die Ästhetik den narrativen Kontext?
Die Studie von Loertscher et al. (2016) konfrontiert diesen Mythos mit der psychologischen Realität der Zuschauer von heute. In einem kontrollierten Experiment wurden Filme simultan auf 35mm-Film und digital mit einer ARRI Alexa aufgezeichnet, um Unterschiede in der emotionalen und kognitiven Reaktion zu messen.
- Die Diskrepanz der Wahrnehmung: Interessanterweise bevorzugten Probanden in kurzen, isolierten Sequenzen ohne Handlung signifikant die analoge Ästhetik, da diese als lebendiger und weniger steril empfunden wurde.
- Die Dominanz der Erzählung: Sobald die Zuschauer jedoch vollständige narrative Filme betrachteten, verschwand dieser Präferenzvorteil des analogen Mediums fast vollständig.
- Emotionale Gleichwertigkeit: Die Studie belegt, dass die emotionalen und immersiven Erlebnisse, also das, was Bazin als Kern der kinematographischen Erfahrung ansah, bei moderner digitaler Projektion unabhängig vom Aufnahmemedium sind.
- Der Faktor der Projektion: Ein bemerkenswertes Ergebnis der Untersuchung ist, dass die Art der Projektion einen größeren Einfluss auf die Emotionen hat als die Kamera selbst: Die mechanische Projektion von Zelluloid rief höhere Level an Empathie und emotionalen Reaktionen hervor als die digitale Variante.
Die kognitive Last der digitalen Schärfe
Ein kritischer Punkt bei der Wahl digitaler Medien ist die durch Signalverarbeitung und Bildstabilität erzeugte „Hyperrealität“. Die Forschungsergebnisse zeigen, dass Zuschauer digitaler Versionen signifikant mehr visuelle Details im Hintergrund erinnerten. Aus filmästhetischer Sicht kann dies paradoxerweise ein Nachteil sein: Wenn die enorme Klarheit des digitalen Bildes die Aufmerksamkeit auf narrative Irrelevantien lenkt, droht der Zuschauer die Bindung zur Handlung und zur Charakterentwicklung zu verlieren.
In Ergänzung zu den theoretischen Überlegungen von André Bazin und den psychologischen Befunden der modernen Forschung lässt sich ein direkter, technischer Vergleich der Aufnahmeformate ziehen, wie er im Rahmen des Projekts der Zürcher Hochschule der Künste (ZHdK) dokumentiert wurde. Während die analoge Aufnahme auf 35mm-Zelluloid durch eine chemische Reaktion von Silberbromidkristallen entsteht, die dem Bild eine organische Struktur und eine charakteristische Instabilität verleihen, basiert die digitale Erfassung auf elektronischen Sensoren mit einem fixen Pixelraster.
In der direkten Gegenüberstellung zeigen sich folgende spezifische Differenzen:
- Bildstabilität und Textur: Das analoge Bild weist eine mechanisch bedingte Unruhe und ein veränderliches Filmkorn auf, wohingegen die digitale Aufnahme der ARRI Alexa eine „rock-steady“ Stabilität und eine klinische Klarheit liefert.
- Detailwiedergabe: Die digitale Technik ermöglicht durch eine überlegene Farbtrennung und Kantenschärfung eine präzisere Wahrnehmung von Hintergrunddetails, was in Tests zu einer nachweislich besseren Erinnerungsleistung an visuelle Nebensächlichkeiten führte.
- Umgang mit Licht: Während digitale Sensoren Informationen in extrem hellen Bereichen oft abrupt „abschneiden“ (Clipping), reagiert chemischer Film nichtlinear und weicher auf Überbelichtung, was zu einer natürlicheren Zeichnung in den Lichtern führt.
- Farbreproduktion: Analoges Filmmaterial erzeugt Farben durch subtraktive Mischung in mehreren Emulsionsschichten, was zu einer charakteristischen, nicht-linearen Farbwiedergabe führt, während digitale Systeme Farben linear im RGB-Farbraum kodieren und erst durch aufwendiges Color Grading an den etablierten „Film-Look“ angepasst werden müssen.



Letztlich zeigt der direkte Vergleich, dass die digitale Kinematographie heute zwar in der Lage ist, die technischen Parameter von Zelluloid in Bezug auf Dynamikumfang und Auflösung nahezu perfekt zu emulieren, die spezifische „Aura“ und die psychologische Wirkung jedoch stark von der Art der Projektion und der narrativen Einbettung abhängen.
Das Medium als Werkzeug, nicht als Ziel
Die Wahl des Mediums scheint heute weniger eine Frage der emotionalen Wirksamkeit auf das Publikum zu sein, sondern vielmehr eine Entscheidung über die kognitive Führung des Zuschauers. Während das digitale Medium durch seine Präzision besticht, bietet das analoge Medium – insbesondere in der Projektion – eine spezifische kulturelle und atmosphärische Rahmung, die den „Mythos des Kinos“ weiterhin nährt. Letztlich bestätigt die moderne Forschung Bazins Intuition: Das Kino ist eine psychologische Sehnsucht, die sich zwar technischer Mittel bedient, deren Erfolg aber primär an der Kraft der Erzählung hängt, welche die materiellen Grenzen des Mediums transzendiert.