IMPULSE #8 – Im Schatten des Orangenbaums

Der Film erzählt Erinnerungen nicht laut oder dramatisch, sondern fragmentarisch, beinahe beiläufig. Genau das fühlt sich für mich sehr nah an der Realität von Erinnerung an. Erinnerungen tauchen selten vollständig auf. Sie sind oft bruchstückhaft, verbunden mit einzelnen Bildern, Gefühlen oder Situationen. Im Film passiert viel zwischen den Zeilen: Blicke, Stille, unausgesprochene Gedanken. Diese Leerstellen haben für mich besonders gut gezeigt, dass Erinnern nicht immer erklärbar ist – und vielleicht auch nicht sein muss.

Auch der Ort des Erlebens war entscheidend. Das Kino als dunkler, abgeschlossener Raum schafft eine besondere Form von Konzentration und Intimität. Man sitzt still, blickt nach vorne, teilt den Raum mit anderen Menschen – und erlebt doch etwas sehr Persönliches. Diese Kombination aus kollektiver Situation und individueller Wahrnehmung finde ich extrem spannend für meine Arbeit. Erinnerungen entstehen oft genau in diesem Spannungsfeld: Sie gehören uns, sind aber trotzdem eingebettet in soziale und räumliche Kontexte.

Während des Films hatte ich mehrfach das Gefühl, selbst in Erinnerungen einzutauchen – nicht nur in die des Protagonisten, sondern auch in meine eigenen. Bestimmte Szenen haben Gefühle ausgelöst, ohne dass ich sie direkt benennen konnte. Genau darin liegt für mich eine große Stärke: Erinnerung funktioniert nicht rational, sondern emotional und körperlich. Man spürt etwas, bevor man es versteht. Für meine Masterarbeit bestätigt das die Idee, dass Erinnerungsräume nicht erklärend oder informierend sein müssen, sondern vor allem atmosphärisch.

Besonders berührt hat mich die Perspektive des Kindes im Film. Kindliche Erinnerungen wirken oft intensiv, gleichzeitig aber unscharf. Sie sind emotional aufgeladen, ohne logisch strukturiert zu sein. Das erinnert mich daran, dass Erinnerungen keine klaren Archive sind, sondern lebendige Prozesse. Sie verändern sich mit der Zeit, mit Abstand, mit neuen Erfahrungen. Im Film wird diese Veränderlichkeit spürbar – Erinnerungen erscheinen weich, verletzlich und manchmal schmerzhaft, aber nie abgeschlossen.

Im Kontext meiner Masterarbeit nehme ich aus diesem Kinobesuch vor allem eines mit: Erinnerung braucht Raum, Zeit und Offenheit. Sie entsteht dort, wo man nicht alles vorgibt, sondern Platz lässt. Der Film und das Kino haben mir gezeigt, wie wirkungsvoll Zurückhaltung sein kann. Nicht alles muss erklärt werden, nicht jede Erinnerung muss vollständig sein. Gerade das Unvollständige, das Leise und das Persönliche machen Erinnern würdevoll und menschlich.

Der Kinobesuch war damit nicht nur ein kulturelles Event, sondern ein sehr stimmiger Impuls für meine Arbeit – als Beispiel dafür, wie Erinnerungen erlebt, nicht nur dargestellt werden können.

https://kizroyalkino.at/#/movie/6592

IMPULSE #3 – Graz Museum Schlossberg

Interessant war es für mich vor allem wegen der Verbindung von Geschichte, Raum und Barrierefreiheit. Beim Durchgehen habe ich gemerkt, wie wichtig Orte für Erinnerungen sind. Erinnern passiert nicht einfach irgendwo – es braucht Räume, die etwas in uns auslösen, die Gefühle, Bilder oder Gedanken anstoßen. Genau das hat das Museum bei mir gemacht.

Besonders hängen geblieben ist mir das interaktive Stadtpanorama. Ich fand es richtig spannend, wie man Vergangenheit und Gegenwart direkt nebeneinander sehen und vergleichen konnte. Man schaut auf dieselbe Stadt, aber in unterschiedlichen Zeiten – und merkt, wie viel sich verändert hat und wie viel trotzdem geblieben ist. Das hat mich stark daran erinnert, wie Erinnerungen im Kopf funktionieren. Alte Bilder vermischen sich mit neuen Eindrücken, manches ist klar, anderes verschwommen, und dazwischen entstehen Lücken oder neue Bedeutungen. Erinnerung ist nie objektiv oder abgeschlossen. Genau dieses Überlagern und Neuinterpretieren könnte man gestalterisch unglaublich gut nutzen, um Erinnern interaktiv erlebbar zu machen, statt es nur zu erzählen oder auszustellen.

Mega spannend fand ich auch das taktile Panorama und generell die barrierefreie Gestaltung des Museums. Das hat mir nochmal deutlich gemacht, wie wichtig es ist, dass Erinnerungsräume für alle zugänglich sind. Erinnerung darf nichts sein, das nur für bestimmte Menschen funktioniert. Gerade in meinem eigenen Thema spielt Würde eine große Rolle – und ich glaube, eine Erinnerung ist nur dann wirklich würdevoll, wenn jede Person die Möglichkeit hat, sie zu erleben. Egal, wie alt jemand ist, welche körperlichen oder sensorischen Fähigkeiten er oder sie hat oder in welchem emotionalen Zustand man sich befindet. Das Museum zeigt, dass Inklusion nicht kompliziert sein muss, sondern selbstverständlich Teil guter Gestaltung sein kann.

Was mich außerdem sehr inspiriert hat, war der Blick über die Stadt von oben. Man sieht alles auf einmal, sehr klar und strukturiert, aber gleichzeitig fühlt man sich emotional ein bisschen distanziert. Man ist nah dran – und doch nicht wirklich Teil davon. Dieses Gefühl hat mich total an die Art erinnert, wie man manchmal auf Verstorbene zurückschaut. Sie sind einem nahe, man trägt sie in sich, denkt an gemeinsame Orte oder Momente, und trotzdem sind sie weit weg. Diese Mischung aus Nähe und Distanz fand ich unglaublich stark und emotional.

Insgesamt hat mir der Besuch im Schlossbergmuseum gezeigt, wie sensibel Erinnerungsräume sein können – und wie viel Potenzial in ihnen steckt. Durch Raum, Perspektive, Interaktion und Barrierefreiheit wird Erinnerung hier nicht nur vermittelt, sondern erfahrbar gemacht. Nicht laut oder aufdringlich, sondern ruhig, respektvoll und menschlich. Genau das hat mich nachhaltig beeindruckt.

Takeaways für mein Projekt:

  • Erinnerungen können räumlich erzählt werden, nicht nur visuell.
  • Barrierefreiheit = Würde.
  • Mehrschichtige Geschichten sind natürlicher als lineare.

Links:
https://www.grazmuseum.at/schlossberg

IMPULSE #7 – „Sentimental Value“ im KIZ Royal

Der Film Sentimental Value im KIZ Royal war für mich ein guter Impuls, weil er zeigt, wie stark Erinnerungen an Gegenständen hängen können. Der Film erzählt mehrere Geschichten, in denen Alltagsobjekte plötzlich einen hohen emotionalen Wert bekommen – einfach, weil eine bestimmte Person damit verbunden ist. Das passt direkt zu meinem Forschungsthema.

Was mir gefallen hat: Der Film ist sehr ruhig und verzichtet auf große Dramen. Dadurch denkt man automatisch über eigene Erinnerungsstücke nach. Ich habe gemerkt, dass Erinnerungen oft an kleinen Details hängen, nicht an „großen Momenten“. Für mein Designprojekt heißt das: Man muss Erinnerungen nicht überladen oder künstlich emotional gestalten. Es reicht oft, wenn man einen kleinen, persönlichen Anknüpfungspunkt bietet.

Interessant war auch, wie unterschiedlich Menschen im Film mit Erinnerungsobjekten umgehen. Manche heben alles auf, andere verlieren Dinge versehentlich oder geben sie weiter. Das zeigt, dass Erinnerungsdesign flexibel sein muss. Nicht jede Person will das Gleiche, und nicht jede Beziehung zu einem Verstorbenen funktioniert gleich.

Der Film hat mir außerdem bewusst gemacht, dass Erinnerungen nicht immer visuell funktionieren. Oft entsteht Bedeutung erst, wenn man innerlich eine Verbindung herstellt. Das heißt für mein Projekt: Interaktivität sollte nicht nur „etwas auslösen“, sondern eine kleine Reflexion anstoßen.

Im Kino ist mir aufgefallen, wie ruhig der Saal war. Man hat richtig gemerkt, dass viele Zuschauer über eigene Geschichten nachdenken. Diese Atmosphäre – ein kollektiver, aber stiller Reflexionsmoment – wäre etwas, das ich gern auch in meinem Projekt erzeugen würde. Kein Zwang zu Emotion, sondern ein Raum, in dem sie von selbst entstehen kann.

Was ich mitnehme:

  • Erinnerungsdesign muss nicht komplex sein. Ein kleines Element kann reichen.
  • Bedeutung entsteht durch persönliche Verbindung, nicht durch Effekte.
  • Nicht jede Interaktion muss aktiv sein – auch stille Räume wirken stark.
  • Gegenstände können gute Ausgangspunkte für erinnerungsbasierte Gestaltung sein.

Links:
https://www.kizroyalkino.at
https://de.wikipedia.org/wiki/Sentimentalismus 
https://www.filmstarts.de (Filmrecherche allgemein)

IMPULSE #6 – CoSa Museum: Gamification als Zugang zu Erinnerung

Der Besuch im CoSa (Center of Science Activities) im Joanneumsviertel war für mich überraschend inspirierend – und zwar viel stärker, als ich vorher gedacht hätte. Wir waren ja mit dem ganzen Studiengang dort, um uns mit unterschiedlichen Gamification-Ansätzen auseinanderzusetzen, und es war spannend zu beobachten, wie unterschiedlich Menschen auf spielerische Formate reagieren. Obwohl das Museum eigentlich ein Wissenschafts- und Technikfokus hat, konnte ich total viel für mein eigenes Thema mitnehmen: nämlich wie man Menschen niedrigschwellig in Interaktion bringt, ohne dass sie sich „belehrt“ fühlen.

Was mir sofort aufgefallen ist: Alles im CoSa ist darauf ausgelegt, dass Besucher*innen ausprobieren, anfassen, testen und reagieren. Es geht nicht um reines Wissen, sondern um Erleben. Genau das fehlt oft in klassischen Formen des Erinnerns oder Gedenkens – da wird meist geschaut, gelesen, vielleicht gehört, aber selten mitgemacht. Dabei kann Interaktion total viel auslösen, gerade wenn es um persönliche Geschichten oder Emotionen geht.

Ich fand spannend, wie das CoSa Komplexität herunterbricht. Viele Stationen wirken auf den ersten Blick simpel, aber sobald man anfängt, sich damit zu beschäftigen, versteht man, wie viel dahintersteckt. Dieser Ansatz könnte total relevant für Erinnerungsdesign sein: Nicht alles muss sofort tief oder schwer sein. Vielleicht braucht es zuerst einen spielerischen Einstieg, der Menschen öffnet, bevor es emotionaler wird.

Ein Beispiel war eine Installation, bei der man durch Bewegungen bestimmte Reaktionen ausgelöst hat. Das hat mich sofort daran erinnert, wie man Erinnerungen körperlich erfahrbar machen könnte – vielleicht durch Gesten, durch Berührung, durch kleine Interaktionen, die etwas sichtbar oder hörbar machen. Es muss nicht immer High-End-Technologie sein; manchmal reicht schon eine einfache, intuitive Handlung, um eine Verbindung herzustellen.

Was ich auch mega wichtig fand: Gamification heißt nicht, dass alles witzig oder leicht ist. Es geht darum, Menschen zu motivieren, aktiv zu werden. Und gerade im Kontext von Trauer könnte das einen großen Unterschied machen. Viele Menschen sprechen nicht gerne über verstorbene Angehörige, weil es schwer oder unangenehm ist. Aber wenn Erinnerungen in Form eines spielerischen, neugierig machenden Elements auftauchen – zum Beispiel als kleine Mission, als Entdeckung oder als interaktive Geschichte – könnte das den Zugang erleichtern.

Natürlich muss man da total sensibel sein, weil Gamification schnell respektlos wirken kann, wenn sie falsch eingesetzt wird. Aber der Besuch im CoSa hat mir gezeigt, dass Gamification nicht automatisch bedeutet, etwas ins Lächerliche zu ziehen. Es kann auch bedeuten: Prozesse verständlich machen, Hemmschwellen abbauen, Emotionen sanft aktivieren, Menschen zum Dranbleiben motivieren.

Was ich mitnehme:

  • Interaktivität muss nicht kompliziert sein.
  • Spielerische Elemente können Menschen emotional öffnen.
  • Gamification kann würdevoll sein, wenn sie empathisch gestaltet ist.
  • Erinnerungen lassen sich durch Handlung statt reine Betrachtung aktivieren.

Damit bestätigt der CoSa-Besuch für mich, dass ich in meinem Projekt auf jeden Fall stärker mit spielerischen Elementen arbeiten kann – nicht als „Game“, sondern als Ansatz, Erinnern erlebbar und zugänglich zu machen.

Links:
https://www.museum-joanneum.at/cosa
https://www.joanneumsviertel.at
https://de.wikipedia.org/wiki/Gamification

IMPULSE #5 – „Belly of the Best“ im Schauspielhaus

Belly of the Best“ war für mich ein überraschend intensiver und gleichzeitig sehr leiser Impuls, der noch lange nachgewirkt hat. Auf den ersten Blick wirkt das Stück fast unscheinbar: Es spielt „nur“ in einer Bar, einem Ort, den man kennt, an dem man schon unzählige Gespräche geführt und Nächte verbracht hat. Doch genau diese Vertrautheit macht den Raum so stark. Während drei Freund:innen gemeinsam eine Party vorbereiten, entfaltet sich im Hintergrund etwas viel Größeres: Beziehungen beginnen zu bröckeln, alte Verletzungen kommen hoch, und Nähe wird plötzlich kompliziert. Das Stück pendelt ständig zwischen Humor, Überforderung und Melancholie. Man lacht, obwohl es wehtut, und genau das fühlt sich extrem menschlich an.

Besonders spannend fand ich, wie viel über das Ungesagte erzählt wird. Viele Konflikte werden nicht offen ausgesprochen, sondern bleiben zwischen Blicken, Pausen oder beiläufigen Kommentaren hängen. Diese Lücken erzeugen eine enorme Spannung, weil man als Zuschauer:in gezwungen ist, selbst zu fühlen und zu interpretieren. Für mein Forschungsthema war das ein wichtiger Gedanke: Erinnerungen funktionieren oft genauso. Sie sind selten klar oder abgeschlossen. Stattdessen bestehen sie aus Fragmenten – kurzen Szenen, bestimmten Geräuschen, Gerüchen oder Körpergefühlen. Man erinnert sich nicht an alles, aber das, was bleibt, ist emotional aufgeladen und bedeutungsvoll.

Auch das Bühnenbild hat mich stark beschäftigt. Die Kabel, Dosentelefone und die fest installierte Handykamera wirkten zunächst chaotisch, fast improvisiert. Doch je länger man hinsah, desto klarer wurde die Symbolik dahinter. Alles drehte sich um Kommunikation: Wer spricht mit wem? Wer hört zu? Wer bleibt ausgeschlossen? Gleichzeitig wurde sichtbar, wie abhängig die Figuren voneinander sind und wie sehr Nähe und Distanz ineinandergreifen. Diese visuelle Unordnung hat mir gezeigt, dass Gestaltung nicht immer aufgeräumt oder „schön“ sein muss, um zu funktionieren. Gerade für das Thema Erinnerung kann es sinnvoll sein, Widersprüche sichtbar zu lassen und nicht alles glattzubügeln.

Besonders berührt haben mich die Songs im Stück. Musik hat die Fähigkeit, Emotionen sofort auszulösen und Erinnerungen fast körperlich spürbar zu machen. Ein Lied kann einen schlagartig in einen bestimmten Moment zurückwerfen, ohne dass man genau sagen kann, warum. Das hat mir deutlich gemacht, wie wichtig Soundgestaltung für mein eigenes Projekt sein könnte – nicht als bloße Untermalung, sondern als aktiver Auslöser von Erinnerung und Gefühl.

Was ich letztlich aus „Belly of the Best“ mitnehme, ist vor allem die Bedeutung von Authentizität. Das Stück zeigt Emotionen, die unangenehm, widersprüchlich oder sogar peinlich sind. Aber genau darin liegt seine Stärke. Für mein Design bedeutet das, Erinnerungsräume zu schaffen, die nicht nur idealisierte Bilder zeigen, sondern auch Brüche zulassen. Räume, in denen Trauer, Nähe, Überforderung und Liebe nebeneinander existieren dürfen – so unordentlich und echt wie das Erinnern selbst.


Takeaways für mein Projekt:

  • Emotionen wirken stärker, wenn sie nicht geglättet werden.
  • Metaphorische Objekte können Erinnerungen aufladen.
  • Musik kann als emotionales Interface funktionieren.

Links:
https://schauspielhaus-graz.buehnen-graz.com
https://de.wikipedia.org/wiki/Theaterpädagogik
https://memorystudiesassociation.org

IMPULSE #4 – Steirischer Herbst: „Never Again Peace“

Der Besuch von „Never Again Peace“ beim steirischen herbst war für mich emotional deutlich intensiver als erwartet. Das Stück basiert zwar auf einem älteren Text von Ernst Toller, wirkt aber unglaublich aktuell. Es geht um Krieg, Angst, Manipulation, politische Verschiebungen – aber eigentlich auch um Erinnerung: Was passiert, wenn eine Gesellschaft vergisst, was einmal war?

Für meine Recherche war vor allem spannend zu sehen, wie Erinnerung im Theater nicht einfach erzählt, sondern gefühlt wird. Die Inszenierung hat mit Übertreibung, Satire und ernsten Momenten gespielt, und genau dadurch entsteht dieser Kloß im Hals. Das zeigt mir: Erinnerung muss nicht immer harmonisch oder schön sein. Manchmal hilft gerade Irritation, um Gefühle auszulösen.

Ich fand auch interessant, wie das Publikum reagiert hat. In manchen Momenten wurde gelacht, in anderen war es plötzlich ganz still. Diese kollektive Reaktion zeigt, wie stark geteilte Erfahrung wirken kann. Erinnern passiert also nicht nur im eigenen Kopf, sondern auch in Gruppen – was wiederum relevant für Trauerkultur ist. Vielleicht braucht es Räume, in denen Menschen gemeinsam erinnern können, ohne dass es gleich eine „offizielle Zeremonie“ ist.

Das Stück hat auch die Frage aufgeworfen, wie Erinnerungen politisch beeinflusst werden. Man sieht im Stück, wie leicht sich Menschen von Angst leiten lassen und wie schnell Feindbilder entstehen. Dadurch habe ich gemerkt, dass Erinnerungsdesign Verantwortung trägt: Wenn ich Erinnerungsräume gestalte, muss ich mitdenken, wie sie wirken können – nicht nur emotional, sondern auch gesellschaftlich.

Was ich außerdem mitnehme: Theater ist extrem körperlich. Licht, Stimme, Bewegung, Nähe – all das erzeugt Erinnerungen, die sich nicht so leicht wieder auflösen. Genau diese Körperlichkeit könnte man in neuen Formen der Trauerbewältigung nutzen. Vielleicht braucht Erinnern manchmal einen performativen Aspekt, etwas, das im Moment passiert statt im Nachhinein konsumiert wird.

Takeaways für mein Projekt:

  • Erinnerung darf unbequem sein.
  • Gemeinsame Emotionen können starke Bindung erzeugen.
  • Performative Elemente könnten neue Wege der Trauerkommunikation öffnen.

Links:
https://www.steirischerherbst.at
https://de.wikipedia.org/wiki/Ernst_Toller
https://theatreandmemory.org

IMPULSE #2 – GrazMuseum „Demokratie, heast!“

Dieser Ausstellungsbesuch war auf den ersten Blick nicht gerade ein klassisches „Trauer-Thema“, aber eigentlich war er für meine Recherche super relevant. „Demokratie, heast!“ beschäftigt sich stark mit Partizipation, Perspektivenvielfalt und Zuhören – und genau diese Aspekte lassen sich überraschend gut auf Erinnerungskultur und den Umgang mit Erinnerungen an Verstorbene übertragen. Gerade weil die Ausstellung nicht explizit über Trauer spricht, eröffnet sie einen anderen, vielleicht sogar freieren Blick auf das Thema.

Was mich gleich zu Beginn angesprochen hat, war die Offenheit der Ausstellung. Sie gibt keine klare Richtung vor und zwingt einem keine Haltung auf, sondern lädt eher dazu ein, mitzudenken, stehen zu bleiben und eigene Positionen zu hinterfragen. Es gibt Stationen, bei denen man eigene Gedanken teilen kann, Fragen beantworten oder einfach anderen Stimmen zuhören. Dadurch entsteht kein festes Narrativ, sondern ein vielschichtiger Raum aus Meinungen, Erfahrungen und Fragmenten. Mir ist dabei klar geworden: Erinnerungen funktionieren ganz ähnlich wie Demokratie – sie sind vielstimmig. Jeder Mensch erinnert anders, jeder bringt seine eigene Geschichte, seine eigene emotionale Färbung und seinen eigenen Zugang mit.

Diese Vielstimmigkeit ist etwas, das in klassischer Erinnerungskultur oft zu kurz kommt. Häufig gibt es dominante Erzählungen, offizielle Formen des Gedenkens oder „richtige“ Arten, zu trauern. Die Ausstellung zeigt dagegen, wie wertvoll es sein kann, Widersprüche auszuhalten und unterschiedliche Perspektiven nebeneinander stehen zu lassen. Für mein Projekt bedeutet das: Erinnerungsdesign sollte nicht versuchen, Erinnerungen zu vereinheitlichen oder zu ordnen, sondern Räume schaffen, in denen Unterschiedlichkeit Platz hat.

Besonders stark fand ich den Fokus aufs Zuhören. In der Ausstellung wurde Zuhören als demokratische Grundkompetenz dargestellt – nicht nur reden, nicht nur Meinung äußern, sondern auch Raum geben, um andere Stimmen wahrzunehmen. Für mein Projekt heißt das: Vielleicht braucht Erinnerungsdesign nicht nur Tools zum Erzählen, sondern auch Tools zum Gehörtwerden. Es geht nicht nur darum, Erinnerungen zu speichern oder sichtbar zu machen, sondern Resonanz zu ermöglichen. Also Situationen zu schaffen, in denen jemand das Gefühl hat: Meine Erinnerung wird wahrgenommen, auch wenn sie leise, fragmentarisch oder unvollständig ist.

Mir hat außerdem gefallen, dass die Ausstellung insgesamt nicht laut oder überfordernd war, sondern ruhig und einladend. Es gab keine grellen Effekte, keinen moralischen Zeigefinger, keinen Zwang zur Interaktion. Man konnte mitmachen, musste aber nicht. Genau das ist für Trauer extrem wichtig: Menschen brauchen Raum, aber keinen Druck. Sie brauchen Angebote, keine Aufforderungen. Vieles war niedrigschwellig gestaltet – visuell, sprachlich und interaktiv. Diese Zurückhaltung wirkt respektvoll und würdevoll, ohne distanziert zu sein.

Das ist für Erinnerungsdesign ein zentraler Punkt. Würdige Erinnerung braucht keine großen Gesten oder Pathos. Sie braucht Offenheit, Zeit und die Möglichkeit, sich auf eigene Weise einzubringen. Die Ausstellung hat mir gezeigt, dass gute Gestaltung Beteiligung schaffen kann, auch ohne komplexe Technologie oder spektakuläre Inszenierung. Oft reicht eine klare Haltung, eine gute Frage oder ein Raum, der Sicherheit vermittelt.

Was ich aus diesem Ausstellungsbesuch mitnehme, geht über den konkreten Inhalt hinaus. Er hat mir gezeigt, dass Erinnerung nicht etwas rein Individuelles ist, sondern immer sozial entsteht. Sie entsteht im Austausch, im Zuhören, im Nebeneinander verschiedener Stimmen. Und genau dort liegt für mich großes Potenzial für neue Formen der Erinnerungskultur.

Was ich mitnehme:

  • Erinnerung ist sozial, nicht nur individuell.
  • Gute Gestaltung schafft Beteiligung, auch ohne Technologie.
  • Zuhören sollte im Erinnerungsdesign eine viel größere Rolle spielen.

Links:
https://museum-joanneum.at/demokratie-heast

IMPULSE #1 – Klanglicht Graz

Klanglicht 2026 war für mich ein richtig angenehmer Startpunkt für meine Recherche. Es war zwar erst mein zweites Klanglicht, aber diesmal bin ich ganz anders hineingegangen. Ich habe mir bewusst Zeit genommen und versucht, nicht nur zu konsumieren oder „schön zu finden“, sondern genauer zu beobachten, wie Licht, Sound und Raum eigentlich Emotionen erzeugen. Genau das ist ja auch der Kern meiner Arbeit: Erinnerungen spürbar machen – nicht nur zeigen oder erklären, sondern fühlbar werden lassen.

Was mich bei Klanglicht besonders fasziniert hat, war diese Mischung aus Staunen, Ruhe und gleichzeitig einem totalen Überwältigtsein. Man bewegt sich durch die Stadt, die man eigentlich gut kennt, und plötzlich wirken Straßen, Plätze und Gebäude komplett anders. Vertraute Orte verlieren kurz ihre Alltäglichkeit und bekommen etwas Fremdes, fast Zeitloses. Das hat mich stark daran erinnert, dass Erinnerungen nie fix oder abgeschlossen sind. Sie verändern sich ständig – je nachdem, aus welchem Blickwinkel man schaut, in welcher Stimmung man ist oder welche Atmosphäre gerade entsteht.

Viele Installationen haben genau dieses Gefühl verstärkt. Sie haben nichts „erzählt“ im klassischen Sinn, sondern eher Räume geöffnet, in denen man selbst etwas gespürt hat. Ich hatte oft das Gefühl, dass nicht das einzelne Werk im Vordergrund stand, sondern das Zusammenspiel aus Licht, Klang, Architektur und den Menschen, die sich darin bewegen. Dadurch wurde mir klar, wie sehr Erinnerung auch etwas Situatives ist – etwas, das im Moment entsteht und nicht einfach abrufbar ist wie eine Datei.

Ein Moment, der mir besonders hängen geblieben ist, war eine Projektion, die wie schwebende Lichtpartikel gewirkt hat, begleitet von einem extrem minimalistischen Sound. Es war nichts Lautes, nichts Dramatisches. Viele Leute standen einfach still da, teilweise minutenlang. Niemand hat geredet, niemand hat gefilmt. Das Ganze hatte etwas sehr Intimes, obwohl man von fremden Menschen umgeben war. Es war fast wie ein kollektives „In-sich-Hineinhorchen“. Genau solche Zustände finde ich extrem spannend, wenn es um neue Formen der Erinnerung an Verstorbene geht: Situationen, die automatisch entschleunigen, ohne dabei traurig oder kitschig zu wirken.

Mir wurde bei Klanglicht auch sehr bewusst, wie stark multisensorische Gestaltung Emotionen beeinflussen kann. Licht kann warm oder kühl wirken, Geborgenheit erzeugen oder Distanz schaffen. Klang kann Nähe herstellen oder einen Raum aufspannen, der fast leer wirkt. Und zusammen können Licht und Sound eine Stimmung erzeugen, die ganz ohne Worte auskommt. Das ist für mein Thema besonders relevant, weil klassische Trauer- und Erinnerungskommunikation oft sehr sprach- und bildlastig ist. Man erklärt, beschreibt, zeigt Fotos. Vielleicht müsste man Erinnerungen viel stärker erleben lassen, statt sie zu erklären oder zu archivieren.

Das Festival hat mir außerdem gezeigt, dass Emotionen nicht nur im Inneren einer Person entstehen, sondern stark vom Raum und von anderen Menschen beeinflusst werden. Die Stimmung zwischen den Besucher*innen, das gemeinsame Schweigen, das langsame Gehen – all das trägt zur Erfahrung bei. Erinnerung ist damit nichts rein Privates, sondern etwas, das auch kollektiv entstehen kann, ohne laut oder aufdringlich zu sein.

Was ich vom Festival konkret mitnehme:
-Erinnern kann interaktiv sein, ohne dass man aktiv etwas bedienen oder steuern muss – manchmal reicht schon Bewegung, Licht und Atmosphäre.
-Emotionen entstehen oft im Raum zwischen Menschen, nicht nur in ihnen selbst.
-Erinnerungsdesign könnte viel stärker mit Raum, Stimmung und Zeit arbeiten, statt sich nur auf Objekte, Texte oder Bilder zu konzentrieren.

Klanglicht war für mich damit weniger ein Event und mehr eine Art Denkraum – und ein sehr stimmiger Einstieg in meine weitere Recherche.

Links:
https://www.klanglicht.at
Analysing the Multi‑sensory Elements of Immersive Experience for Art Exhibitions (PDF)
https://www.mdpi.com/2075-5309/15/8/1393?utm_source=chatgpt.com

Kritische Bewertung einer externen Masterarbeit

Titel: Trauerbewältigung: Rituale und Aufgaben zur Annahme von Trauer in der psychologischen Beratung
Masterarbeit, Universität Graz (2022)
Verfasserin: Niederdorfer, Sabine
Begutachterin: Friehs, Barbara

Wie können Menschen lernen, mit Verlust umzugehen? Und was kann man aus psychologischer Forschung über Trauer für das eigene Produktdesign (Erinnerungsbox) und Masterarbeit im Bereich Erinnerung und Emotion mitnehmen?

Inhalt und Aufbau
Die Masterarbeit befasst sich mit der Frage, wie psychologische Beratung Menschen dabei unterstützt, Trauer anzunehmen und zu verarbeiten. Sie betrachtet verschiedene Trauermodelle und erklärt, wie Beratungsprozesse helfen können, emotionale Stabilität nach einem Verlust wiederzufinden.

Kritische Bewertung
Gestaltungshöhe:
Die Arbeit ist klassisch aufgebaut und erfüllt alle wissenschaftlichen Standards. Visuelle oder kreative Elemente spielen keine Rolle, im Fokus steht der Inhalt.

Innovationsgrad:
Die Kombination aus Trauerbewältigung und Beratungspsychologie ist kein völlig neuer Ansatz, wird aber sorgfältig und praxisnah behandelt.

Selbstständigkeit:
Die Autorin arbeitet eigenständig, mit klarer Fragestellung und reflektierter Argumentation.

Gliederung und Struktur:
Die Struktur ist logisch aufgebaut, von theoretischer Basis bis zur praktischen Anwendung. Der rote Faden bleibt durchgehend erkennbar.

Kommunikationsgrad:
Die Sprache ist wissenschaftlich, aber verständlich. Fachbegriffe werden erklärt, und der Text ist angenehm zu lesen.

Umfang:
Der Umfang ist stimmig, weder zu kurz noch ausschweifend. Alle relevanten Aspekte werden abgedeckt.

Sorgfalt und Genauigkeit:
Sprachlich sehr sauber, korrekt zitiert und sorgfältig ausgearbeitet.

Literatur:
Die Arbeit nutzt solide psychologische Fachliteratur. Eine Ausweitung auf kultur- oder sozialwissenschaftliche Perspektiven wäre interessant gewesen, um das Thema noch breiter zu fassen.

Fazit und Relevanz für die eigene Masterarbeit
Die Masterarbeit bietet eine fundierte psychologische Grundlage zum Thema Trauer. Für mein eigenes Projekt „Die Erinnerungsbox“ ist sie besonders relevant, weil sie zeigt, wie zentral die bewusste Auseinandersetzung mit Verlust ist. Während die Arbeit selbst theoretisch bleibt, liefert sie wichtige emotionale und inhaltliche Impulse, um ein Produkt zu entwickeln, das Erinnerung, Würdigung und Trauer auf positive Weise verbindet.

Post #2.10 – What We’ve Learned So Far

After nine different testing sessions across multiple environments, preschools, family homes, group play, and one-on-one settings, it’s time to step back and reflect on everything we’ve learned from putting the ABC Learning Cards into the hands of real children.

This wasn’t just a trial of the cards themselves. It was a broader exploration of how young learners interact with letters, sounds, images, and the process of early literacy in general. The goal wasn’t perfection, it was observation. And what we saw was a series of small, meaningful moments that pointed toward something much bigger: learning happens in many ways, not always in the way we plan it.

So, What Did We Learn?

1. Pictures Lead the Way

Across nearly every test session, the most consistent response was this: children are drawn to images first. They engage through visuals, especially ones that feel familiar: animals, food, and objects from their everyday lives. The letter itself is almost always secondary at first.

This confirmed that the visual design of the cards needs to stay clean, bold, and instantly recognizable. Cards that featured unfamiliar or abstract objects (like “net” or “violin”) were either misunderstood or ignored. Switching to more universally recognizable images is already in the works.

2. Children Learn Through Play, Not Pressure

The most powerful learning moments happened during spontaneous games and unstructured exploration. Whether children were making up their own rules, organizing cards into categories, or assigning cards to each other like characters, they were doing more than playing, they were constructing meaning.

Structured activities helped guide focus, but play gave them ownership. When learning becomes a child-led process, it sticks.

3. Letter Recognition Emerges Gradually

Only a few children could consistently name letters on sight, but nearly all could remember a few after repeated exposure, especially when linked to personal associations (like the first letter of their name). That gradual familiarity is important. It showed us that the cards don’t need to teach the entire alphabet at once. They can and should, be used in small, repeating doses over time.

Confidence often grew quietly: a child remembering one more letter than last time, or saying “I know this one!” when shown a familiar image. These were early signs of real learning taking hold.

4. Sound Comes Before Spelling

In testing sessions focused on letter sounds, I noticed children often picked up the beginning sound of a word (“sss for snake”) even if they couldn’t name the letter. This reinforces what we know from literacy research: phonemic awareness comes before formal phonics.

The ABC cards acted as a useful bridge here. Sound-based games (“What starts with Mmm?”) often created more engagement than letter naming alone.

5. Short Bursts Work Best

Attention spans were short, as expected. Children typically stayed engaged for 8–15 minutes in solo play and up to 25 minutes in small groups with guided games. This tells us the cards work best when used in short, purposeful sessions rather than extended activities. And they’re highly re-playable. Several children returned to the cards multiple times within a session, picking different favorites each time.

6. Parents and Educators Need Gentle Structure

In home settings, parents responded positively to the cards but asked for more guidance. A few simple game suggestions, question prompts, or learning tips could go a long way. The next iteration of the project will include a small fold-out guide with ideas for:

  • 5-minute and 10-minute games
  • Sound-matching activities
  • Tracing extensions
  • Tips for encouraging confidence through repetition

What Didn’t Work (And Why That’s Okay)

Not everything landed perfectly. Some children were confused by less familiar words. Others grew disinterested when there was no variety in how the cards were presented. In a few sessions, children fixated only on the images and ignored the letters entirely, which, while expected, reminded us not to overestimate early symbolic understanding.

But these moments were useful. They showed us what needs refining, not what needs abandoning. Testing isn’t about proving that a product is finished, it’s about seeing what real use looks like, and making it better from there.

Final Thoughts

The ABC Learning Cards were never meant to be the solution to teaching literacy, but they can be a starting point. A playful, friendly, confidence-boosting tool that introduces letters, sounds, and early word awareness in a way that feels natural to the way children already explore the world.

If there’s one thing this testing phase has shown clearly, it’s this:

Kids are ready. They’re curious, creative, and capable. And the right tools, offered at the right time, can help them feel proud of what they’re learning.