IMPULSE #1 – Klanglicht Graz

Klanglicht 2026 war für mich ein richtig angenehmer Startpunkt für meine Recherche. Es war zwar erst mein zweites Klanglicht, aber diesmal bin ich ganz anders hineingegangen. Ich habe mir bewusst Zeit genommen und versucht, nicht nur zu konsumieren oder „schön zu finden“, sondern genauer zu beobachten, wie Licht, Sound und Raum eigentlich Emotionen erzeugen. Genau das ist ja auch der Kern meiner Arbeit: Erinnerungen spürbar machen – nicht nur zeigen oder erklären, sondern fühlbar werden lassen.

Was mich bei Klanglicht besonders fasziniert hat, war diese Mischung aus Staunen, Ruhe und gleichzeitig einem totalen Überwältigtsein. Man bewegt sich durch die Stadt, die man eigentlich gut kennt, und plötzlich wirken Straßen, Plätze und Gebäude komplett anders. Vertraute Orte verlieren kurz ihre Alltäglichkeit und bekommen etwas Fremdes, fast Zeitloses. Das hat mich stark daran erinnert, dass Erinnerungen nie fix oder abgeschlossen sind. Sie verändern sich ständig – je nachdem, aus welchem Blickwinkel man schaut, in welcher Stimmung man ist oder welche Atmosphäre gerade entsteht.

Viele Installationen haben genau dieses Gefühl verstärkt. Sie haben nichts „erzählt“ im klassischen Sinn, sondern eher Räume geöffnet, in denen man selbst etwas gespürt hat. Ich hatte oft das Gefühl, dass nicht das einzelne Werk im Vordergrund stand, sondern das Zusammenspiel aus Licht, Klang, Architektur und den Menschen, die sich darin bewegen. Dadurch wurde mir klar, wie sehr Erinnerung auch etwas Situatives ist – etwas, das im Moment entsteht und nicht einfach abrufbar ist wie eine Datei.

Ein Moment, der mir besonders hängen geblieben ist, war eine Projektion, die wie schwebende Lichtpartikel gewirkt hat, begleitet von einem extrem minimalistischen Sound. Es war nichts Lautes, nichts Dramatisches. Viele Leute standen einfach still da, teilweise minutenlang. Niemand hat geredet, niemand hat gefilmt. Das Ganze hatte etwas sehr Intimes, obwohl man von fremden Menschen umgeben war. Es war fast wie ein kollektives „In-sich-Hineinhorchen“. Genau solche Zustände finde ich extrem spannend, wenn es um neue Formen der Erinnerung an Verstorbene geht: Situationen, die automatisch entschleunigen, ohne dabei traurig oder kitschig zu wirken.

Mir wurde bei Klanglicht auch sehr bewusst, wie stark multisensorische Gestaltung Emotionen beeinflussen kann. Licht kann warm oder kühl wirken, Geborgenheit erzeugen oder Distanz schaffen. Klang kann Nähe herstellen oder einen Raum aufspannen, der fast leer wirkt. Und zusammen können Licht und Sound eine Stimmung erzeugen, die ganz ohne Worte auskommt. Das ist für mein Thema besonders relevant, weil klassische Trauer- und Erinnerungskommunikation oft sehr sprach- und bildlastig ist. Man erklärt, beschreibt, zeigt Fotos. Vielleicht müsste man Erinnerungen viel stärker erleben lassen, statt sie zu erklären oder zu archivieren.

Das Festival hat mir außerdem gezeigt, dass Emotionen nicht nur im Inneren einer Person entstehen, sondern stark vom Raum und von anderen Menschen beeinflusst werden. Die Stimmung zwischen den Besucher*innen, das gemeinsame Schweigen, das langsame Gehen – all das trägt zur Erfahrung bei. Erinnerung ist damit nichts rein Privates, sondern etwas, das auch kollektiv entstehen kann, ohne laut oder aufdringlich zu sein.

Was ich vom Festival konkret mitnehme:
-Erinnern kann interaktiv sein, ohne dass man aktiv etwas bedienen oder steuern muss – manchmal reicht schon Bewegung, Licht und Atmosphäre.
-Emotionen entstehen oft im Raum zwischen Menschen, nicht nur in ihnen selbst.
-Erinnerungsdesign könnte viel stärker mit Raum, Stimmung und Zeit arbeiten, statt sich nur auf Objekte, Texte oder Bilder zu konzentrieren.

Klanglicht war für mich damit weniger ein Event und mehr eine Art Denkraum – und ein sehr stimmiger Einstieg in meine weitere Recherche.

Links:
https://www.klanglicht.at
Analysing the Multi‑sensory Elements of Immersive Experience for Art Exhibitions (PDF)
https://www.mdpi.com/2075-5309/15/8/1393?utm_source=chatgpt.com

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