IMPULSE #6 – CoSa Museum: Gamification als Zugang zu Erinnerung

Der Besuch im CoSa (Center of Science Activities) im Joanneumsviertel war für mich überraschend inspirierend – und zwar viel stärker, als ich vorher gedacht hätte. Wir waren ja mit dem ganzen Studiengang dort, um uns mit unterschiedlichen Gamification-Ansätzen auseinanderzusetzen, und es war spannend zu beobachten, wie unterschiedlich Menschen auf spielerische Formate reagieren. Obwohl das Museum eigentlich ein Wissenschafts- und Technikfokus hat, konnte ich total viel für mein eigenes Thema mitnehmen: nämlich wie man Menschen niedrigschwellig in Interaktion bringt, ohne dass sie sich „belehrt“ fühlen.

Was mir sofort aufgefallen ist: Alles im CoSa ist darauf ausgelegt, dass Besucher*innen ausprobieren, anfassen, testen und reagieren. Es geht nicht um reines Wissen, sondern um Erleben. Genau das fehlt oft in klassischen Formen des Erinnerns oder Gedenkens – da wird meist geschaut, gelesen, vielleicht gehört, aber selten mitgemacht. Dabei kann Interaktion total viel auslösen, gerade wenn es um persönliche Geschichten oder Emotionen geht.

Ich fand spannend, wie das CoSa Komplexität herunterbricht. Viele Stationen wirken auf den ersten Blick simpel, aber sobald man anfängt, sich damit zu beschäftigen, versteht man, wie viel dahintersteckt. Dieser Ansatz könnte total relevant für Erinnerungsdesign sein: Nicht alles muss sofort tief oder schwer sein. Vielleicht braucht es zuerst einen spielerischen Einstieg, der Menschen öffnet, bevor es emotionaler wird.

Ein Beispiel war eine Installation, bei der man durch Bewegungen bestimmte Reaktionen ausgelöst hat. Das hat mich sofort daran erinnert, wie man Erinnerungen körperlich erfahrbar machen könnte – vielleicht durch Gesten, durch Berührung, durch kleine Interaktionen, die etwas sichtbar oder hörbar machen. Es muss nicht immer High-End-Technologie sein; manchmal reicht schon eine einfache, intuitive Handlung, um eine Verbindung herzustellen.

Was ich auch mega wichtig fand: Gamification heißt nicht, dass alles witzig oder leicht ist. Es geht darum, Menschen zu motivieren, aktiv zu werden. Und gerade im Kontext von Trauer könnte das einen großen Unterschied machen. Viele Menschen sprechen nicht gerne über verstorbene Angehörige, weil es schwer oder unangenehm ist. Aber wenn Erinnerungen in Form eines spielerischen, neugierig machenden Elements auftauchen – zum Beispiel als kleine Mission, als Entdeckung oder als interaktive Geschichte – könnte das den Zugang erleichtern.

Natürlich muss man da total sensibel sein, weil Gamification schnell respektlos wirken kann, wenn sie falsch eingesetzt wird. Aber der Besuch im CoSa hat mir gezeigt, dass Gamification nicht automatisch bedeutet, etwas ins Lächerliche zu ziehen. Es kann auch bedeuten: Prozesse verständlich machen, Hemmschwellen abbauen, Emotionen sanft aktivieren, Menschen zum Dranbleiben motivieren.

Was ich mitnehme:

  • Interaktivität muss nicht kompliziert sein.
  • Spielerische Elemente können Menschen emotional öffnen.
  • Gamification kann würdevoll sein, wenn sie empathisch gestaltet ist.
  • Erinnerungen lassen sich durch Handlung statt reine Betrachtung aktivieren.

Damit bestätigt der CoSa-Besuch für mich, dass ich in meinem Projekt auf jeden Fall stärker mit spielerischen Elementen arbeiten kann – nicht als „Game“, sondern als Ansatz, Erinnern erlebbar und zugänglich zu machen.

Links:
https://www.museum-joanneum.at/cosa
https://www.joanneumsviertel.at
https://de.wikipedia.org/wiki/Gamification

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