LS3 #7 Graphic Wit is Lit

Einer der Gründe, warum ich mich jetzt auf Reime im visuellen Design fokussiere, ist, dass ich oft den Humoraspekt in verschiedenen Design Medien vermisse. Und mit Reimen kann man da schnell mal ein bisschen Witz in etwas reinbringen, ohne den Inhalt dabei zu vergessen. Außerdem ist es ja auch klar, dass einem witzige Dinge bzw. Designs länger im Kopf bleiben als Neutrale (King, 2016). Daher gehts jetzt in diesem Post mal um Humor und Witz im Kommunikationsdesign.

Ich habe dazu eine sehr spannende Masterarbeit von 2025 gefunden (Also wirklich cool, ich hatte auf einmal Lust, die ganze Arbeit zu lesen? Hä?): A Case for Humour-Centred Design: Malentanglement, and (Mis)Understanding Humour and Laughter as Responses to Design and Design Innovation.

Hier wird nämlich erklärt, dass es basierend auf Humor im Design noch einige Forschungslücken gibt. Sie besagt, dass „Designer zwar ein klares Verständnis von Humor aufweisen, dieses Verständnis jedoch meist relativ eng gefasst ist. Damit ist gemeint, dass sich ihre Auffassung vor allem auf die Materialisierung von Witzen für rein kommerzielle Zwecke konzentriert, […] anstatt aus der Einsicht heraus zu entstehen, dass Humor ein bedeutsames und einflussreiches menschliches Phänomen ist, das Design und Designer auf subtile und komplexe Weise prägt“ (Humphries, 2025).

Die Forschungsfrage How might humour and laughter, as responses to design and design innovation, be better understood by design?, welche dann nochmal in drei simple Unterfragen aufgelöst sind: How is design understood? / how has design been understood?; How is humour understood? / how has humour been understood?; Why is this important? / How might understandings of humour benefit design? Schaffen eine klare Operationalisierung für das Thema und lassen gleichzeitig Spielraum für Antworten.

In der Arbeit werden dann verschieden Beispiele für Humor im Design vorgestellt und gleichzeitig eine klare Linie zwischen „laughed at“ und „laughed with“ Designs gezogen – Finding Funny Things and Finding Things Funny.

Beispiel Laughed At:

Ein bekanntes Beispiel ist ein Bleistift aus den späten 1990er-Jahren vom ‚Bureau for At-Risk Youth‘ in New York. Er sollte mit dem Anti-Drogen-Slogan ‚Too cool to do drugs‘ werben. Durch das Anspitzen verkürzt sich der Text jedoch schrittweise zu ‚Cool to do drugs‘, dann ‚Do drugs‘ und schließlich nur noch ‚drugs‘ – wodurch die eigentliche Botschaft unbeabsichtigt ins Gegenteil verkehrt wird.

Beispiel Laughed With:

Shrigleys ‚Heroin and Cocaine‘ Salz/ Pfeffer Streuer sind als bewusster, absurder Wortwitz konzipiert. Der Humor richtet sich gegen niemanden, sondern entsteht aus der spielerischen Irritation. Man lacht mit dem Design, nicht über etwas.

Die Ergebnisse?

Die Ergebnisse der Thesis zeigen, dass Humor und Lachen im Design häufig missverstanden werden. Statt sie als Zeichen von Scheitern oder Lächerlichkeit zu deuten, können sie als Hinweise auf Irritation, Brüche oder ungewohnte Verknüpfungen gelesen werden – also genau dort, wo Innovation entsteht. Mit dem Konzept der ‚malentanglement‘ beschreibt der Autor, dass Designs dann Lachen auslösen, wenn sie nicht ganz ‚passen‘ oder Erwartungen bewusst unterlaufen. Dieses Unbehagen oder diese Inkongruenz wird jedoch nicht als Problem, sondern als produktives Signal verstanden. Humor wird damit zu einer legitimen Gestaltungsstrategie und Lachen zu einem Indikator dafür, dass Design Aufmerksamkeit erzeugt, Denkweisen verschiebt und neue Perspektiven eröffnet (Humphries, 2025).

Kritik an Humor im Design

Humor in Design zu verwenden ist natürlich nicht immer eine gute Idee. Bei manchen Themen die z.B. politisch oder gesellschaftlich relevant sind, ist es manchmal schwierig, die Grenze zu finden und darauf zu achten, dass keine Verharmlosung ernster Themen, Oberflächlichkeit oder mangelnde Ernsthaftigkeit geschaffen wird. Gerade bei Satire oder Provokation ist die Linie sehr schwammig und teils subjektiv, ob Grenzen überschritten werden oder nicht.

Literaturverzeichnis

Humphries, T. (2025). A Case for Humour-Centred Design: Malentanglement, and (Mis)Understanding Humour and Laughter as Responses to Design and Design Innovation. (Version 1). Cardiff Metropolitan University. https://doi.org/10.25401/cardiffmet.28302338.v1

King, L. (2016, April 6). How wit and humour make for strong graphic design ideas. It’s Nice That. https://www.itsnicethat.com/articles/the-graphic-design-ideas-book-wit-and-humour-060416

Wiese, M. (2021). Satire als Methode im Kontext des spekulativen Designs. SpecLog. https://speclog.xyz/posts/satire-als-methode

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