Wenn Klanglicht eines kann, dann ist es Begeisterung auslösen und Emotionen hervorrufen. Und das Interessante daran: fast immer ohne klassische Charaktere, Maskottchen oder Figuren.
Der Sprung vom Klanglicht zu meinem Masterarbeitsthema scheint auf den ersten Blick vielleicht etwas weit. (Oder auch nicht sooo weit) Reduziert man das Ganze nämlich auf seinen Kern, lassen sich überraschend viele Parallelen ziehen!
Jede Installation verfolgt ein Ziel: eine Botschaft, eine Stimmung, manchmal eine klare Geschichte oder ein Gefühl. Die Besucher:innen werden dazu eingeladen, stehen zu bleiben, zuzusehen/hören und die Installation selbst zu entdecken. Und all das funktioniert ganz ohne animierte Figuren, Gesichter oder gar Avatare, die einem Erklären was gerade Sache ist.
Das große Potential von Klanglicht liegt eben genau darin! Geschichten, Gefühle oder Eindrücke entstehen nicht durch erzählte Charaktere, sondern durch Licht, Bewegung, Rhythmus, Klang und Stimmung. Das sollte doch auch in der klassischen Animation so sein.
Unser Studiengang hat Klanglicht dieses Jahr besonders intensiv wahrgenommen, weil wir nicht nur Besucher:innen waren, sondern selbst Teil einer Installation: Vertigo. Unsere Arbeiten befanden sich in einer Kirche, in der ein hoher Turm aus LED-Panels aufgebaut war.
Dadurch, dass die LED-Panels relativ reduziert sind, wurde der Fokus noch stärker auf die einzelnen Bewegungen, Formen und Farben gelenkt. Ohne Details oder narrative Figuren rücken alle subtilen Veränderungen von Bewegung, Rhythmus und Farbübergängen umso deutlicher in den Vordergrund und bekommen eine eigene Bedeutung. Oder wurde gar die ganze Installation zum Charakter?
Storytelling kann man auch ohne Figuren erzählen. (Ist der Character dann einfach ein anderer? Was IST ein Character eigentlich? Dazu in der Masterarbeit später mehr)
Zuerst möchte ich über die anderen Installationen am Klanglicht schreiben.
Beim Spazieren und Entdecken der verschiedenen Installationen wurde eines sehr klar: Installationen wie Our Colour Reflection(Liz West), ECHOES OF LIGHT(Onion Lab) und Mantra Modulation(MO-YA) arbeiten mit Farbe, Form und Bewegung als Ausdrucksmittel.
All diese Werke eröffnen alternative Wege, Wahrnehmung zu erzählen – nicht als lineare Geschichte mit Helden und Figuren, sondern als Atmosphäre, Intensität und Bewegung.
Also ist Klanglicht eine Inspiration für alternative Erzählweisen?
Viele Installationen arbeiten so: Sie erschaffen Erfahrungen, ohne ein typisches/klassisches Narrativ. Bei Echoes of Light (meiner Lieblings-Installation) wird mir einfachen Mitteln wie Sound, Laser und Spiegeln, eine ganze Geschichte erzählt. Ohne Worte, ohne charcater – durch funkelnde, strahlende, blinkende (oder eben nihct blinkende) Lichter.
All diese Installationen erzählen ihre Geschichten nicht über erlebte Figuren, sondern über Bewegung, Form, Farbe und Klang – Aspekte, die auch im Motion Design als „narrative Parameter“ genutzt werden können!
Mein Problem mit Kunst als Design
Ich denke, durch den künstlerischen Kontext hat Klanglicht eine große Freiheit: Die Werke müssen sich nicht einem Kundenbriefing, irgendwelchen Zielgruppenprofilen oder klaren Kommunikationszielen unterwerfen. Kunst darf irritieren, verunsichern und vor allem auch offen bleiben. Das ist sehr befreiend für die Schaffenden, ist aber auch ein Luxus, den Design in der Branche ja doch oft nicht hat. Gerade im professionellen Grafik und Motion Design müssen wir meistens schnell, einfach und klar eine Botschaften vermitteln – für Kund:innen, Marken oder Produktziele.
Ich finde die Freiheit der Kunst kann Designer:innen unglaublich inspirieren, ein Kunstwerk muss aber in Design-Kontexte übersetzt werden – und das ist nicht immer einfach. Nicht jede abstrakte Installation ist automatisch ein gutes Design (aber trotzdem gute Kunst!).
Die Installationen können mir als Motion Designerin zeigen, welche erzählerischen Parameter nutzbar sind, wenn man Figuren als einzigen „Narrationsanker“ wegfallen. Stattdessen zählt man auf Bewegung, Rhythmus, Rhythmuswechsel, Farbkontraste, Übergänge und visuelle Dynamik.
Für meine Masterarbeit interessieren mich eben genau diese alternativen Erzählweisen: Wie kann Motion Design Geschichten und Botschaften transportieren, ohne in Figurensprache zu verfallen?
Klanglicht und besonders Vertigo haben mir gezeigt, dass narrative Erzählungen nicht ausschließlich durch Charaktere entstehen, sondern durch gestaltete Bewegung, visuelle Hierarchien und rhythmische Strukturen. (Das ist keine Überraschung, aber schön bestätigt zu werden! Dazu in einem Blogpost später mehr)
Simple Animationen, reduzierte Formen oder nur die Abfolge von Bild und Klang können ein emotionales Erlebnis schaffen – auch ohne Figuren im klassischen Sinn.
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