Die heutige Session mit Daniel Bauer war extrem ergebnisreich, weshalb ich mich dazu entschlossen habe, mir gleich alle Ideen und Inputs von der Seele zu schreiben. Auch, weil zwar viele Fragen beantwortet wurden, aber dafür noch mehr neu entstanden sind, die ich dann noch mit dir Roman (ja du wirst auch hier wieder der einzige sein der das liest) besprechen muss.
Input 1: DIE Lichttechnik für Horrorfilme werde ich auch in 500 Standardwerken nicht finden, da Filme hauptsächlich von zwei Dingen geprägt werden: Einerseits der Zeit in der sie gedreht werden und andererseits dem DP der sie shootet. Genau daraus könnte man aber dafür eine Forschungsfrage ableiten. Etwa wie sich die Lichtsetzung in Horrorfilmen über die Zeit verändert hat, angefangen bei Nosferatu in den 20ern über erste richtige Splasher-Filme bis hin zu neuen Horrorfilmen der 2010er und 2020er Jahre. Auch könnte man einzelne DP´s, die sich sehr im Horrorgenre vertieft haben herauspicken und analysieren.
Input 2: Nicht zu viele Standardwerke nehmen. In meiner aktuellen Bibliographie finden sich einige Standardwerke zum Thema Lichtsetzung. Daniel meint die werden mich alle nicht schlauer machen, und nicht weiter an das heranbringen was mich interessiert. Viel besser wäre es vielleicht ein einziges Standardwerk zu haben und in der weiteren Literatur dann viel stärker einzugrenzen und die Auswahl wirklich auf Quellen zu beschränken in denen es strikt um Leuchttechniken für Horrorfilme geht, nicht für Film generell.
Input 3: Wie sehr muss die Entstehung des Kurzfilms Teil der Masterarbeit sein? Muss jeder Schritt, von der Ideenfindung, des Script writing, shotlisten, location scouten, storyboarden etc. vollumfänglich im Theorieteil der Masterarbeit dokumentiert werden, und mit Quellen belegt werden? A la für das script wurde das Buch “Save the Cat” verwendet mit diesen und jenen Frameworks und dann die Storybeats auflisten usw, und das für jeden Schritt? Falls ja, und da hat Daniel Recht, übernehm ich mich mit der Arbeit um circa 270%.
Grundsätzlich hat Daniel schon angezweifelt ob ich überhaupt mit dem Theorieteil dann einen wirklich zusammenhängenden Kurzfilm produzieren muss, oder ob es etwa nicht reicht die 4-5 Schlüsselszenen herauszunehmen und sich mit diesen dann wirklich tagelang beschäftigen und diese komplett perfekt zu leuchten. Sodass, das Werkstück am Ende dann aus mehreren “perfekten” Stills, oder Shots besteht. (Als Inspiration dazu: Gregory Crewdson.) Das würde den Workload natürlich extrem verkleinern und machbarerer gestalten. Womit ich ihm grundsätzlich vollkommen zustimme, wohlwissend, dass ich halt einfach unfassbar gern den gesamten Kurzfilm drehen würde.
Daher nun die Gretchenfrage: Reicht es sich im Theorieteil ausschließlich mit dem eigenen Thema, in meinem Fall eben Lichttheorien in Horrorfilmen auseinanderzusetzen, dann einen Horrorfilm nach dieser Theorie zu drehen und am Ende einfach Stills aus dem Film in den schriftlichen Teil aufzunehmen und zu erklären warum man in dieser oder jener Situation so geleuchtet hat. Oder muss der gesamte Entstehungsprozess des Films auch dokumentiert und wissenschaftlich belegt werden? Denn sonst halte ich mich wahrscheinlich einfach zu lange mit anderen Dingen auf, die aber eigentlich gar nicht mein Hauptthema, nämlich Licht, sind.
Input 4: Jakob Slavicek wäre ein Adresse, die ich mir so oder so unbedingt genauer ansehen sollte. Daniel kennt ihn als Oberbeleuchter und weiß, dass er immer wieder Praktikanten auf Drehs mitnimmt. Vielleicht könnte ich mit einer netten Mail versuchen, einfach mal bei einem Spielfilm Dreh, bei dem er als Gaffer arbeitet, als Volo mitkommen, und mir Dinge abschauen. Außerdem betreibt er einen Verleih, der spätestens für meinen echten Dreh dann interessant wird, wenn die 600er Aputure von der FH an ihre Grenzen kommen.