03.03: Gibt es den einen Weg einen guten Horrorfilm zu leuchten?

Passend zu einer der großen Fragen, die Daniel Bauer in der Feedback Runde aufgeworfen hat, möchte ich heute mit der Zusammenfassung des ersten Papers starten, um einen profunden Überblick über den state-of-the-art Research zum Thema Leuchttechniken in Horrorfilmen zu bekommen.

Die Grundhypothesen des zugrunde liegenden Papers lauteten zu beweisen, dass auch Lichtkonzepte, die generell für die Darstellung positiver Szenen, Filme oder Charaktere verwendet werden, in Horrorfilmen funktionieren können. Dies wurde an insgesamt vier großen Beispielen festgemacht.

  • Das Brechen mit klassischen Lichtstrukturen: Ammer gibt an, dass mit klassischen Lichtkonzepten, wie low-key und high contrast, einfallendem Licht aus Fenstern oder schwachen, unsaturierten Farben, die üblicherweise für Horrorfilme benutzt werden, gebrochen werden kann, um die wirklich furchteinflößenden Szenen hervorzuheben. Als Beispiel gibt er an, dass “gute” Vampire, also jene die nur Tierblut trinken um Menschen nicht zu verletzen, in den Twilight-Filmen stets softer geleuchtet sind als ihre blutrünstigen Kollegen, um denen nicht den Spuk zu nehmen.
  • Intensität des Keys und Key-to-Fill-Ratio: Auch hier argumentiert Ammer, dass ein höherer Kontrast im Gesicht, wie er eigentlich genutzt wird um Charaktere, düsterer zu machen, nicht immer der richtige Weg ist. Er argumentiert, dass in Shining etwa, in der Szene als Jack Nicholson sich endgültig dem Bösen zuwendet, er durchgehend mit einem Frontlight beleuchtet ist. Also einer Methode, bei der das gesamte Gesicht gleichmäßig ausgeleuchtet ist und die eigentlich allerhöchstens in Beauty-Kampagnen vorkommt, nicht aber im Kino und schon gar nicht im Horror. Dies soll es laut Ammer möglich gemacht haben jegliche Mimik von Nicholson während seiner Verwandlung nachzuvollziehen.
  • High-Key-Lighting: Außerdem streicht er heraus, dass Schlüsselszenen in Horrorfilmen manchmal ganz bewusst nicht dunkel und kontrastreich, sondern hell und kontrastarm dargestellt sind, obwohl man diese Gestaltung eher in Feelgood-Filmen erwarten würde. Als Beispiele nennt er die Duschszene in Psycho und das Folterlabor in Saw. Damit möchte der DP laut Ammer erreichen, dass man auch wirklich alles vom schrecklichen Horror sieht und nichts in der Dunkelheit verschwindet.
  • Die Wirkung von Farben: Zu guter Letzte streicht Ammer heraus, dass verschiedene Farben in verschiedenen Situation auch andere Bedeutungen haben können, was mich sehr an den Kuleschow-Effekt erinnert hat. Orange etwa, ist eigentlich die Farbe eines warmen Sonnenuntergangs, wirkt in Zusammenhang mit einer Leiche aber giftig.

Fazit

Das Paper war spannend und hat definitiv den Punkt unterstrichen, den auch Daniel Bauer aufgebracht hat. Aus diesem Grund werde ich die Bibliographie auch stärker an das Horrorthema anpassen und für die folgenden Blogposts versuchen, klassischere Lichttheorien in Horrorfilmen mitsamt ihren jeweiligen Wirkungen herauszuarbeiten.

vgl. Ammer, Sawsan Mohammed Ezzat Ibrahim: Content Analysis of Lighting and Color in the Embodiment of Fear Concept in Horror Movies: A Semiotic Approach. In: Information Sciences Letters 2020, Volume 9, Issue 2, http://dx.doi.org/10.18576/isl/090210.

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