LS3 #2 Nevermind this is what I want to do

I will start writing in german from here on since I will probably also write my thesis in german 🙂

Worüber schreibe ich eigentlich – auch wenns im vorherigen Blogpost noch was ganz Anderes war?

In kurz: Reime, die bleiben und warum Wortspiel im Design vielleicht mehr ist als Spielerei?

Reime begleiten uns seit wir sprechen können. In Kinderliedern, Gedichten, Songtexten, Werbeslogans, politischen Parolen, Memes, oder oder oder. Überall tauchen sie auf, bleiben hängen, machen Spaß oder nerven sich hartnäckig ins Gedächtnis. Trotzdem werden Reime im visuellen Kommunikationsdesign oft eher beiläufig eingesetzt (These): intuitive & spontan. Genau hier möchte ich mit meinem Masterarbeitsthema ansetzen.

Warum Reime wirken

Aus der Sprachwissenschaft, Psychologie und Werbeforschung weiß man schon lange und es gibt viele STudien dazu: Gereimte Aussagen werden oft als einprägsamer, leichter verständlich und sogar glaubwürdiger wahrgenommen als nicht-gereimte. Begriffe wie Processing Fluency oder der Rhyme-as-Reason Effect beschreiben, dass unser Gehirn gereimte Sprache schneller verarbeitet und ihr dadurch manchmal mehr Gewicht gibt, als sie objektiv und inhaltlich verdient.

Diese Forschung bezieht sich jedoch meist auf gesprochene Sprache oder reine Texte. Was aber passiert, wenn Reime visuell werden? Wenn sie nicht nur gelesen, sondern gestaltet, gesetzt, skaliert, gerahmt oder gebrochen werden?

Reime im visuellen Kommunikationsdesign

Im Design tauchen Reime natürlich (schon immer) überall auf: auf Plakaten, in Kampagnen, auf Protestschildern, in Social-Media-Posts. Oft sind sie witzig, manchmal provokant, manchmal unangenehm oder sehr plump. Neutrale Reime gibt es selten. Trotzdem gibt es kaum systematische Untersuchungen dazu wie Reime im Zusammenspiel mit Typografie, Layout/ Grid, Hierarchien oder der gewähltenForm wirken.

Mich interessiert besonders diese Schnittstelle: Reime nicht als dekoratives Stilmittel, sondern als sprachliche Struktur, deren Wirkung sich erst durch visuelle Gestaltung entfaltet. Ein Reim in fetter Grotesk auf einem Plakat wirkt anders als derselbe Reim in einer fragilen Serifenschrift, im Hochformat, im öffentlichen Raum oder auf Instagram.

Worum es dann also in meiner Masterarbeit geht

In meiner Masterarbeit möchte ich mich damit beschäftigen, wie Reime und wortspielerische Sprache die Wahrnehmung, emotionale Aktivierung und Erinnerbarkeit visueller Botschaften beeinflussen und das dann im Vergleich zu nicht-gereimter Sprache setzen. Dabei interessiert mich auch, wo die Grenzen liegen: Wann wird ein Reim zu banal? Wann untergräbt er Ernsthaftigkeit und schafft Lächerlichkeit? Und wann kann er komplexe oder schwere Themen vielleicht sogar zugänglicher machen?

Methodisch bin ich noch ganz am Anfang, aber will dann mit einer Mischung aus Theorie, Analyse bestehender Beispiele und eigenen gestalterischen Experimenten arbeiten. Geplant sind unter anderem Reim- und Nicht-Reim-Versionen gleicher Inhalte, die in A/B-Tests verglichen werden mit empirischer Recherche. Wenn es sich zeitlich ausgeht, würde ich auch gerne qualitative Rückmeldungen zu Emotion, Humor, Irritation oder Verständlichkeit bekommen.

Zwischen Humor, Aktivismus und Ernst

Ich hab mich ja in vielen vorherigen Blogposts mit den Thematiken Femisnismus und Protestdesign auseinandergesetzt. Dieser Bereich liegt jetzt zwar nicht mehr so stark im Fokus, ist aber dennoch interessant für meine Recherche.

Reime haben in diesem Bereich natürlich auch eine lange Tradition durch Sprechchören/ chants und Plakate mit Slogans. Sie funktionieren so oft als niedrigschwellige, kollektive Sprache. Gleichzeitig bewegen sie sich oft auf der Grenze zwischen Witz und Ernst, was ich auch sehr interessant finde, wie findet man diese Grenze? können Reime politisch sein, ohne ihre Schärfe zu verlieren? Können sie komplexe Inhalte vermitteln, ohne sie zu verharmlosen? Und wie kann Gestaltung diese Spannung sichtbar machen?

Das Werkstück als Experiment

Was genau am Ende für ein Werkstück bei rumkommt steht noch etwas in den Sternen.  Denkbar sind zum Beispiel eine Poster-Serie, ein Booklet, eine Installation oder ein hybrides, auch analoges Format. Die finale Form soll sich aus den Forschungsergebnissen ergeben bzw eine Art Vergleich finde ich spannend.

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