Impuls 2: “How I Light Every Interview (my 10-step system)” by Mark Bone

Um gleich nahtlos an den ersten Impuls anzuschließen, möchte ich mit einem ganz neuen Video von Mark Bone fortfahren, das erst vor wenigen Stunden veröffentlicht wurde und gleich meine Aufmerksamkeit erlangte.

Anders als Luc Ung ist Mark Bone mehr der klassische Film-Content-Creator auf Youtube, der aber mit seinem Online-Kurs “Art of Documentary” doch recht große Berühmtheit erlangt hat. Durch den hohen Preis habe ich mich aber leider nie drüber getraut mir diesen auch wirklich zu kaufen. Dennoch verfolge ich Bone gerne, da er im Gegensatz zu anderen auch wirklich selbst noch als Filmemacher an großen Projekten arbeitet. Die Doku über CBum zum Beispiel, die er in vielen seiner letzten Videos als B-Roll immer wieder anteasert, sieht nämlich brutal aus und ist, soweit ich weiß, eine Produktion für Prime Video, also der Mann weiß schon was er tut. Gerade deshalb hat mich interessiert ob sich sein “System” inhaltlich wirklich groß von dem unterscheidet was ich mir in Impuls 1 angeschaut habe. Deshalb werde ich dieses kurz zusammenfassen und erklären und danach einordnen.

Mark Bone´s System

  • 1. Track the Sun: Als ersten Schritt, wenn man in einen Raum bekommt, empfiehlt Bone die Sonne abzuchecken und mit Apps wie dem klassischen Kompass oder Sunseeker etc. die Ausrichtung der vorhandenen Fenster herauszufinden. Dies entscheidet wie man dann mit den Fenstern umgeht. Ob man sie also als Key oder Kicker verwenden kann, oder vielleicht ganz ausblockt und nur künstlich belichtet, weil sich die Sonne während der Zeit des Interviews zu viel bewegen würde. Als Merksatz: Fenster Richtung Süden geben hartes Licht, Fenster nach Norden weiches Licht.
  • Control the variables: Als zweites empfiehlt Bone die ganze Szene einmal zu “deaktivieren”, alle Rollos runter, alle Lichter aus. Und dann Stück für Stück mit Absicht das wieder zu aktivieren, was für die Szene Sinn macht.
  • Define the Motivation: Finde heraus wo in deiner Szene auf natürliche Art und Weise das meiste Licht kommen würde. Im Normalfall wäre das ein Fenster oder die stärkste Lampe im Raum. Diese Quelle bestimmt die Seite von deinem Fill, die du dann mit einer Softbox etc. verstärken kannst. Bone empfiehlt die Originalquelle als Practical oder als Anschnitt im Frame zu lassen, um dem Zuschauer zu erklären wo das Licht herkommt.
  • Choose Quality of Light: Entscheide ob du hartes oder softes Licht haben willst. Bone empfiehlt dabei immer die Quality der Motivation zu imitieren, um den natürlichsten Look zu erhalten. Ist die Motivation im Frame eine Tischlampe, wird das Key z.B. eher hart.
  • Place your subject: Mit der Motivation und dem Key fix aufgestellt, empfiehlt Bone jetzt den Shot quasi zu locken und das Subjekt final zu platzieren. Dafür empfiehlt er, dass die Person den dreifachen Abstand zu nächsten Wand im Hintergrund hat, im Vergleich zum Abstand zwischen Person und Kamera, um genug Tiefe zu kreieren.
  • Choose the Lens: Wenn das Subjekt sitzt stellt Bone die Kamera final auf und wählt die Linse. Dafür nimmt er fast immer eine 35er, um genug Hintergrund ins Bild zu bekommen und noch Raum für eine engere zweite Einstellung zu lassen.
  • Shape the contrast: Jetzt bestimmt Bone das lighting ratio des Subjekts. Grundsätzlich empfiehlt er nur dann ein Fill light zu verwenden wenn es wirklich nötig ist und lässt dieses oft ganz weg oder benutzt natürlich negative fill. Für ein nettes Gespräch empfiehlt er 2:1, für ernste Themen 4:1.
  • Build the background: Jetz wo Key, Kamera und Subjekt stehen, baut er noch den Hintergrund für maximale dreidimensionale Wirkung. Dafür fügt er nach und nach noch practicals im Hintergrund hinzu (gerne in anderen Temperaturen als das key) oder beleuchtet diesen von außerhalb ohne aber das Subjekt zu überstrahlen. Alternativ kann der Separation auch klassisch mit einem Kicker light erfolgen, er ist aber nicht wirklich Fan davon, weil es dann laut ihm zu sehr nach einem Studio aussieht und nicht mehr als wäre man wirklich bei der Person zu Hause.
  • Expose and Balance Color: Jetzt stellt Bone erst die Belichtung und den Weißabgleich in der Kamera ein. Dabei gleicht er nicht automatisch key und Kamera Farbtemperatur miteinander an, sondern wählt die Temperatur in der Kamera je nach Look: Kühler für seriöse Interviews (corporate style), wärmer für emotionale Interviews.
  • Stresstest: Zu allerletzt, lässt er das Subjekt sprechen und sich bewegen. Bewegt es sich aus dem Licht? Sind Handgesten nicht im Frame etc? Er macht das Setup bulletproof, um nicht erst danach etwaige Fehler zu bemerken und nimmt ein Testvideo auf.

Fazit

Ich fand Bone´s Herangehensweise extrem interessant, da ich selbst schon sehr oft klassische Interviews oder Talking Head Szenen gefilmt habe und auch mein nächster Auftrag genau daraus bestehen wird. Neu und aufschlussreich war dabei für mich wie er mit der Sonne arbeitet, wie er lighting motivation findet, um den Frame natürlich wirken zu lassen, und wie er entscheidet wie weit sich das Subjekt von der Wand entfernt. Das sind finde ich sind sehr einfache und leicht umzusetzende Guidelines.

Im Verglech zu Luc Ung ist die Abfolge der essenziellen Schritte des Beleuchtens eigentlich sehr gleich: Zuerst findet er die Motivation und passt dann Richtung, Härte und Farbe dementsprechend an. Dann bestimmt er die Stärke des Lichts bei der Wahl des Kontrastverhältnisses und wenn man so will ist das was Luc Ung als letztes macht, nämlich das Licht noch zu formen um ungewollte light spills zu verhindern, auch das worauf Bone im Stresstest am Schluss noch einmal achtet.

Ich finde beide Systeme daher unglaublich hilfreich, Bone´s für klassische Interview Szenarien und Ung´s im klassischen narrativen Filmmaking.

Achja, und das Video selbst gibts hier: https://www.youtube.com/watch?v=NOrTSb-kZC4 und den gratis pdf guide dazu hier https://www.dropbox.com/scl/fi/hq4ejfyb79mqm4rs45g14/AOD-Interview-Lighting-Checklist-v8.pdf?rlkey=hj8fnhxe7ygewoa5fmino1skr&e=3&st=w398206u&dl=0

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