Für das Review einer externen Masterarbeit im Proseminar, war ich eigentlich auf der Suche nach einer Hochschulschrift, die einen Kurzfilm, optimaler, einen Horror-Kurzfilm als Werkstück hat. Leider gestaltete sich dies aber als sehr schwer. Während die Hochschulschriften der Uni Wien zwar generell Open Access sind, streifen diese (logischerweise durch fehlende Studiengänge) den Film-Aspekt meist nur und befassen sich nicht tief genug mit der Materie. Die Abschlussarbeiten der Filmakademie Wien wiederum, werden nicht online publiziert. Gerne hätte ich mir da nämlich die Masterarbeit „Grusel schaffen im Film“ mit dem dazugehörigen Masterabschlussfilm „Der Riss“ von Lukas Schöffel angesehen, leider gibt es dazu aber nur eine Printversion, die in der Wiener Bibliothek der Filmakademie aufliegt. Mein schlussendlich analysiertes Werk hat deshalb auch kein echtes Werkstück, ist aber zumindest inhaltlich genau das, worauf auch ich mich in meiner Masterarbeit stürzen möchte. Die genauen Daten sind:
Titel: HORROR MOVIE AESTHETICS: How color, time, space and sound elicit fear in an audience.
Autor: Xiangyi Fu
Abschluss: Master of Fine Arts in Information Design and Visualization
Institut: Northeastern University, Boston, Massachusetts
Jahr: 2016
Link: https://repository.library.northeastern.edu/files/neu:cj82n5571/fulltext.pdf
Generelle Qualität der Aufmachung: Grundsätzlich würde ich sagen ist die Aufmachung der Arbeit eher schlicht und wissenschaftlich, also genau so wie wir es am Institut CMS nicht machen dürfen. Die 93-seitige Arbeit hat ein schlichtes Layout und maximal die Gestaltung der Kapitelüberschriften erinnert an einen Abschluss in Design und Visualization.
Innovationsgrad: Da mich das grundsätzliche Thema wirklich interessiert, habe ich ganze Kapitel aus der Masterarbeit durchgelesen. Schlauer bin ich dadurch jetzt nicht. Eigentlich würde ich fast sagen der Innovationsgrad geht gegen null, denn neue Erkenntnisse findet der Autor nicht und in fast allen Belangen kratzt er nur an der Oberfläche. Meist werden nur verschiedene Theorien oder Modelle erklärt und danach grob auf einer Seite auf einen Film umgelegt. Am Ende heißt es dann aber fast immer, dass alles kann und nichts muss.
Originalität: Grundsätzlich habe ich in meiner Suche wenig vergleichbare Werke gefunden.
Strukturierung: Zumindest die Aufmachung wäre theoretisch logisch gewesen. Der Autor startet nämlich mit Grundsatzerklärungen wie Angst beim Menschen verursacht wird, schaut sich dann Filmtechniken dazu an, erläutert weiter mit welchen Tools diese Techniken umgesetzt werden und behandelt mit diesem Wissen am Schluss seine Case Studies, also seine Filme, die er analysiert.
Kommunikation: Darin liegt wohl der größte Fehler der Masterarbeit. Nicht nur viele angefangene und nie zu Ende gebrachte Sätze, oder simple Fehler, stören den Lesefluss, auch dass am Ende nach all dem Geschwafel nie ein Ergebnis dabei rauskommt, hat mich extrem gestört. Von jemandem der mir zwei Stunden erzählt, dass man Dinge so machen, oder auch so machen kann, lerne ich halt nichts. Zumindest will ich wissen, warum sollte ich es so machen, was sind die Vor- und Nachteile, oder noch besser, sag mir was du besser findest, und warum, überzeug mich, zeig mir, dass du´s verstanden hast. All das passiert hier nicht.
Verhältnismäßigkeit: Grundsätzlich finde ich auch gerade deshalb, dass das Werk einer Masterarbeit überhaupt nicht entspricht. Vielleicht kann man an der Northeastern University in Boston auch einen Master in der Volksschule machen, den würde ich dem Werk schon geben, aber einen echten Mastertitel ist das nicht wert. Die Zusammenfassung der Literatur ist einfach viel zu vage, ohne jegliches Ergebnis und eigener Research oder eigene Versuche wurden sowieso gar nicht unternommen. (Bis auf eine angebliche „survey“ die er gemacht hätte, zum Thema was denn der jeweilige Lieblingshorrorfilm sei… natürlich unfassbar aufschlussreich und dazu nicht einmal dokumentiert sondern einfach nur behauptet….)
Fehlerhaftigkeit: Wie schon erwähnt strotzt das Werk nur so von Tipp-, Grammatik-, und Satzbaufehlern.
Literatur: Die Literatur an sich ist aber der Wahnsinn. Von klassischen Kommunikationsgrößen wie Shannon und Weaver, oder McLuhan bis hin zu Freud und Jung mit ihren Theorien über Angst ist da alles dabei. Er macht halt einfach nur unfassbar wenig daraus.
Fazit: Meine generelle Bewertung fällt daher negativ aus und ich bin mir zu 99,9% sicher würde man diese Arbeit so im CMS-Studium einreichen, würde sie auch negativ bewertet werden. Die Literaturrecherche ist das einzig gute der gesamten Arbeit, und auch das einzige, von dem ich mir etwas abschauen würde.