LS3 #4 Reimformen mit oder ohne Normen?

Da ich ja gerade bei den Grundlagen der Reime bin, gibts jetzt hier einmal eine Darstellung verschiedener Differenzierungen, da gibt es nämlich einige.

Reime nach ihrer Position im Vers

Diese Gruppe beschreibt, wo im Vers die Übereinstimmung stattfindet.

  • Endreim: Der Klassiker am Ende des Verses.
  • Binnenreim: Zwei oder mehr Wörter reimen sich innerhalb eines einzelnen Verses.
  • Anfangsreim: Die ersten Wörter aufeinanderfolgender Verse reimen sich.
  • Stabreim (Alliteration): Gleichheit der Anlaute (z. B. „bei Wind und Wetter“). Historisch die wichtigste Form in der germanischen Dichtung (Edda).
  • Pausenreim: Das letzte Wort eines Verses reimt sich auf das erste Wort des folgenden Verses.

Reime nach ihrer Klangqualität/ phonologische Struktur

Diese Kategorie beschriebt wie „perfekt“ der Reim für die Ohren klingt.

  • Reiner Reim: Die Lautfolge ab dem letzten betonten Vokal ist identisch (z. B. Herz / Schmerz).
  • Unreiner Reim: Der Klang ist ähnlich, aber nicht identisch, oft durch Umlaute oder leicht variierende Vokale (z. B. Liebe / Trübe).
  • Erweiterter Reim: Hier ist nicht nur die Endsilbe gleich, sondern auch der Konsonant direkt vor dem betonten Vokal stimmt überein (z. B. Grauen / grauen).
  • Reicher Reim: Dieser Begriff wird oft verwendet, wenn sich zwei oder mehr ganze Silben reimen (z. B. Wanderer / Anderer). Je mehr Silben identisch sind, desto „reicher“ wirkt der Klang.

Reime nach Betonung und Rhythmus/ Silbenzahl/ Reimgeschlecht

Diese Kategorie ist entscheidend für den Rhythmus und das Tempo des Gedichts.

  • Männlich (stumpf): Der Reim endet auf einer betonten Silbe (z. B. Flut / Gut).
  • Weiblich (klingend): Eine betonte Silbe folgt auf eine unbetonte (z. B. singen / klingen).
  • Gleitend (reich): Eine betonte Silbe folgt auf zwei unbetonte (z. B. singende / klingende).

Reime nach morphologisch-lexikalischen Besonderheiten

In dieser Kategorie finden sich spielerische Reime und oft technisch Anspruchsvolles

  • Gespaltener Reim: Ein Wort reimt sich auf eine Kombination aus mehreren Wörtern (z. B. „gingen“ auf „in Gen“).
  • Gebrochener Reim: Ein Wort wird am Versende getrennt, um den Reim zu erzwingen (oft humoristisch).
  • Augenreim: Die Wörter sehen geschrieben gleich aus, klingen aber anders (z. B. frz. „mont“ und „pont“, im Deutschen seltener).
  • Grammatischer Reim: Wörter reimen sich aufgrund identischer Flexionsendungen (z. B. lachte / dachte).
  • Vexierreim: Ein erwartetes Reimwort wird durch ein anderes ersetzt, das den Sinn überraschend verändert.

Reimfolgen

Das sind die Muster, nach denen die Endreime über mehrere Verse hinweg angeordnet sind.

FormSchemaKurzerklärung
Paarreimaa bbEinfach und direkt, oft in Volksliedern.
KreuzreimababKlassisch, wechselhaft und harmonisch.
Umarmender ReimabbaErzeugt eine geschlossene Einheit.
HaufenreimaaaaAlle Verse einer Strophe reimen sich auf denselben Laut.
SchweifreimaabccbEine Kombination aus Paarreim und einem “Schweif”.
Verschränkter ReimabcabcDie Reime greifen über drei Verse hinweg ineinander.
Kettenreimaba bcbBekannt durch Dantes Göttliche Komödie (Terzine).
LimerickaabbaEine feste fünfzeilige Form, meist humorvoll.

Literaturverzeichnis

Benedikt Jeßing, & Köhnen, R. (2017). Einführung in die Neuere deutsche Literaturwissenschaft. In J.B. Metzler eBooks. J.B. Metzler. https://doi.org/10.1007/978-3-476-04494-5

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J Metzler’sche Verlagsbuchhandlung, & Poeschel, C. (2007). Metzler Lexikon Literatur. In J.B. Metzler eBooks. J.B. Metzler. https://doi.org/10.1007/978-3-476-05000-7

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