Wenn ich auf meine bisherigen Research-Blogposts zurückblicke, sehe ich keine lineare Entwicklung, sondern ein Feld aus Gedanken, Impulsen, Begegnungen und Fragen. Ich habe mich mit politischer Gestaltung beschäftigt, mit Typografie, mit Lesbarkeit und Macht, mit Raum, Wahrnehmung und Intervention. Ich habe über Wut nachgedacht, über Haltung, über Perspektive. Und zuletzt intensiv über Tod, Trauer und Sprachlosigkeit. Nicht jedes Thema war gleich stark. Nicht jede Idee war gleich tragfähig. Aber jede hat etwas freigelegt.
Von Anfang an war mir klar, dass meine Masterarbeit politisch sein soll. Nicht im parteipolitischen Sinne, sondern im Sinne einer Haltung. Friedrich von Borries schreibt in Weltentwerfen. Eine politische Designtheorie, dass Design politisch ist, weil es in die Welt interveniert (vgl. von Borries, 2024, S. 30), und dass alles, was gestaltet ist, entwirft und unterwirft (vgl. ebd., S. 9f.). Dieser Gedanke hat sich wie ein roter Faden durch meine Research-Phase gezogen. Gestaltung ist nie neutral. Sie schafft Realitäten, rahmt Wahrnehmung und positioniert sich zu bestehenden Ordnungen.
In den letzten Blogposts haben sich zwei Themen besonders verdichtet: Wut und Tod. Zwei scheinbar unterschiedliche Felder, die sich jedoch in einem Punkt berühren. Beide sind starke, existenzielle Erfahrungen. Beide werden gesellschaftlich oft verdrängt, privatisiert oder normiert. Beide erzeugen Sprachlosigkeit.
Beim Thema Wut ging es um die Frage, ob Gestaltung Emotion darstellen oder aus Emotion entstehen kann. Ob „aus Wut Gestaltung wird“ und was das für eine gestalterische Haltung bedeutet. Beim Thema Tod und Abschied ging es weniger um Ausdruck als um Schweigen. Um die irritierende Erfahrung, dass etwas so Alltägliches wie Sterben gesellschaftlich kaum besprochen wird. Aus persönlicher Erfahrung weiß ich, wie merkwürdig diese Stummheit sein kann und das sie isoliert.
Der Satz „Der Tod ist real“ ist aus dieser Auseinandersetzung entstanden. Er wirkt banal und gleichzeitig radikal. Vielleicht weil er eine Tatsache ausspricht, die wir kollektiv oft umgehen.
Wenn ich meine Research-Beiträge insgesamt betrachte, wird deutlich, dass es mir weniger um einzelne Themen geht als um eine übergeordnete Frage: Wie kann Gestaltung Räume öffnen. Für Emotion. Für Perspektive. Für Gespräch. Für das, was gesellschaftlich schwer sagbar ist.
Wut, Tod, Lesbarkeit, politische Haltung sind Themen, welche um Sichtbarkeit und Zugang kreisen. Um Macht. Um das Verhältnis zwischen Gestaltung und Wirklichkeit.
Für den nächsten Schritt bedeutet das für mich vor allem eines: Zuspitzung. Ich muss entscheiden, ob ich mich thematisch fokussiere, etwa auf Tod und Sprachlosigkeit oder ob ich eine übergeordnete Fragestellung entwickle, die existenzielle Emotionen als Ausgangspunkt nimmt. Parallel dazu möchte ich beginnen, praktisch zu denken. Erste Gespräche führen. Stimmen sammeln. Formale Experimente wagen. Testen, wie sich Offenheit, Nähe oder Konfrontation gestalterisch anfühlen.
Die bisherige Research-Phase war kein Finden einer Antwort beziehungweise eines finalen Themas, sondern ein Schärfen meiner Haltung und Ideen. Die Kirmes im Kopf ist etwas weniger durcheinander, weil ich nun einige Themenansätze herausgearbeitet habe, die ich gerne weiter verfolgen möchte.