Vorbereitungen: Story Outline

Für meinen Dokudreh Anfang Februar habe ich schon einiges an Ideen und Plänen gesammelt über die letzten Monate hinweg. Was ich jedoch noch nicht gemacht habe, ist mich für eine dieser Ideen zu entscheiden und sie detaillierter auszuführen. Diese Entscheidung habe ich inzwischen endlich getroffen (zumindest vorläufig). In diesem Blogpost will ich grob beschreiben, wie der Ablauf der Doku aussehen soll, in welche thematischen Abschnitte der Film aufgeteilt werden soll und wie sich diese von einander unterscheiden. Außerdem habe ich auch schon angefangen Shot-Ideen für einzelne Szenen zu sammeln und werde eine ausführlichere Liste in einem der nächsten Blog Beiträge erstellen.

Narrative Arc

In dieser Grafik habe ich versucht höchst professionell zu visualisieren, wie sich die Geschichte der Dokumentation über die unterschiedlichen Phasen hin entwickeln soll. Die einzelnen Phasen beschreibe ich im Folgenden genauer:

PHASE 1: Die Menschen
Stimmung: aufgeregt, euphorisch, hibbelig, aufgedreht, Vorfreude
Wir lernen zum ersten Mal unsere Reiseteilnehmer kennen, anfangs nur flüchtig über Aufnahmen beim Packen, kurze aufgeregte Blicke und eilige Schritte. Wir sehen wie die einzelnen Charaktere aufeinander treffen. Es herrscht überschwängliche Freude, aber man merkt auch, dass Nervosität und Aufregung in der Luft liegen. Niemand weiß so recht, was ihn erwartet.

PHASE 2: Die Anreise
Stimmung: Beruhigung, in sich kehren, es sich bequem machen, leiser, bedachter, vielleicht etwas mulmig
Die Gruppe wird ruhiger, kommt im Zug an und stellt sich auf die lange Fahrt ein. Es werden noch Zähne geputzt und Betten gemacht, das kann noch aufgedreht und leicht überfordert sein. Die anfängliche Überdrehtheit lässt nach, die Zweifel und Ängste bleiben vielleicht noch, aber man ist auch im ruhigen Reisemodus angekommen. Es werden vielleicht noch geflüsterte Gespräche geführt, vielleicht noch gelesen und aus dem Zugfenster geschaut. Dann nur noch Zuggeräusche, vorbeiziehende Lichter. Die Stimmung wird wieder aufgedrehter als nach dem Frühstück im Zug langsam der Endbahnhof näher kommt. Vielleicht werden noch Reisepläne besprochen, Vermutungen und Vorfreuden geäußert.

PHASE 3: Kritische Auseinandersetzung
Stimmung: hektisch, voll, überfüllt, hinterfragend, kritisch, reflektierend, erschöpft
Nach der Ruhe im Zug kommt die Gruppe in der Stadt an, der Bahnhof ist voll, der Weg zum Hotel wird nicht sofort gefunden, die Stimmung wird wieder gestresster. Reflexion und Zweifel werden nicht offen erklärt sondern über Gesprächsfetzen erfahrbar gemacht. Vielleicht gibt es Gespräche darüber, dass nachhaltig reisen Dinge auch komplizierter macht, vielleicht darüber dass es ein Privileg ist so reisen zu können. Man fragt sich, wo die Verbindung bleibt, wie man mit Locals in Kontakt kommen soll und warum man sich vielleicht fremd und unwillkommen fühlt.

PHASE 4: Wege finden
Stimmung: hoffnungsvoll aber vorsichtig, zaghaft, hinterfragend, kritisch, viel Diskurs und Dialog
Die Reise nach Lappland geht weiter, der Zug fungiert wieder als Ort für Pause und Reflexion. Vielleicht spricht man über das Erlebte, vielleicht über das was noch kommt. In Lappland angekommen gibt es direkten Kontakt mit Einheimischen, mit deren Lebensweise und Werten. Reisen fühlt sich richtig an, nachhaltig. Zwischen Sauna, Kartenspielen und Skitouren finden Gespräche statt die zusammenschweißen. Vielleicht gibt es Meinungsverschiedenheiten, vielleicht tauchen Probleme auf, aber in Summe ist die Gruppe eine Einheit. Durch das Ankommen bei sich selbst kann man sich auch für Neues öffnen und auf andere zugehen. Phase 4 lebt vom Austausch und vom gegenseitigen Respekt. Zuseher lernen gemeinsam mit den Reisenden. Man sieht was Nachhaltigkeit bedeutet.

PHASE 5: Zaghafter Optimismus
Stimmung: optimistisch, auch kritisch, Fazit ziehen, zufrieden, selbstsicher
Die Heimreise wird angetreten, man muss sich wieder von Lappland verabschieden. Die Hinreise wird gespiegelt, aber die Stimmung ist beruhigter, reflektierter und zufriedener. Die Reisenden haben etwas über das Land, seine Menschen und sich selbst gelernt. Man merkt wie die Reise nachwirkt in den Köpfen der Reisenden. Nicht nur Erinnerungen sondern vielleicht auch neue Freundschaften und neues Bewusstsein sind entstanden. Man erkennt eingespielte Dynamiken in der Gruppe. Man kann auch mal gemeinsam Schweigen und einfach nur sein.

ENDE

Im Allgemeinen soll dieser Film nicht erklären sondern zeigen. Er soll nicht belehrend sein sondern Zuseher mitnehmen und sie beobachten lassen wie es aussehen kann, wenn Nachhaltigkeit mit Überzeugung gelebt wird. Dass es nicht immer nur schön und leicht ist, sondern auch schwer sein kann und man manchmal vielleicht beginnt zu zweifeln. Dass man sich sehr wohl seiner privilegierten Lage bewusst sein muss und anderen immer mit Respekt und Wertschätzung gegenübertreten soll. Dass echte Verbindungen und prägende Erlebnisse dann entstehen können wenn man bereit ist sich zu öffnen und auf andere zuzugehen, auch wenn einem das vielleicht die eigenen Fehler und Unzulänglichkeiten vor Auge führt.

Allerdings ist mir auch bewusst, dass ich die Emotionen Anderer nicht planen kann und nicht entscheiden kann, welche Gespräche geführt werden und was passieren wird. Alles in Allem will ich versuchen, einen klaren roten Faden in meinem Kopf zu haben, der mir als Anhaltspunkt dafür dient, was ich einfangen will und welche Stimmungen ich audiovisuell darstellen will. Gleichzeitig will ich aber auch flexibel genug bleiben um Abweichungen von meiner Storyline nicht zu ignorieren sondern genauso festzuhalten und offen dafür zu bleiben, meine Pläne auch noch zu ändern.
Ich denke, am Wichtigsten wird es sein, immer bereit und aufmerksam zu sein und in den richtigen Momenten auf REC zu drücken.

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