Die Frage ist nicht: Was soll das Produkt können?
Sondern: Wann könnte es gebraucht werden?
Persona 1 – Anna, 46 Jahre, Tochter (Hinterbliebene)
Anna ist 46 Jahre alt, berufstätig und Mutter von zwei Kindern. Nach dem Tod ihres Vaters steht sie vor der Aufgabe, den Haushalt aufzulösen. Zwischen Dokumenten, Alltagsgegenständen und persönlichen Erinnerungsstücken fühlt sie sich schnell überfordert. Vieles scheint wichtig, nichts fühlt sich richtig an. Entscheidungen fallen schwer, weil sie sich endgültig anfühlen.
Die Erinnerungsbox begegnet Anna in einer Phase, in der sie Struktur braucht, ohne emotional überfordert zu werden. Sie nutzt die Box nicht, um alles zu sammeln, sondern um auszuwählen. Fotos, handgeschriebene Notizen und einzelne persönliche Gegenstände finden darin Platz. Die Box wird für sie zu einem ruhigen Ort, an dem Erinnerungen gesammelt werden dürfen, ohne sofort sortiert oder bewertet zu werden.
Wichtig ist für Anna, dass die Box keine feste Nutzung vorgibt. Sie öffnet sie unregelmäßig, manchmal monatelang gar nicht. Gerade diese Offenheit empfindet sie als entlastend. Die Box hilft ihr nicht, den Verlust zu verarbeiten – aber sie gibt ihr einen Ort, an dem Erinnerungen sicher aufgehoben sind.
Persona 2 – Elisabeth, 72 Jahre, vorsorgende Nutzerin
Elisabeth ist 72 Jahre alt und lebt allein. Sie ist gesund, aktiv und denkt zunehmend darüber nach, was von ihr bleiben soll. Erinnerungen sind für sie etwas Wertvolles, aber sie möchte ihnen nicht ständig begegnen. Viele persönliche Dinge liegen in Schubladen oder alten Kisten – nicht vergessen, aber bewusst nicht präsent.
Die Erinnerungsbox sieht Elisabeth als Möglichkeit, selbst Einfluss darauf zu nehmen, wie Erinnerungen später weitergegeben werden. Sie nutzt die Box vorsichtig und über längere Zeit. Ab und zu legt sie etwas hinein, manchmal nimmt sie Dinge wieder heraus. Für sie ist die Box kein Abschiedsobjekt, sondern ein stiller Begleiter, der Ordnung schafft, ohne etwas festzuschreiben.
Wichtig ist für Elisabeth, dass die Box zurückhaltend gestaltet ist. Sie möchte keine Symbolik, keine Erklärung, kein Pathos. Die Box darf altern, so wie sie selbst. Sie empfindet es als beruhigend, dass sie nicht alles auf einmal entscheiden muss.
Persona 3 – Karl, 68 Jahre, reflektierender Nutzer
Karl ist 68 Jahre alt und lebt mit einer chronischen Erkrankung. Sein Alltag ist ruhiger geworden, und mit der Zeit wächst auch die Auseinandersetzung mit Erinnerung und Vergänglichkeit. Bestimmte Gegenstände sind für ihn stark emotional besetzt, andere möchte er bewusst nicht weitergeben.
Für Karl ist die Erinnerungsbox ein ambivalentes Objekt. Sie bietet ihm die Möglichkeit, Dinge auszuwählen, gleichzeitig konfrontiert sie ihn mit Endlichkeit. Er nutzt die Box sehr selektiv. Nur wenige Gegenstände finden ihren Platz – dafür mit großer Bedeutung.
Karl schätzt an der Box, dass sie nichts verlangt. Er kann sie schließen, wenn es zu viel wird. Besonders wichtig ist für ihn die Möglichkeit, nichts erklären zu müssen. Die Box ist für ihn kein Kommunikationsmittel, sondern ein persönlicher Raum.
Persona 4 – Martina, 59 Jahre, organisierte Nutzerin
Martina ist 59 Jahre alt, berufstätig und sehr strukturiert. Sie plant voraus, ordnet Unterlagen und denkt pragmatisch über Vorsorge nach. Erinnerung ist für sie kein rein emotionales Thema, sondern auch eine organisatorische Aufgabe.
Die Erinnerungsbox nutzt Martina bewusst und systematisch. Sie sieht sie als Ergänzung zu bestehenden Ordnern und Ablagen – allerdings mit einer anderen Qualität. Während Dokumente funktional sortiert sind, bietet die Box Raum für persönliche Bedeutung.
Martina schätzt klare Module, Übersicht und Erweiterbarkeit. Für sie ist die Box ein Werkzeug, das Struktur schafft. Erst im Laufe der Nutzung bemerkt sie, dass genau diese Ordnung ihr erlaubt, sich emotional behutsam zu nähern, ohne überwältigt zu werden.