MA: #3 Gutes Design – Ansätze von Don Norman im Bezug zum praktischen Teil

Trauer zu gestalten ist heikel. Zu schnell wirkt etwas kitschig, zu schnell zu kühl. Design bewegt sich hier auf einem schmalen Grat zwischen Funktion und Emotion. Jede Form, jede Farbe, jedes Material sendet eine Botschaft – und genau darin liegt die Herausforderung. Was für die eine Person tröstlich ist, kann für eine andere distanziert oder sogar verletzend wirken.

In Gesprächen mit Trauerbegleiter:innen und Betroffenen wurde schnell deutlich: Es gibt kein „richtiges“ Trauern. Manche Menschen suchen Nähe, andere Abstand. Manche möchten erinnern, andere vergessen – zumindest zeitweise. Trauer verläuft nicht linear, sie lässt sich nicht planen und schon gar nicht standardisieren. Genau deshalb muss ein Produkt in diesem Kontext offen bleiben. Es darf nichts verlangen. Es darf keine Erwartungen formulieren. Es sollte nicht erklären, wie man sich fühlen sollte.

Gestaltung kann hier nur anbieten, nicht führen. Ein Objekt in der Trauerarbeit muss aushalten, dass es vielleicht lange nicht benutzt wird. Oder dass es plötzlich, nach Jahren, wieder Bedeutung bekommt. Es muss sowohl Anwesenheit als auch Abwesenheit respektieren. Diese Offenheit ist keine Schwäche, sondern eine bewusste Haltung.

Gutes Design in der Trauerarbeit zeichnet sich daher weniger durch starke, expressive Formen aus, sondern durch Zurückhaltung. Materialien, die altern dürfen und Gebrauchsspuren annehmen. Oberflächen, die nicht perfekt bleiben müssen. Farben, die nicht dominieren, sondern begleiten. Eine Gestaltung, die nicht im Mittelpunkt steht, sondern Raum lässt – für Erinnerungen, für Gefühle, für Stille.

Auch Funktionen sollten nicht erklärt werden müssen. Je mehr ein Objekt „bedient“ werden will, desto mehr kann es überfordern. Gerade in emotionalen Ausnahmesituationen ist Einfachheit entscheidend. Eine Handlung sollte intuitiv sein, fast selbstverständlich. Öffnen, schließen, berühren. Keine Anleitung, keine richtige Reihenfolge.

Das Ziel ist dabei nicht, Gefühle zu erzeugen oder Emotionen zu verstärken. Design ist kein Ersatz für Trauer, kein Trostversprechen. Vielmehr geht es darum, Gefühle zuzulassen. Einen Rahmen zu schaffen, in dem Trauer stattfinden darf – ohne bewertet zu werden. Ohne zeitlichen Druck. Ohne Ziel.

Vielleicht ist das die wichtigste Erkenntnis: Dass gutes Design in der Trauer nicht sichtbar sein will. Es drängt sich nicht auf. Es ist da, wenn man es braucht. Und es tritt zurück, wenn man es nicht braucht. Gerade dadurch kann es Halt geben – leise, respektvoll und menschlich.

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