Durch KI und den leichten Zugang dazu hat sich das kreative Schreiben vor allem in der letzten Zeit stark verändert – künstliche Intelligenz ist längst nicht mehr nur ein Werkzeug für Datenanalyse, sondern wird auch aktiv in künstlerischen Prozessen verwendet.
Vom Verfassen von Gedichten bis hin zu Romanen: KI-gestützte Tools übernehmen inzwischen Aufgaben, die bis vor kurzer Zeit noch der Kreativität der Menschen vorbehalten waren. Doch wie sieht das beim Drehbuchschreiben aus, doch einer der anspruchsvollsten Formen des Storytellings. Gerade beim Drehbuch geht es um so viele kleine Nuancen, die das Gesprochene natürlich und authentisch machen. Kann KI hier auch gute Ergebnisse erzielen?
Kann eine KI dramaturgische Spannung erzeugen, emotionale Tiefe vermitteln und glaubwürdige Dialoge schreiben? Oder bleibt sie letztlich ein algorithmischer Imitator menschlicher Kreativität? Um diese Frage zu beleuchten, vergleiche ich in diesem Blogbeitrag zwei Drehbücher: eines komplett von ChatGPT generiert “ZEITSCHLEIFE” und eines mir selbst, das für den finalen Studiodreh in genau dieser Form verwendet wurde “TRAPPED IN THE LOOP”.
Generierung des KI-Drehbuchs:
Um das KI-Drehbuch zu erhalten, habe ich die KI mit folgenden Infos gefüttert und den Prompt folgend formuliert. Bestandteile waren die Szenecard, die Logline des Stücks allgemein und die Angaben aus dem Unterricht, der auch die Grundlage für das menschlich formulierte Skript waren.
„Schreibe ein Skript für eine kurze Szene mit folgenden Angaben:
INT. VERHÖRRAUM – POLIZEIWACHE – 2:00 NACHTS
Kalter Raum. Neonlicht. Ein Tisch. Zwei Stühle. Phil sitzt in einer Polizeiwache. Eine Kommissarin vor ihm. „Was ist passiert?“
Emotion Phil ist voller Angst, Verzweiflung und Verwirrung. Kann zwischen Realität und Einbildung nicht mehr unterscheiden. Tiefe Trauer weil sein bester Freund ermordet wurde.
Konflikt Phil hat keine Erinnerung mehr. War wirklich er der Mörder seines besten Freundes?
Logline
Ein exzessiver Partyabend wird für Phil, einen charismatischen, aber innerlich zerrissenen DJ, zum Albtraum, als er nach dem Konsum einer unbekannten Droge in einer Zeitschleife gefan- gen zu sein scheint. Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft verschwimmen, und als er sich plötzlich vor einer Leiche wie- derfindet, stellt sich die Frage: Ist er der Mörder – oder nur ein Spielball seiner eigenen Wahrnehmung?
Write a rough draft for the script of your chosen scene.
1 page = 1 minute, so your script should be roughly 5 pages (excluding the cover page)
With regard to our studio shoot, the scene should include only one male and one female person of middle age (at least visibly on-screen).
A maximum of two sets should be used, which we can create in our studio (though thinking big is definitely encouraged).”
Der Outcome war folgendes Script:
Analyse und Vergleich der beiden Drehbücher
Struktur und Aufbau
Beide Drehbücher folgen aufgrund der Angabe und er Scenecard einer ähnlichen Grundstruktur: ein Verhörraum, eine Kommissarin, ein verwirrter Mann (Phil), ein mysteriöser Todesfall und eine rätselhafte Zeitschleife.
Doch während der menschlich geschriebene Text stark zwischen Szenen wechselt – vom Verhörraum zur Party und wieder zurück. Das KI-Skript, das die Grundidee von „Trapped in a Loop“ also dem gefangen sein in einer Zeitschleife nicht ganz erfasst hat, bleibt in einer statischen Perspektive und erwähnt den Loop nur im Dialog. Der KI-Text fokussiert sich primär auf die Dialogszene im Verhörraum, was dramaturgisch dichter, aber auch weniger dynamisch wirkt.
Das echte Drehbuch hingegen nutzt filmische Stilmittel wie Match Cuts, Rückblenden und mentale Dissoziation, um die emotionale und narrative Verwirrung des Protagonisten visuell zu inszenieren und nicht nur sprachlich zu vermitteln. Der Szenenwechsel unterstützt den Plot: Realität und Erinnerung verschwimmen, was das Loop-Konzept glaubhaft und spürbar macht.
Dialog und Charaktertiefe
Im KI-Skript zeigt Phil emotionale Verzweiflung – Tränen, Zweifel, Erinnerungslücken. Auch die Kommissarin Keller ist klar gezeichnet: rational, aber mitfühlend. Dennoch wirken die Dialoge gelegentlich generisch und sehr aufgesetzt. Nichts was „Echte“ Menschen in so einem Fall sagen würden wenn sie wegen Mordverdachts auf einer Polizeiwache sitzen, etwa wenn Phil sagt: „Vielleicht war ich es. Vielleicht war ich es nicht.“
Im menschlich verfassten Skript hingegen ist die Sprache roher, direkter und glaubwürdiger. Die Kommissarin Lenz verliert mitunter die Geduld, ist fordernd, emotional, ungeduldig. Phil wechselt zwischen Panik, Nostalgie und purer Verzweiflung. Besonders eindrucksvoll ist eine Stelle, in der Phil schreit: „ICH VERSUCH JA ES IHNEN ZU ERKLÄREN!“, ein Ausbruch, der seine Zerrissenheit greifbar machen soll. Im Schreibprozess haben wir sehr stark den Fokus daraufgelegt, dass wir die Text so real und natürlich wie möglich gestalten. Denn im Endeffekt sind unsere Schauspieler:innen echte Menschen, mit österreichischem Background und daher war es wirklich wichtig, dass die Texte so gut wie möglich unserer gesprochenen Sprach ähneln.
Themen und Tiefe
Beide Skripte behandeln existenzielle Themen: Schuld, Wahrnehmung, Realität und Zeit. Die KI thematisiert diese Ideen explizit: Phil spricht davon, in einer anderen Schleife seinen Freund retten zu können. Das ist philosophisch interessant, bleibt aber abstrakt.
Im echten Drehbuch verwebt die Themen subtiler ins Geschehen: Die Zeitschleife offenbart sich nicht nur im Text, sondern in der Struktur des Drehbuchs selbst. Wiederholungen, Fragmentierungen und sich überlagernde Realitäten spiegeln die psychische Lage von Phil. Die Zuschauer:innen sollen ebenso verloren wie die Hauptfigur und selbst nicht mehr ganz wissen, was real ist und was nicht.
Originalität und Innovationskraft
Die KI zeigt ein beachtliches Maß an handwerklicher Kompetenz: klare Szenenbeschreibung, dramatischer Aufbau, solide Dialogführung. Doch das Skript bleibt in bekannten KI-Scheme. Überraschungsmomente fehlen und der Text wird sehr künstlich und nicht nahbar.
Im Gegensatz dazu hat sich das menschlich geschriebene Skript anders orientiert: der narrative Loop ist nicht nur Thema, sondern auch Form. Das Spiel mit Zeitebenen und subjektiver Wahrnehmung ist komplexer und filmischer gedacht.
Fazit: Wo liegt die Zukunft des Drehbuchschreibens?
Die KI hat beeindruckend gezeigt, dass sie Grundstrukturen und emotionale Dynamik eines Drehbuchs erfassen und wiedergeben kann. Ihre Texte sind formal korrekt, verständlich und atmosphärisch. Doch sie fehlen oft der Subtext, die emotionale Tiefe, die feinen psychologischen Nuancen. Kurz: die künstlerische Handschrift.
Menschliche also wirkliche Autor:innen bringt Intuition, Erfahrung und vor allem Gespür mit ein. Man weiß, wann man weniger sagt und mehr zeigt, wann ein Schnitt mehr erzählt als ein Satz.
Künstliche Intelligenz kann bereits heute ein wertvolles Werkzeug im kreativen Prozess sein: als Ideengeber, als Dialogvorschlaggeber, als dramaturgische Unterstützung oder auch einfach in der Korrektur. Aber die Rolle der Autor:innen, die aus Ideen eine Filmszene machen, bleibt, zumindest aktuell, menschlich.
Die spannendste Perspektive liegt wohl in der Zusammenarbeit und Kombination. Schön zu wissen, dass ein KI-Text zumindest aktuell in diesem Setting unseren Ansprüchen als Zuseher:innen und Filmemacher:innen nicht gerecht wird!