IMPULS #7: Ungeskripteter Realismus in den Videos von Dequitem

Bei meiner Recherche nach Filmempfehlungen und neuen Ansätzen für die visuelle Gestaltung von Duellszenen stößt man unweigerlich auf das Phänomen der Überstilisierung. Als absoluten Gegenentwurf dazu fand ich vor wenigen Monaten den YouTube-Kanal von Dequitem, hinter dem der deutsche HEMA-Praktizierende Lennard Dewitz steht. Sein Motto, “You will fight the way you train, so train the way you want to fight”, überträgt er konsequent auf seine Kurzfilme. Im Kontext meiner Masterarbeit bietet sein Schaffen einen extrem interessanten Impuls, da er vollständig auf Choreografien verzichtet und stattdessen echte Sparringskämpfe in voller Rüstung, mit historischer Technik und maximaler Geschwindigkeit filmisch inszeniert.

Das Besondere an Kurzfilmen wie „Knight’s Honor“ oder „The Red Knight“ ist die fundamentale Abwesenheit eines Skripts für den eigentlichen Kampf. Die Kontrahenten versuchen hierbei, mit historisch belegten Techniken Wirkungstreffer zu erzielen und diese vor der Kamera so realitisch wie nur möglich wirken zu lassen und ohne die Person dahinter tatsächlich (schwer) zu verletzen. Für das Publikum hat das einen psychologischen Effekt, der sich sehr von Hollywood-Produktionen unterscheidet. Es entsteht eine authentische Spannung, weil die physische Erschöpfung, das echte Timing und die Wucht der Einschläge ungefiltert spürbar sind. Jede Parade und jeder Ausfall ist eine unmittelbare Reaktion in Echtzeit.

Diese Unvorhersehbarkeit stellt die Kameraarbeit vor extreme Herausforderungen, da Lennard Dewitz als Regisseur, Kameramann und Editor in Personalunion agiert. Bei der Analyse der Kurzfilme fällt auf, dass er oft mit einer dynamischen, leicht distanzierten Kameraführung arbeitet, um die Akteure ganzheitlich im Bild zu behalten. Die Einstellungsgrößen wechseln klug zwischen Halbtotalen, welche die Schrittarbeit und Raumaufteilung sichtbar machen, und schnellen Close-ups, die das Aufeinandertreffen der Waffen betonen. Die durchschnittliche Einstellungslänge ist im Vergleich zu typischen Actionszenen in Filmen, sehr lang gewählt, um die Kontinuität des realen Kampfes nicht durch hektische Schnitte zu verfälschen. Auf Effekte wie beispielsweise Speed-Ramps wird zur Gänze verzichtet.

Verletzungsrisiko und der Transfer in mein Werkstück

In einem seiner Videos gibt Lennard Dewitz Einblicke in seine Arbeit und geht dabei sehr offen auf die Produktionsbedingungen und das nicht zu unterschätzende Verletzungsrisiko ein. Wenn mit voller Kraft und ohne Absprache agiert wird, schützen selbst ein historischer Vollplattenharnisch und stumpfe Waffen nicht vor Prellungen oder technischem Materialversagen. Dieses Risiko schwingt in stets in den Filmen mit und verstärkt die Immersion des Zuschauers. Für mein eigenes Werkstück kann und werde ich dieses Konzept des ungeskripteten Kampfes natürlich aus Sicherheits- und Planungsgründen nicht übernehmen und meine Darstellenden werden mit einer festgelegten Choreografie arbeiten.

Der entscheidende Impuls für meine Arbeit liegt jedoch im Bereich des Editing-Rhythmus. Dequitems Arbeiten zeigen, dass “echte”, ungescriptete Kämpfe von plötzlichen Rhythmuswechseln, Momenten des Belauerns und explosiven Ausbrüchen geprägt sind. Hollywood neigt dazu, Kampfszenen durch eine künstlich hohe, gleichmäßige Schnittfrequenz zu rhythmisieren, was Einfluss auf die Immersion und den Realismus der Szene hat. Ich möchte für meinen Kurzfilm versuchen, diese visuelle Ehrlichkeit von Dequitems Schnitten zu adaptieren und in meine Arbeit einfließen lassen. Das bedeutet, dass ich in der Postproduktion längere Einstellungen stehen lassen werde, um die physische Leistung der Akteure und die genuine Dynamik des Duells für das Publikum lesbar zu machen, ohne dabei der Szene die Spannung zu nehmen.

IMPULS #6: Das Bühnenfecht-Seminar mit Peter Zillinger

Die Frage nach dem optimalen Verhältnis zwischen historischer Akkuratesse und visuellem Spektakel ist ein zentraler Pfeiler meiner Forschungsarbeit, der mich, je mehr ich mich mit der Thematik befasse, immer mehr in Detailfragen untergehen lässt, weshalb mir das Seminar für Bühnenfechten1 mit Peter Zillinger bei INDES Graz die Gelegenheit bot, die praktische Vermittlung von Kampfchoreografien genauer zu untersuchen und mehr darüber zu lernen. Da mein Werkstück bekanntlich eine Brücke zwischen Bewegungspraxis und Montage schlagen soll, ging ich mit spezifischen filmtheoretischen Fragestellungen in dieses Wochenende, in der Hoffnung weitere Antworten zu finden.

Der zweitägige Workshop erwies sich als eine spannende Erfahrung, die für den Fortgang meiner Masterarbeit jedoch eine andere Relevanz einnahm als ursprünglich angenommen. Durch meine beinahe zehnjährige Erfahrung im LARP-Bereich sowie meiner weit fortgeschrittenen Erfahrung im historischen Fechten, brachte ich bereits ein fundiertes Vorwissen in den Bereichen Schauspiel, Waffenkunde und Waffenhandhabung mit. Viele der grundlegenden Konzepte zur Körperbeherrschung und Distanzlehre waren mir daher bereits vertraut.
Einzige Ausnahme stellte das korrekte Handling eines Smallswords dar, mit welchem ich bis zu dem Tag noch keinerlei Erfahrung hatte.

Ein wesentlicherer Punkt für die Einordnung des Gelernten war der starke Fokus auf das Theater und die klassische Bühne. Die Gesetzmäßigkeiten des Raumes unterscheiden sich hier fundamental vom Medium Film. Auf der Theaterbühne müssen Bewegungen permanent für das gesamte Publikum vergrößert werden, da es keine dynamische Kamera gibt, die den Bildausschnitt verändern kann. Für mein primäres Forschungsfeld, das visuelle Storytelling durch Kamera und Schnitt, boten die rein theaterfokussierten Übungen daher weniger brauchbare neue Erkenntnisse.

Trotz des Fokus auf das Theater bot das Seminar wertvolle methodische Ansätze. Peter Zillinger vermittelte ein Set an Übungen, das als strukturierter Werkzeugkasten für Personen verstanden werden kann, die noch keine Berührungspunkte mit dem historischen Fechten hatten. Es wurde unter anderem vermittelt, wie Stiche sicher für die Bühne praktiziert werden, Häue überzeugend dargestellt werden (sowohl die Aktion, als auch die Reaktion dessen) und wie ein kleines 3-minütiges Stück aufgebaut werden kann. Für Stuntchoreografen oder Trainer ist dieses Wissen bestimmt essenziell, um unerfahrenen Darstellenden innerhalb kurzer Zeit die nötige Glaubwürdigkeit ihrer Aktionen auf der Bühne zu verleihen.

Ein persönliches Highlight und direkter Gewinn für meine theoretische Arbeit war ein intensiver Austausch mit Peter Zillinger abseits der praktischen Übungen. Er gab mir die Filmempfehlung „Die drei Musketiere“ aus dem Jahr 1973 mit auf den Weg. Dieser Film legte einst den Grundstein für seine eigene Begeisterung für das Bühnenfechten. Für meine Masterarbeit ist dieser Hinweis ein wertvoller Fund und ich habe diesen Klassiker in meine Liste der potenziellen Fallbeispiele aufgenommen, um die dortigen Duellszenen meinen Shot-by-Shot-Analyse zu unterziehen. Die Fechtszenen dieses Films gelten als wegweisend für die damalige Zeit und bieten hervorragendes Material, um den historischen Wandel von Kamera- und Schnittmustern im Film zu untersuchen.

Zusammenfassend hat mir das Seminar nochmals mehr verdeutlicht, dass die Abstraktion für die Bühne eine anderen Aufbau verlangt als die Inszenierung für die Kamera und trotz der anfänglichen Ernüchterung während dieses Workshop-Wochenendes konnte ich doch Nutzen für meine Arbeit ziehen.

  1. Link zur Ausschreibung des Bühnenfecht-Seminars von Peter Zillinger ↩︎

IMPULS #5: Gewaltdarstellung und Bühne – Ein Vortrag von Franzy Deutscher

Der Kontrast zwischen historisch akkuraten Kampftechniken und der Notwendigkeit einer bühnenwirksamen Inszenierung begleitet mich seit dem Beginn meiner Recherche. Ein besonderer Glücksfall für meine Masterarbeit war daher der Vortrag auf dem Swordtrip Gatherings, bei dem die Stuntfrau und Fight Directorin Franzy Deutscher1 einen Vortrag zum Thema Gewaltdarstellung und Bühne2 hielt. Da sich ein Teil meiner Arbeit intensiv mit der visuellen Lesbarkeit von Duellszenen beschäftigt, bot dieser Vortrag eine perfekte Brücke zwischen der physischen Performance vor der Kamera und der anschließenden gestalterischen Verarbeitung im Schnitt.

Franzy Deutscher beleuchtete in ihrem Vortrag primär die Mechanismen, wie Gewalt auf der Bühne und im Film so transportiert werden kann, dass sie für das Publikum glaubwürdig wirkt, ohne die Sicherheit der Beteiligten zu gefährden. Für meine eigene Fragestellung war vor allem ein Aspekt relevant, nämlich die bewusste Vergrößerung und Verlangsamung von Bewegungen, um dem Auge des Zuschauers die Möglichkeit zur Orientierung zu geben. Im historischen Fechten sind die Bewegungen oftmals minimal, hocheffizient und für das ungeschulte Auge kaum wahrnehmbar. Auf der Leinwand würde diese Akkuratesse ohne visuelle Unterstützung jedoch schnell zu einer Überforderung des Publikums führen.

Die Referentin erklärte ebenso, dass eine Kampfhandlung im Film eine klare Geschichte erzählen muss. Jeder Hieb und jede Parade repräsentiert eine Entscheidung der Figur. Wenn die Kamera diese Details durch eine unruhige Führung oder eine zu hohe Schnittfrequenz fragmentiert, geht die erzählerische Funktion komplett verloren. Der Vortrag bestätigte meine Hypothese, dass die Verständlichkeit einer Szene maßgeblich von der Kooperation zwischen der Choreografie und den technischen Einstellungsgrößen abhängt. Eine weite Einstellung erlaubt es dem Publikum, die Beinarbeit und die Distanz der Kontrahenten zu erfassen, während das Close-up die emotionale Konsequenz im Gesicht der Figuren einfängt.

Abschließend konnte ich dank des Vortrages mein Literaturverzeichnis noch um einige Werke erweitern, die mir bei meiner bisherigen Recherche noch fehlten, aber eine wichtige Lücke meines Theorieteils damit gut füllen konnten.

Für das Werkstück meiner Masterarbeit, den geplanten Kurzfilm bzw. die geplante Duellszene, konnte ich aus dem Vortrag konkrete Leitlinien mitnehmen. Franzy Deutscher betonte, dass die physische Achse zwischen den Schauspielenden exakt auf die Kameraposition abgestimmt sein muss. Nur so lassen sich Trefferabsichten und optische Täuschungen, wie das Vorbeischlagen am Kopf, glaubwürdig abbilden.

Zusammenfassend hat mir der Vortrag gezeigt, dass die Zusammenarbeit zwischen Fight Direction und Kameraarbeit bereits in der Preproduction beginnen muss. Ein stimmiges Gesamtbild entsteht erst, wenn die gestalterischen Entscheidungen im Editing die physischen Gesetzmäßigkeiten des Bühnenkampfes respektieren und gezielt verstärken.

  1. Franzy Deutscher – Biografie ↩︎
  2. Swordtrip Gathering Workshop – Gewaltdarstellung und Bühne ↩︎

IMPULS #4: Schowkampftraining samt Dreh von INDES Wien

Rückblickend war das Projekt, welches im Rahmen der Lehrveranstaltung Design and Research 2 entstanden ist, eines jener Projekte, bei denen mir erstmals klar wurde, dass sich meine bisher eher intuitiv verfolgten Interessen an historisch akkuraten Gefechten in Filmen und Videospielen tatsächlich zu einem tragfähigen Masterarbeitsthema formen lassen könnten. Die Arbeit mit den Schwertkampfchoreografien von den Teilnehmer:innen aus INDES Wien machte viele der theoretischen Überlegungen, die mich bereits zuvor beschäftigt hatten, nach und nach greifbar und praktisch überprüfbar.

Ich war bei diesem Projekt aktiv am Dreh beteiligt und sowohl während der Generalprobe am Vortag als auch beim eigentlichen Dreh hauptverantwortlich für die Kameraarbeit. Anschließend kümmerte ich mich ebenso um die Postproduktion im Alleingang. Die Choreografien selbst wurden von den Teilnehmenden des Kurses ausgearbeitet und waren nicht speziell für die Kamera adaptiert, sondern entsprachen in ihrer Struktur und Ausführung weitgehend realistischen, trainingsnahen Abläufen. Genau das machte das Projekt für mich besonders interessant, da ich anhand der zuvor gesendeten Handyvideos und zur Finalisierung direkt bei der Generalprobe Kamerabewegungen und -winkel definieren musste, um ebenjene Kampfabläufe visuell lesbar zu machen. Die einzige Vorgabe, die die Teilnehmenden nach Absprache zwischen dem Trainer Thomas Hofer und mir bekamen, war, dass die Choreografien zwischen 30 und 60 Sekunden maximal dauern dürfen.

Insgesamt wurden vier Choreografien umgesetzt, darunter eine mit langem Messer sowie drei mit langem Schwert, wobei zwei davon zusätzlich mit Dolch als Beiwaffe gearbeitet waren. Diese Vielfalt an Waffen stellte unterschiedliche Anforderungen an die Bildauswahl, denn gerade bei den Kombinationen mit Beiwaffen wurde mir spätestens beim Schnitt bewusst, wie schnell Bewegungen oder auch der Waffenwechsel visuell unübersichtlich werden können, wenn Kameraposition in dieser Situation nicht präzise gewählt sind oder nicht früh genug gezeigt wird, dass die Kontrahent:innen eine Sekundärwaffe mit sich führen. Aspekte wie die korrekte Wahl der Achse, dem Einsatz spezieller Techniken, wie beispielsweise das Winden oder Ringen in der Messerchoreografie, sowie die Beziehung der beiden Fechtenden im Raum zueinander spielten dabei eine wichtige Rolle und ich merkte spätestens bei der zweiten Choreografie, dass kleine Entscheidungen in der Kameraposition oder des Winkels bereits großen Einfluss darauf haben, ob eine Aktion für den Zuseher nachvollziehbar bleibt, spektakulär in Szene gesetzt ist oder aufgrund von Unübersichtlichkeit ihre Wirkung verliert.

Auch das Tempo der Choreografie war ein nicht zu unterschätzendes Element bei der Produktion. Besonders Team 2 mit Ben und Simon setzte ihre Choreografie mit etwa 70% der möglichen Geschwindigkeit um, um die Handlungen weiterhin lesbar zu machen. In einer Statischen Totalaufnahme setzten sie die Choreografie in 90%iger Geschwindikeit um, was für mich als Kenner der Materie bereits schwer war, alle Aktionen klar nachzuvollziehen. Das Tempo war jedoch beeindruckend, stellte mir jedoch vor die Frage ob ich einerseits das benötigte Können habe, um eine solch schnelle Szene auf professionellen Level zu filmen schaffe, oder ob es mehr Sinn macht, etwas Tempo einzubüßen und dafür die Nachvollziehbarkeit in den VOrdergrund zu bringen. LEtztendlich habe ich mich mit gemeinsamer Absprache mit Tom für zweiteres entschieden, da auch 70%ige Geschwindigkeit für die meisten Menschen ausgesprochen schnell wirkt.

Spannend war für mich war während der Produktion auch, wie stark sich die Kameraarbeit und Choreografie gegenseitig beeinflussen, denn während der Generalprobe konnte ich gut beobachten und erproben, welche Bewegungen gut lesbar sind, aus welchem Winkel die Kamera am besten die Darsteller samt Waffen verfolgen sollte und wo es zu potentiellen Brüchen kommen könnte, was durch die Raumgröße der Location von Zeit zu Zeit gegeben war. EIn großer Fokus lag für mich bei der Lesbarkeit der Aktionen und darauf, Bewegungsabläufe verständlich abzubilden, ohne dabei die Nähe der Charaktere zu verlieren, jedoch habe ich beim Schnitt wiederum gemerkt, wie ich wiederholt dazu tendierte, mich in Nahaufnahmen zu verlieren, welche die Emotionen besoders in den Vordergrund stellte, was wiederum Orientierung und Nachvollziehbarkeit der Choreografie einbüßte.

Die Arbeit mit INDES Wien hat mir gezeigt, dass sich reale, historisch fundierte Kampfabläufe sehr wohl filmisch umsetzen lassen, wenn Kameraarbeit, Timing, fechttechnisches Know-How und räumliches Verständnis bewusst zusammenspielen. Gerade im Kontext der historischen Fechtkunst ist diese Übersetzungsleistung ziemlich anspruchsvoll, da die historisch belegten Techniken oft weniger ausladend und fürs ungeschulte Auge unsichtbarer sind, als es filmische Konventionen erwarten lassen.

Wie ganz zu Beginn genannt, war diese Produktion der Start, an dem ich begann, mein Design&Research Thema als ernst zu nehmenden Teil einer möglichen Masterarbeit zu betrachten und nicht mehr nur als ein spannendes Projekt, welches sich als interessante Abwechslung in meinem Portfolio anbieten würde.

IMPULS #3: Masterarbeitsthema Gespräch mit Daniel Bauer

Das Gespräch mit Daniel Bauer, welches wir im November hatten, drehte sich rund um mein voraussichtliches Masterarbeitsthema und stellte für mich einen wichtigen Moment im bisherigen Themenfindungsprozess dar. Ich ging in dieses Treffen mit dem Grundgedanken, dass ich mich thematisch noch nicht zu hundert Prozent festgelegt hatte und plante daher ihm zwei unterschiedliche Grundideen vorzustellen und diese gemeinsam zu diskutieren.

Das erste Thema beschäftigte sich mit Visual Storytelling in bewaffneten Duellszenen und Kampfchoreografien. Mich interessiert dabei vor allem die Frage, wie Bildgestaltung, Kameraführung und Editing die Wahrnehmung solcher Szenen beeinflussen und formen. Dieses Themenfeld begleitet mich bereits seit vergangenen Semester und zieht sich durch meine bisherigen Blogposts ebenso wie durch einige meiner praktischen Arbeiten, in denen ich mich intensiv mit choreografierten Schwertkampfszenen auseinandergesetzt habe.

Doch ursprünglich hatte ich, als ich dieses Masterstudium begonnen hatte, einen anderen Plan für meine Masterarbeit, da ich im Rahmen dessen endlich die Idee eines Dokumentarfilms über Historisches Fechten umsetzen wollte. Diese Idee begleitet mich seit nun drei Jahren, allerdings ist mir bis zuletzt kein Forschungsthema eingefallen, das sich sinnvoll mit dieser Vision vereinen ließ. Deshalb wollte ich beide Ansätze im Gespräch vorstellen und gemeinsam mit Daniel Bauer entscheiden, welcher davon sich besser für eine Masterarbeit eignen würde.

Der Verlauf des Gesprächs entwickelte sich jedoch anders als erwartet, denn bevor ich überhaupt dazu kam, meine zweite Idee ausführlich zu pitchen, begann ich zuerst noch grob über meine bisherigen Blogposts und die gefilmten Schwertkampfchoreografien der vergangenen Semester zu erzählen, um das Thema greifbarer zu machen. Daniel reagierte sehr positiv auf diesen Überblick, meiner Begeisterung für dieses Thema und bezeichnete es als eine extreme Nische, die inhaltlich jedoch wirklich spannend klinge.

Besonders in Erinnerung geblieben ist mir seine Rückmeldung, dass gerade meine Expertise und mein Fachwissen kombiniert aus beiden Bereichen, Historisches Fechten und Film, dieses Thema zu einem sehr interessanten Masterarbeitsthema machen würden. Er meinte, dass genau diese Kombination selten sei und großes Potenzial habe. Seine Aussage „Diese Masterarbeit würde ich mir sogar echt gern durchlesen“ wirkte auf mich sehr motivierend und bestätigte mich in meinem bisherigen Ansatz.

Im Gespräch kamen wir zudem auf mögliche inhaltliche Schwerpunkte zu sprechen, welche die Thematik gut ergänzen würden. Dabei ging es vor allem um unterschiedliche Typologien von Actionszenen und um die Frage, wie bewaffnete Duelle je nach kulturellem Kontext inszeniert werden. Aspekte wie Schnitt, Dramaturgie und Mimik spielten dabei eine zentrale Rolle, ebenso der Unterschied zwischen nüchterner und überstilisierter Darstellung, wie man es beispielsweise aus asiatischen Kampfkunstfilmen im Kontrast zu den US-Actionfilmen kennt.

Gleichzeitig wies er jedoch auch darauf hin, dass dieses Thema sehr schnell sehr umfangreich werden könne und die Analyse von Kampfszenen viele Ebenen zum Erforschen eröffne und ich daher einen gezielten Fokus zum Ausarbeiten wählen sollte, wie beispielsweise die Kameraführung. Daher riet er mir dazu, das Thema klar einzugrenzen und bewusst Schwerpunkte zu setzen, um den Rahmen der Masterarbeit nicht zu sprengen.

Einerseits kam ich dadurch leider nicht mehr dazu, meine ursprüngliche Idee zum Dokumentarfilm ausführlich vorzustellen. Andererseits hat mich genau dieses Gespräch sehr darin bestärkt, den bisher eingeschlagenen Weg aktiv weiterzuverfolgen. Die Begeisterung für das Thema und das konstruktive Feedback motivierten mich, mich stärker auf Visual Storytelling, Kampfchoreografie und deren filmische Wahrnehmung zu fokussieren.

IMPULS #2: Adorea Olomouc und BladeBros Crew

Ein wichtiger Teil meiner Recherche besteht aktuell darin, nach Beispielen zu suchen, die historisches Fechten und moderne Filmästhetik miteinander verbinden. Dabei bin ich auf mehrere Gruppen gestoßen, die nicht nur als HEMA Praktizierende aktiv sind, sondern auch als professionelle Stuntperformer und Choreografen arbeiten und deren Videos mir teilweise schon seit mehreren Jahren ein Begriff waren. Besonders Adorea Olomouc1 sowie die BladeBros Crew2 sind für mich dabei in den letzten Monaten zu Accounts geworden, die ich regelmäßig aufrufe, um sie nun, im Gegensatz zu früher, nicht als reiner Konsument, sondern von einer anderen Perspektive analysiere.

Diese Teams veröffentlichen regelmäßig Kurzfilme, Choreografien und Trainingssequenzen auf YouTube und Instagram,wobei die Bandbreite von historisch orientierten Zweikampfszenen bis hin zu kleinen Action Geschichten reicht. Dabei fällt sofort auf, dass hier nicht nur historisches Wissen, sondern auch filmisches Handwerk eingesetzt wird. Sie bedienen hierbei sowohl “längere” Videoformate auf YouTube als auch Social Media Reels, um ein breites Publikumsspektrum zu erreichen, wodurch sich ihr Content nicht nur an HEMA Enthusiasten, sondern ganz klar auch an ein breites online Publikum richtet.

Der Fokus liegt auf Action und Dynamik und Ästhetik, sowohl bei den Stunts als auch der Kameraführung, manchmal auch mit humorvollen Elementen bestückt.

In den Videos erkennt man deutlich das sportlich-professionelle Know How der Schauspieler. Technikfolgen werden meist so gesetzt, dass sie für den Zuseher sauber erkennbar sind und Kenner des Sportes auch leicht erkennen können, dass sehr viele der Techniken auf historischen Quellen basieren. Die Bewegungen orientieren sich zu sehr großen Teilen an dem, was aus Fechtbüchern und Fechttraining nachvollziehbar wäre. Genau dieser Hybrid ist es, der mein Interesse geweckt hat, sich tiefer mit der Darstellung ebenjener Choreografien zu beschäftigen, denn besonders in modernen Hollywoodfilmen ist die Anzahl an Schauspielern, die historisch-fechterisches Know-How besitzen, verschwindend gering.

Die Kurzfilme setzen bei den Actionszenen auf eine bewegte Kamera mit teilweise längeren Einstellungen, wie man sie vergleichsweise aus modernen Actionszenen kennt, die den Kampf als kontinuierlichen Ablauf zeigen und dadurch nachvollziehbarer wirken lassen. Die Choreografien basieren meist sichtbar auf historischen Techniken und bleiben dabei für das Publikum klar lesbar. Der Schnitt ist zurückhaltend und überlässt der Bewegung im Raum das Erzeugen von Rhythmus und Spannung. Sound unterstützt die räumliche Wahrnehmung und verstärkt die physische Präsenz der KämpferInnen. Insgesamt entsteht ein Hybrid aus historischer Glaubwürdigkeit und filmischer Dynamik, der sowohl HEMA Kenner als auch ein breiteres Publikum anspricht. In den Abonnenten und Kommentatoren findet man daher mitunter auch viele Film- und Videospielenthusiasten aus den Bereichen Fantasy und History.

Was die Reels von ihren klassischen Kurzfilmen unterscheidet, ist vor allem die Art der visuellen Erzählung. Ihre Reels setzen häufig auf eine durchlaufende Kamera ohne Schnitt zwischen den Aktionen. Das bedeutet: keine Montage von vielen kurzen Einstellungen, sondern eine Bewegte Kamera begleitet die FechterInnen von Aktion zu Aktion, oft mit rasanten Kamerafahrten und stetiger Bewegung im Bild. Die Aktionen bleiben durchgehend sichtbar und werden gelegentlich von Speedramps oder kurzen SloMo Passagen untermalt. Dadurch entsteht eine andere Dynamik, als zu den Kurzfilmen, wodurch dieser Content energiegeladener wirkt und beim Zuschauer das Gefühl von kampfkünstlerischen bzw. technischem Talent der Schauspieler verstärkt. Zusätzlich sind die Akteure zumeist in modernen Settings zu sehen, welches sich auch in der Art der Bewegung von den hostorisch angehauchten Videos unterscheidet.

Link zum Video

Besonders für die Darstellung bewaffneter Duellszenen finde ich diesen Ansatz sehr interessant: Technik, Körperbewegung und Timing erscheinen nicht fragmentiert, sondern als ein lebendiger, konstanter Ablauf, welcher die Glaubwürdigkeit unterstützt und mehr als nur eine ästhetische Choreografie vermittelt. Zusätzlich ist diese Art von Content eine spannende Verschmelzung zweier Welten und ein nicht zu unterschätzenden Ansatz, um jüngeres Zielpublikum zu erreichen und um aufzuzeigen, wie beeindruckend technisch akkurates Fechten auf Film wirken kann und wie cool dieser Sport ist 🙂

  1. Webseite von Aadorea Olomouc ↩︎
  2. YouTube Auftitt von Bladebroscrew ↩︎

IMPULS #1 : „The Duelists“ (1977) Filmabend

Wenn man sich, so wie ich in den vergangenen zwei Semestern, sehr intensiv mit der filmischen Darstellung von bewaffneten Kämpfen bzw. Duellen beschäftigt, landet man früher oder später bei The Duelists (1977), Ridley Scotts Debütfilm, der mir mehrfach von Mitgliedern meines Fechtvereines empfohlen wurde. In meinem Fall war der vor kurzem stattgefundene Filmeabend, bei welchem wir uns diesen Film vorgenommen haben, ein für mich wertvoller Diskussionsanstoß und Meinungsaustausch zum oben genannten Thema und damit gleichzeitig ein interessanter Impuls für meine weitere Forschungsarbeit über Authentizität und Storytelling in filmischen Kampfszenen.

Zu dem spontanen Filmabend gesellten sich insgesamt vier weitere Vereinsmitglieder und gemeinsam beobachteten wir, wie die beiden Charaktere Armand d’Hubert  und Gabriel Feraud über Jahrzehnte hinweg in Duelle verwickelt werden.

Die beiden Duelle mit dem Smallsword wurden von Ilja (unserem Rapieristen der Runde) durch zustimmendes Nicken doch mit viel Anerkennung begleitet. Die Körperhaltung, Beinarbeit und die Mensur (die Distanz zwischen zwei Fechtern) entspricht dem, was man in historischen Quellen findet, weshalb der Film in HEMA-Kreisen als ein gutes Beispiel für relativ akkurat inszenierte Smallsword-Gefechte gilt. Und trotzdem schmunzelte Ilja gelegentlich, wenn für ihn „offensichtliche Blößen“ in der Deckung waren und manch eine Aktion eine Prise zu ausladend gestartet wurde, war mir wieder vor Augen hielt, dass Personen mit Expertenkenntnisse ein anderes Auge für Darstellungen dieser Art haben. Trotz diesem „Makel“ waren die Duelle sehr realistisch und kurz gehalten, die Kontrahenten lauerten einander auf, warteten auf einen Fehler oder eine unbedachte Handlung, um ihre Aktion zu setzen und ihr Gegenüber zu treffen.

Besonders die beiden Säbelduelle wirken emotionaler, wilder und deutlich hektischer, was sich auch in Kamera und Schnitt wiederspiegelte. Jacob, einer der jüngsten in unserem Team, fragte gegen Ende der Szene verblüfft in die Runde: „Und das sollen gute Fechtdarstellungen sein?“ Ich stimmte zu, diese Szene wirkte eskalierend und soll den Start der Feindschaft zwischen Armand d’Hubert und Gabriel Feraud für die Zuschauer greifbar machen, worunter die Darstellung korrekter Säbeltechniken deutlich litt. Die Säbel werden in der Szene wild durch den Raum geschwungen und historisch technische Akkuratesse wurde genau zu Beginn, als die Duellanten ihre Waffen zogen, gezeigt.  

Die Szene wirkte klar übertrieben, aber dennoch emotional wirkungsstark, wodurch ich mir durch den Film wiederholt die Frage stellte: Wie viel Realismus darf zugunsten von Storytelling verloren gehen?

Als Fechterin und „Filmschaffende“ sitze ich gefühlt immer zwischen zwei Welten:

  • HEMA will Präzision und Akkuratesse
  • Film will Emotion und Spannung

In realen Duellsituationen entscheidet (je nach Regelwerk) der erste Wirkungstreffer, im Film schwingt jedoch stets die Geschichte mit. Ein Gefecht, der nach wenigen Sekunden vorbei ist, mag realistisch sein, aber er wird weniger zu anderen Elementen der Geschichte eines Filmes beitragen.

The Duelists zeigt, wie viel Mühe und Bewusstsein in filmische Duelle fließen können. Er hat mich daran erinnert, dass Realismus nicht allein durch die dargestellten Technik entsteht, sondern durch Einfluss von Emotionen und Persönlichkeit der Darsteller.

Ebenso erinnerte ich mich wieder daran: Filme haben ihre eigene Realität. Sie dürfen die Realität biegen, solange es für die Geschichte sinnvoll ist.

Für mein Projekt heißt das:
Ich möchte Wege finden, wie historische Authentizität und dramaturgische Spannung gleichzeitig funktionieren können. Kein „entweder… oder“, sondern den Versuch wagen, ein „sowohl als auch“ zu schaffen.

Und wenn dabei gelegentlich ein HEMA-Fechter schmunzelt, umso besser. Das bedeutet, dass sie im Training gut aufgepasst haben.

#8 Postpro und Erkenntnisse

Nachdem die Dreharbeiten abgeschlossen und alle Takes gesichert waren, begann die nächste zentrale Etappe meines Projekts: das Sichten und Schneiden des Materials. Der Fokus lag dabei zunächst auf Team 2, das bereits während der Produktion die komplexeste und aufwändigste Choreografie geliefert hatte, sowohl inhaltlich als auch kameratechnisch. Genau deshalb war es mir ein Anliegen, mit diesem Material in den Schnittprozess einzusteigen.

Der erste Rohschnitt ist mittlerweile fertig und hier einsehbar:

Das erste Durchsehen des Materials war für mich, wie so gerne eine Mischung aus Vorfreude und Ernüchterung. Einerseits sah das Rohmaterial auf den ersten Blick teils sehr beeindruckend aus, die Schauspieler gaben ihr Bestes in Ihrer Choreografie und vollzogen diese mit technischer Perfektion.

Andererseits realisierte ich erst beim Sichten, wie viele Takes der eine oder andere komplexere Stunt tatsächlich benötigte und ich das im Eifer der Kameraarbeit kaum aktiv wahrgenommen habe, dazu gehörten das Ringen, der anschließende Wurf und das gegenseitige Entwaffnen. An dieser Stelle muss ich wieder großen Dank an Thomas Hofer aussprechen, der die Stuntkoordination und auch das Schreiben der Shotliste übernahm.
Ebenso bemerkte ich im Schnittprozess kleinere Fehler, die bei meiner Kameraarbeit entstanden sind. So gibt es einzelne Shots, bei denen ich die Schauspieler zu langsam mitverfolgt habe und sie mir wortwörtlich aus dem Frame davon liefen oder ein Klingenaustausch außerhalb des sichtbaren Bereich passierte. Im Falle von Gruppe 2 passierte dies beispielsweise in dem Moment, wo Ben sich vom Wegstoßen aufrafft und erneut Simon attakiert (Sekunde 27 im Rohschnitt), hierbei schafft ich es leider bei keinem einzigen Take beide Kontrahenten ins Bild zu bekommen, weshalb ich mich im Feinschnitt dazu entschied, früher auf den darauffolgenden Shot zu wechseln, wodurch dieser zwar nun länger dauert, jedoch dieser Fehler zu Gänze umgangen werden konnte.

Was mir persönlich der größte Dorn im Auge ist, ist die Tatsache, dass ich sehr wenig qualitativ gute Aufnahmen in der (Halb) Totale der Gruppe habe und ich zugleich sehr viele Teile sehr nahe filmte. Von Amerikanischer bis Nahaufnahme habe ich alles sehr breit abgedeckt, jedoch mangelt es an Ausweichmöglichkeiten zu alternativen Long Shots.
Ich habe zwar bei jeder Choreografie drei Sicherheitsaufnahmen aus unterschiedlichen Winkeln gemacht, diese sind jedoch statisch und im Gegensatz zum restlichen Footage sehr simpel gehalten. Im Rahmen des Feinschnitts werde ich dieses Thema nochmal beleuchten und einen genaueren Blick darauf werfen, ob und wo man einen Long Shot einbauen könnte.

Der erste Rohschnitt mit Team 2 zeigte mir sehr deutlich, dass der Aufwand, sowohl in der Vorbereitung als auch am Set, gerechtfertigt war und erste Früchte trägt. Die Choreografie ist anspruchsvoll und dennoch nachvollziehbar. Natürlich ist dies nur der erster Arbeitsschritt und viele weitere Schritte wie Sound, Feinschnitt und Color Correction stehen noch aus. Aber der Grundstein ist gelegt.

Fortsetzung folgt bald mit Team 1. Team 3 und Team 4, schaut daher während der Ferien gerne nochmal vorbei!

#7 Der Drehtag – Vier Choreografien, eine Kamera

Am Samstag war es so weit und der lang erwartete Drehtag stand uns bevor. Nach wochenlanger Vorbereitung, Tests, Storyboard-Anpassungen und Proben ging es nun endlich ans Eingemachte. Vier Teams, vier Choreografien, vier verschiedene Herausforderungen und ein durchgetakteter Tag mit knapp neun Stunden Drehzeit.

Ankunft und Aufbau – 09:30 Uhr

Pünktlich um halb zehn traf ich gemeinsam mit Tom am Drehort ein. Die Location, das Kellergewölbe der Sprezzatura Fechthalle, war bereits vom Vorabend vorbereitet. Licht, Kamera und Gimbal wurden eingerichtet, Ersatzakkus bereit gelegt, und nach einem kurzen Briefing und finalen Testen konnte der Dreh tatsächlich um etwa 10:00 Uhr starten.

Folgende Reihenfolge an Einstellungen hatte sich von Beginn an gut etabliert und wurde während des gesamten Drehtages auch so eingehalten:

  • Start mit Totale aus drei Winkeln (Ecke Links, Mittig, Ecke Rechts), wenig bis kaum Bewegung, außer es war choreografisch nötig
  • Filmen der Choreo aus Halbtotale bis Amerikanische, jeweils einen der Schauspieler*innen im Fokus (Tracking)
  • Dann erst wurden die Storyboard-Shots nach und nach abgearbeitet

Mir persönlich war es wichtig, ausreichend Backup-Clips der einzelnen Choreografien zu haben, damit ich während des Schnitts freie Auswahl an Kameraeinstellungen und -winkel habe, insbesondere, da zum Zeitpunkt der Produktion noch die praktische Erfahrung bei mir fehlte. Daher wählte ich das Motto “lieber zu viel Auswahl an Clips als zu wenig.”

Team 1 (10:00 – ca. 11:30 Uhr): Der sanfte Einstieg

Die erste Gruppe bildete den idealen Auftakt. Die Choreografie war einfach gehalten, keine riskanten Würfe, keine komplizierten Techniken oder komplexe Kamerafahrten. Entsprechend ruhig und konzentriert verlief auch der Dreh. Wir konnten uns gemeinsam einarbeiten, Kamera und Bewegung aufeinander abstimmen und erste Shots aufzeichnen, ohne direkt unter Druck zu geraten.

Die eingeplante Zeit von rund 1,5 Stunden wurde eingehalten, trotz kleinerer Wiederholungen waren wir gut im Zeitplan und es bestätigte sich, dass der Einstieg mit der einfachsten Choreo eine sehr kluge Entscheidung war.

Team 2 (11:30 – ca. 14:45 Uhr): Anspruch auf allen Ebenen

Gruppe 2 war von Anfang an als die mit Abstand anspruchsvollste Choreografie eingeplant – und genau das sollte sich auch bestätigen. Der Dreh mit diesem Team nahm schließlich über 3 Stunden und 15 Minuten in Anspruch, also deutlich länger als geplant.

Besonders aufwendig gestalteten sich die Kamerafahrten während des Ringens und Wurfes, inklusive des von mir durchgeführten Arc-Shot und eines optionalen Close-Ups, das separat aufgenommen wurde. Auch das gegenseitige Entwaffnen mit finaler Endpose erforderte viele Wiederholungen, nicht zuletzt, weil der finale Shot mit einem komplexen Kameralauf, ein erneuter Arc Shot, im Halbkreis und anschließendem Rückwärtsgang gefilmt wurde. Als zusätzliche Herausforderung befand sich meine Endposition so eng an der Trainingswaffenwand wie es nur möglich war, um die Szene in einer Totale enden lassen zu könne.

Die Generalprobe am Vortag erwies sich hier als absolut entscheidend. Ohne diesem intensiven Vorab-Training des Shots und das gezielte Durchspielen besagter Szenen wäre der Zeitverlust voraussichtlich noch gravierender gewesen.

Da der Zeitplan bereits zu kippen drohte, wurde die Mittagspause auf ein Minimum von 15 Minuten reduziert, um nicht noch mehr Verzögerung für die kommenden Teams zu verursachen.

Team 3 (14:30 – ca. 15:45 Uhr): Der Flow entscheidet

Die dritte Gruppe hatte eine gut lesbare und klar strukturierte Choreografie vorbereitet, die auf dem Papier deutlich unkomplizierter wirkte. Tatsächlich zeigte sich aber, dass die Arbeit mit diesem Team eine eigene Herausforderung mit sich brachte: Die Kämpferinnen konnten nicht in einer beliebigen Passage einsteigen, sie mussten die Szene immer vom Anfang an durchspielen, um in den nötigen Flow zu kommen.

Das bedeutete: Selbst kleine Fehler am Ende der Szene machten einen vollständigen Neustart erforderlich. Besonders die Schlussszene (Dolchziehen und Dolchstoß) erwies sich als Wiederholungstreiber. Jeder Take musste sitzen, um die Szene kohärent und filmisch lesbar zu gestalten.

Obwohl wir nur leicht überzogen haben, war die Energie gegen Ende dieser Gruppe merklich angespannter, auch bei mir, da sich die Erschöpfung nun allmählich bemerkbar machte.

Team 4 (15:45 – 17:30 Uhr): Der starke Abschluss

Die vierte und letzte Gruppe war besonders gut vorbereitet, was sich deutlich im reibungslosen Ablauf bemerkbar machte. Die Bewegungsabfolge war präzise, die Kommunikation innerhalb des Teams funktionierte hervorragend, und auch die Anpassungen an die Kamera liefen fast automatisch.

Herausfordernd blieben zwei Szenen: der Knaufstoß zum Kopf sowie die Abschlussszene, die physisch und timingtechnisch einiges abverlangte. Besonders erfreulich war hier die kreative Entscheidung, zwei alternative Enden zu drehen, um später im Schnitt die Variante wählen zu können, die filmisch am besten trägt. Diese Entscheidung entstand spontan und zeigt, wie wertvoll eine gute Dynamik am Set ist.

Um 18:45 Uhr war der letzte Shot im Kasten, das Equipment wurde zusammengepackt, und ein intensiver, aber produktiver Drehtag fand seinen Abschluss.


Fazit: Kraft, Konzentration und Kamera im Gleichgewicht

Der Drehtag war eine Herausforderung, körperlich, logistisch, kreativ. Vier Teams in knapp neun Stunden zu drehen, bedeutet maximale Konzentration, präzise Kommunikation und ständiges Improvisieren. Nicht alles lief perfekt, aber vieles lief besser als erwartet – vor allem durch die gute Vorbereitung, die Bereitschaft zur Anpassung und das Vertrauen in die Beteiligten.

Für mich war es der erste Drehtag dieser Art, an dem ich DoP, Regie, Licht, und Organisation gleichzeitig betreuen musste – ein Spagat, der zwar funktionierte hat, aber auch seine Grenzen spüren ließ.

Zur Grammatik- und Rechtschreibüberprüfung wurde ChatGPT herangezogen.

#6 Vorbereitungen Teil 2 – Kamera, Gimbal & Generalprobe

Nachdem die organisatorischen und inhaltlichen Eckpunkte gesetzt waren, rückte die technische Umsetzung in den Vordergrund. Kamerawahl, Equipmenttests, Generalprobe und die Anpassung des Storyboards bildeten die zweite Phase meiner Vorbereitungen. Ziel war es, nicht nur funktional bereit zu sein, sondern ein Gefühl für Bewegung, Timing und Blickführung im realen Raum zu entwickeln – und damit den Übergang von Theorie zu gelebter Praxis zu schaffen.

Welche Kamera? Eine Entscheidung zwischen Sicherheit und Risiko

Zu Beginn stand die Frage nach dem Kamerasystem im Raum. Die ersten Überlegungen wurden bald schon zu ambitioniert: Drehen mit einer Blackmagic URSA und Fokus-Pulling erledigt ein Kameraassistent. Der Gedanke klang reizvoll, doch die Sorge vor fehlenden Fokus bei bewegten Choreografien ließ mich zögern und spätestens nach Einholen einer zweiten Meinung ließ ich die Idee schnell wieder fallen.

Also fiel die Entscheidung bewusst auf Sicherheit und Vertrautheit: Meine Canon EOS R5. Eine Kamera, mit der ich seit Jahren fotografisch arbeite, die ich blind bedienen kann und deren Autofokusleistung im Fotobereich mich regelmäßig überzeugt. Für dieses Projekt wollte ich erstmals ihr volles Potenzial im Videobereich ausschöpfen. Was der Autofokus im Filmkontext wirklich leistet, sollte sich allerdings erst im Praxistest zeigen.

Gimbal-Test in der offenen Halle

In der Woche vor dem Dreh nahm ich mir eine Stunde Zeit für einen intensiven Gimbal-Test mit dem DJI Ronin RS2 Pro plus der auserkorenen Canon R5. Ziel war es Kamerabewegungen zu erproben, die korrekten Einstellungen im Gimbal passend für Actionszenen zu finden und zu erkennen, welche Objektive samt Brennweiten ich für den Dreh hauptsächlich einsetzen werde.

Die Location war die offene Halle meines HEMA-Vereins in Graz – ein vertrauter Ort, wenn auch diesmal mit ungewohnt leerem Trainingsbetrieb. Die Langschwert-Freifechter Gruppe, die sonst stets vor Ort war, fehlte, also nutzte ich die Gelegenheit, um die Tests mit der anwesenden Schwert-und-Buckler-Truppe und einem Solo-trainierenden Mitglied durchzuführen.

Trotz begrenzter Möglichkeiten war der Test aufschlussreich:

  • Ich erprobte mich in allerlei Bewegungsmustern, Rotationen aus der Hüfte, Bewegungen nur aus den Armen, aktives Tracken von Fechtern, und vieles mehr um das Verhältnis von Körper- zu Kamerabewegung zu erproben.
  • Ich entschied mich Brennweiten zwischen 35mm und 50mm zu verwenden
  • Die Einstellungen des Gimbals wurden an die Dynamik angepasst – insbesondere die Follow Speed (schnell) Einstellungen justiert, damit der Gimbal bei schnellen Bewegungen mindestens genauso schnell und präzise reagieren kann und die Schauspieler*innen nicht aus dem Fokus verliert.
  • Eine Stunde durchgehend mit dem Gimbal zu Arbeiten wird in den Armen spürbar. Auf Pausen am Drehtag achten!

Zwar konnte ich in dieser Umgebung nicht alle voraussichtlich geplanten Bewegungsbahnen realitätsgetreu simulieren, aber der Test war essenziell, um die Kamera-Gimbal-Kombination aufeinander abzustimmen und mein Bewegungsgefühl im Raum zu schärfen.

Generalprobe in Wien – Letzte Vorbereitungen und Üben direkt an den Schauspielern

Am Freitag, dem Vortag des Drehs, fand schließlich die Generalprobe auf der Donauinsel statt. Dieser Tag war für mich sehr wichtig, um das Zusammenspiel von Kamera und Choreografie live zu testen und auch für die Darsteller*innen war es eine gute Vorbereiten darauf, dass eine Kamera sich in unmittelbarer Nähe befindet und sie sich davon nicht ablenken lassen dürfen.

Besonders bei der Choreografie von Simon und Ben, die eine intensive Ring-Stunt mit Achsendrehung enthielt, zeigte sich, dass das Live sehen nochmal die Türen für neue Ideen öffnet. Mir kam daher während der Probe die Idee, vom Ursprünglichen Plan weg zu gehen und die Ringszene mit einer Kamerabewegung (Arc) auf die andere Achse zu befördern, eine Entscheidung, die sich im Nachhinein als goldrichtig herausstellte, da sie die Kamerakomplexität nochmal um eine Stufe anhob.

Die größte Herausforderung des Probe war allerdings nicht technischer, sondern meteorologischer Natur: Die Sonne. Mein Equipment – insbesondere Displayhelligkeit und Dynamikumfang – war auf Indoor-Bedingungen im Keller abgestimmt. In der prallen Nachmittagssonne auf der Donauinsel war die Displayablesbarkeit der Canon R5 nahezu null, was es unglaublich erschwerte zu erkennen, was ich genau filmte.

Storyboard Finalisierung: Letzte Nachtschicht vor dem Dreh

Die vielen Erkenntnisse aus der Generalprobe machten eine Überarbeitung des Storyboards unumgänglich. Was auf Papier funktionierte, wirkte live oft zu starr oder zu unübersichtlich. In einer späten Nachtaktion wurden daher das Storyboard und Shotlist neu strukturiert unde Einstellungen gestrichen oder ergänzt. Trotz Müdigkeit war diese Phase sehr produktiv: Das Storyboard wurde nicht nur korrigiert, sondern erstmals zur Gänze aufs Blatt gebracht, mit den gewonnenen Erkenntnissen aus der Generalprobe.

Fazit: Die Technik steht

Mit dem Abschluss der Vorbereitungen war klar: Kamera, Gimbal und Storyboard waren bereit – aber nicht in Stein gemeißelt. Vielmehr hatte ich jetzt das nötige Vertrauen in mein Setup, um am Drehtag flexibel reagieren zu können. Die Canon R5 hatte sich in der Vorbereitung bewährt, der Gimbal war eingestellt, und die Bewegungen der Fechter*innen waren mir nun nicht mehr nur auf dem einseitigen Smartphone Video vertraut.