Was bleibt von einem Menschen, wenn er stirbt?
Diese Frage klingt erst einmal groß, fast philosophisch – und genau deshalb schieben wir sie im Alltag gern beiseite. Doch spätestens dann, wenn wir einen geliebten Menschen verlieren, steht sie plötzlich ganz konkret im Raum. Da sind Gegenstände, Fotos, vielleicht handgeschriebene Notizen oder digitale Spuren auf dem Smartphone. Dinge, die vorher selbstverständlich da waren und nun zu etwas Kostbarem werden.
Der Ausgangspunkt dieses Projekts liegt genau hier: in dem Versuch zu verstehen, wie Erinnerung funktioniert – und wie wir ihr einen Platz geben können. Denn Erinnerungen sind nicht nur immateriell. Sie hängen an Dingen, an Gerüchen, an Oberflächen, an Stimmen. Gleichzeitig leben wir in einer Zeit, in der Erinnerungen zunehmend digital werden: Fotos in der Cloud, Nachrichtenverläufe, Sprachnachrichten. Vieles ist da, aber nichts wirklich greifbar.
Der persönliche Anlass für diese Arbeit ist kein einzelnes Ereignis, sondern eine Beobachtung: Wie unterschiedlich Menschen mit Verlust umgehen – und wie oft sie dabei allein gelassen werden. Trauer ist gesellschaftlich akzeptiert, solange sie leise, kurz und funktional bleibt. Für alles darüber hinaus fehlen oft Räume, Rituale oder Objekte.
Ziel dieser Arbeit ist es daher, ein Produkt zu entwickeln, das Erinnerung nicht konserviert, sondern begleitet. Kein klassisches Erinnerungsstück, das im Regal verstaubt, sondern ein Objekt, das benutzt werden darf – und vielleicht sogar benutzt werden muss. Die zentrale Fragestellung lautet:
Wie kann Design Trauer und Erinnerung unterstützen, ohne sie zu überformen oder zu bewerten?
Dabei geht es nicht um die eine richtige Lösung. Vielmehr geht es um Möglichkeiten. Um einen Entwurf, der offen genug ist, um individuell gefüllt zu werden, und klar genug, um Halt zu geben. Ein Objekt, das nichts erklärt, sondern Raum lässt.