IMPULSE #4 – Steirischer Herbst: „Never Again Peace“

Der Besuch von „Never Again Peace“ beim steirischen herbst war für mich emotional deutlich intensiver als erwartet. Das Stück basiert zwar auf einem älteren Text von Ernst Toller, wirkt aber unglaublich aktuell. Es geht um Krieg, Angst, Manipulation, politische Verschiebungen – aber eigentlich auch um Erinnerung: Was passiert, wenn eine Gesellschaft vergisst, was einmal war?

Für meine Recherche war vor allem spannend zu sehen, wie Erinnerung im Theater nicht einfach erzählt, sondern gefühlt wird. Die Inszenierung hat mit Übertreibung, Satire und ernsten Momenten gespielt, und genau dadurch entsteht dieser Kloß im Hals. Das zeigt mir: Erinnerung muss nicht immer harmonisch oder schön sein. Manchmal hilft gerade Irritation, um Gefühle auszulösen.

Ich fand auch interessant, wie das Publikum reagiert hat. In manchen Momenten wurde gelacht, in anderen war es plötzlich ganz still. Diese kollektive Reaktion zeigt, wie stark geteilte Erfahrung wirken kann. Erinnern passiert also nicht nur im eigenen Kopf, sondern auch in Gruppen – was wiederum relevant für Trauerkultur ist. Vielleicht braucht es Räume, in denen Menschen gemeinsam erinnern können, ohne dass es gleich eine „offizielle Zeremonie“ ist.

Das Stück hat auch die Frage aufgeworfen, wie Erinnerungen politisch beeinflusst werden. Man sieht im Stück, wie leicht sich Menschen von Angst leiten lassen und wie schnell Feindbilder entstehen. Dadurch habe ich gemerkt, dass Erinnerungsdesign Verantwortung trägt: Wenn ich Erinnerungsräume gestalte, muss ich mitdenken, wie sie wirken können – nicht nur emotional, sondern auch gesellschaftlich.

Was ich außerdem mitnehme: Theater ist extrem körperlich. Licht, Stimme, Bewegung, Nähe – all das erzeugt Erinnerungen, die sich nicht so leicht wieder auflösen. Genau diese Körperlichkeit könnte man in neuen Formen der Trauerbewältigung nutzen. Vielleicht braucht Erinnern manchmal einen performativen Aspekt, etwas, das im Moment passiert statt im Nachhinein konsumiert wird.

Takeaways für mein Projekt:

  • Erinnerung darf unbequem sein.
  • Gemeinsame Emotionen können starke Bindung erzeugen.
  • Performative Elemente könnten neue Wege der Trauerkommunikation öffnen.

Links:
https://www.steirischerherbst.at
https://de.wikipedia.org/wiki/Ernst_Toller
https://theatreandmemory.org

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