Interessant war es für mich vor allem wegen der Verbindung von Geschichte, Raum und Barrierefreiheit. Beim Durchgehen habe ich gemerkt, wie wichtig Orte für Erinnerungen sind. Erinnern passiert nicht einfach irgendwo – es braucht Räume, die etwas in uns auslösen, die Gefühle, Bilder oder Gedanken anstoßen. Genau das hat das Museum bei mir gemacht.
Besonders hängen geblieben ist mir das interaktive Stadtpanorama. Ich fand es richtig spannend, wie man Vergangenheit und Gegenwart direkt nebeneinander sehen und vergleichen konnte. Man schaut auf dieselbe Stadt, aber in unterschiedlichen Zeiten – und merkt, wie viel sich verändert hat und wie viel trotzdem geblieben ist. Das hat mich stark daran erinnert, wie Erinnerungen im Kopf funktionieren. Alte Bilder vermischen sich mit neuen Eindrücken, manches ist klar, anderes verschwommen, und dazwischen entstehen Lücken oder neue Bedeutungen. Erinnerung ist nie objektiv oder abgeschlossen. Genau dieses Überlagern und Neuinterpretieren könnte man gestalterisch unglaublich gut nutzen, um Erinnern interaktiv erlebbar zu machen, statt es nur zu erzählen oder auszustellen.
Mega spannend fand ich auch das taktile Panorama und generell die barrierefreie Gestaltung des Museums. Das hat mir nochmal deutlich gemacht, wie wichtig es ist, dass Erinnerungsräume für alle zugänglich sind. Erinnerung darf nichts sein, das nur für bestimmte Menschen funktioniert. Gerade in meinem eigenen Thema spielt Würde eine große Rolle – und ich glaube, eine Erinnerung ist nur dann wirklich würdevoll, wenn jede Person die Möglichkeit hat, sie zu erleben. Egal, wie alt jemand ist, welche körperlichen oder sensorischen Fähigkeiten er oder sie hat oder in welchem emotionalen Zustand man sich befindet. Das Museum zeigt, dass Inklusion nicht kompliziert sein muss, sondern selbstverständlich Teil guter Gestaltung sein kann.
Was mich außerdem sehr inspiriert hat, war der Blick über die Stadt von oben. Man sieht alles auf einmal, sehr klar und strukturiert, aber gleichzeitig fühlt man sich emotional ein bisschen distanziert. Man ist nah dran – und doch nicht wirklich Teil davon. Dieses Gefühl hat mich total an die Art erinnert, wie man manchmal auf Verstorbene zurückschaut. Sie sind einem nahe, man trägt sie in sich, denkt an gemeinsame Orte oder Momente, und trotzdem sind sie weit weg. Diese Mischung aus Nähe und Distanz fand ich unglaublich stark und emotional.
Insgesamt hat mir der Besuch im Schlossbergmuseum gezeigt, wie sensibel Erinnerungsräume sein können – und wie viel Potenzial in ihnen steckt. Durch Raum, Perspektive, Interaktion und Barrierefreiheit wird Erinnerung hier nicht nur vermittelt, sondern erfahrbar gemacht. Nicht laut oder aufdringlich, sondern ruhig, respektvoll und menschlich. Genau das hat mich nachhaltig beeindruckt.
Takeaways für mein Projekt:
- Erinnerungen können räumlich erzählt werden, nicht nur visuell.
- Barrierefreiheit = Würde.
- Mehrschichtige Geschichten sind natürlicher als lineare.