Sound Design Basics und der Effekt auf Animation & Motion Graphics

„Ich will doch animieren, nicht Sounddesigner“
Sofern es kein Profession im Stummfilm werden soll gilt es auch als Animator:in ein basic Know-How von Sound-Design zu haben. Nicht nur weil Film ohne Ton ein wenig langweilig wäre, sondern auch weil sich durch das Sounddesign ganz neue Dimensionen in deiner Animation eröffnen können.
Das Sounddesign setzt emotionale Akzente, definiert den Charakter der Animation und verstärken die erzählerische Wirkung. Im weiteren erwecken Sprecher:innen ihre Charaktere durch ihre Stimme zum Leben. (Vgl. Connolly 2024)

Sounddesign alleine erzählt uns nicht die ganze Geschichte, aber es versetzt uns mitten in die Geschichte hinein! Es ist der immersive Faktor, der es ermöglicht, eine Animation wirklich zum Leben zu erwecken. (Vgl. Marques o.D.)

Gutes Sounddesign setzt sich aus verschiedenen Arten von Sounds zusammen.
Ambiente Sounds: Geräusche der Umwelt die Informationen über die Umgebung in der die Animationen stattfinden beinhalten, beispielsweise das Geräusch des Windes, das Singen der Vögel. (Vgl. Marques o.D.)  Tipp: Auch leere Räume machen ein Geräusch, beispielsweise Lüftungen.
Foley: Foleys werden verwendet um das Gezeigte zu vertonen, also Schritte auf dem Boden, beispielsweise.
Soundeffekte: Die Soundeffekte sind all die andere Geräusche, die Aktionen oder Elemente verstärken, sei es ein abstrakter Swoosh oder auch ein Knurren.
– Voice Over: Eine Stimme, welche die Geschichte/den Inhalt erzählt und so Informationen liefern.
Musik: Sanfte– oder auch laute – Musik im Hintergrund setzt die Atmosphäre den Ton des Videos (Vgl. Marques o.D.)

Stimmung und Atmosphäre schaffen
Das Sounddesign einer Animation ist essenziell, um die gewünschte Atmosphäre der Animation zu erzeugen. Durch die gezielte Auswahl von Sounds und Musik können Zuschauer:innen in die verschiedenste Szenarien transportiert werden – egal ob eine belebte Großstadt, ein ruhiger Wald oder futuristische Motion Graphics. (Vgl. Connolly 2024)

Erzählerische Tiefe durch Audio
Gut und strategisch verwendete Audioelemente treiben die Handlung voran und sorgen einerseits für Realismus, aber auch für Kontinuität. Die Kombination von Ton und visuellen Elementen sorgt für ein nahtloses Erzählerlebnis, das die Zuschauer:innen fesselt. (Vgl. Dupre 2023)  Was ohne Ton wie eine unpassende Pause oder zu langsam wirkt bekommt mit dem Sounddesign eine erzählerische, neue Ebene und wirkt plötzlich ideal! Über auditiven Input können außerdem Off-Screen-Ereignisse angedeutet werden oder die räumlichen Beziehungen klargestellt werden. 

Emotionale Tiefe durch Klanglandschaften
Die von Sounddesignern entworfenen Klanglandschaften verleihen Charakteren und Szenen mehr emotionale Tiefe, spiegeln den Zustand von Figuren wider und machen sie für das Publikum greifbarer. So wird die Zuschauerbindung intensiviert. Schon subtile Harmonien oder dramatische Klänge verstärken die gewünschte emotionale Reaktion – egal ob Spannung, Freude, Angst oder Melancholie. (Vgl. Dupre 2023)

Charakterentwicklung durch Stimmen und Emotionale Ausdruckskraft
Zwar ist es immer ein Kampf, vor allem im Rahmen des Studiums, gute Sprecher:innen für Projekte zu finden, nichtsdestotrotz habe ich oft das Gefühl dass die Animation mit eben diesen „Steht oder fällt“. Als Beispiel möchte ich später dann auch meine Bachelorarbeit „Lost sein. Verloren in der Quarterlife Crisis“ herbeiziehen.
Durch Tonlage, Intonation und Sprachmuster formen Sprecher:innen die Identität ihrer Figuren. (Vgl. Connolly 2024) Auch in Erkläranimationen trägt die verwendete Stimme zur Wahrnehmung des gezeigtem bei. Man soll der Stimme zuhören wollen.
Zusätzlich können durch spezielle Sprachstile oder einzigartige stimmliche Nuancen beispielsweise humorvolle Momente betont werden. (Vgl. Dupre 2023)

Die Sprecher:innen müssen eine Bandbreite an Emotionen vermitteln können und schaffen damit eine emotionale Verbindung zum Publikum. Wie Dupre beschreibt, erfordert dies ein herausragendes Verständnis für Timing, Intonation und Rhythmus, damit die Darbietung glaubwürdig und dynamisch wirkt. (Vgl. Dupre 2023)



Die Bedeutung von Voice-over und Sprecherstimmen

Arbeitet man mit Motion Graphics und Animationen zählen auch Erklärvideos zu klassischen Projekten. Ein gutes Voice-Over ist entscheidend für den Erfolg eines Erklärvideos, denn es fungiert als unsichtbare:r Erzähler:in und ergänzt so die visuelle Botschaft, erklärt komplexe Inhalte und schafft eine emotionale Verbindung zu den Zuschauer:innen.
Doch nicht jede Stimme erfüllt diese Aufgabe gleichermaßen gut, weshalb die Auswahl der richtigen Stimme den Unterschied zwischen einem gelungenen Video und einem nicht ganz perfektem ausmacht. (Vgl. Nisha 2024)
Eine gute Stimme vermittelt nicht nur Informationen, sondern bringt auch Emotionen und Glaubwürdigkeit mit in das Video, während ein monotones Voice-over die Inhalte langweilig erscheinen lassen kann. Es tragen sowohl der Klang, die Betonung und auch die Sprachmelodiedazu bei, die Zuschauer:innen emotional abzuholen.(Vgl. Nisha 2024)

Die passende Stimme spiegelt auch die Persönlichkeit der Marke wieder: Ein eher spielerischer Ton kann ein jüngeres Publikum ansprechen, während ein eleganter und professioneller Stil Seriosität ausstrahlt. Hier ist es also besonders wichtig die Markenidentität, die Botschaften und die Zielgruppe zu bedenken. (Vgl. Nisha 2024)


Technisches
Die technische Umsetzung des Sounddesigns ist entscheidend, um Animationen Tiefe und Realitätsnähe zu verleihen. Hochwertige Mikrofone und eine passende Umgebungen sind essenziell für klare Tonaufnahmen. (Vgl. Connolly 2024)
Es macht daher durchaus Sinn in hochwertige Audio-Files und Aufnahmegeräte zu investieren oder eben gleich einen Pro für’s Sounddesign heranzuziehen.
Mischen und Mastern sorgt für ein ausgewogenes Klangbild, in dem Dialoge, Effekte und Musik harmonisch miteinander funktionieren. Die finale Abmischung balanciert alle Audiospuren, kontrolliert den Dynamikumfang des Sounds und sorgt durch Equalizing für Klarheit und harmonische Balance. (Vgl. Dupre 2023)

Abstrakte Animationen und die präzise Synchronisation von Bewegungen und Klangereignissen.

In der Fallstudie von Gerald Moshammer (Vgl. Moshammer 2023) wird unter anderem die Synchronisation von Bewegungen und Klangereignissen thematisiert.

Kleine, subtile Bewegungen, die genau auf die Dynamik und den Rhythmus der Musik abgestimmt sind, erzeugen eine starke emotionale Resonanz.  Beispiele sind das leichte Zittern einer Linie, das den Vibrato eines Instruments visualisiert, oder sanfte Farbwechsel. (Vgl. Moshammer 2023) Bei Motion Graphics oder anderen Videos die rhythmisch sind und mit Musik unterlegt werden macht es deshalb oft auch Sinn, die Musik als Leitlinie für das Timing in der Animation zu verwenden.

Vermeiden sollte man unsynchronisierte Bewegungen oder visuelle Elemente, vorallem wenn diese nicht mit der zu visualisierenden Musik übereinstimmen. Auch zu viele visuelle Reize, wie übermäßige Bewegungen oder Farben, zu Überladung und Überlagerungen führen (Vgl. Moshammer 2023) – das ist auch im Sounddesign zu vermeiden.

Fazit und Erkenntnisse aus meiner Bachelorarbeit: 

Im Rahmen meiner Bachelorarbeit habe ich die Gefühlswelt junger Erwachsener in der Quarterlife Crisis in einen Animationsfilm verarbeitet. Es wurde intensiv daran gearbeitet und das Ergebnis ist durchaus in Ordnung, nichtsdestotrotz bekomme ich jedes Mal Gänsehaut (negativ), wenn ich das Sound-Design dazu höre. Davon abgesehen dass die Animation ohnehin zu lang geworden ist, war die Aufnahme der Texte nicht gut und die Sprecherstimmen nicht unterschiedlich genug. Die gesamte Informations-Ebene der Voiceovers – dem inneren und dem tatsächlichen Monolog – ging verloren. Gegen Ende kommen weitere Stimmen hinzu und das Sounddesign wurde mit guten Songs und Sounds hinterlegt und plötzlich gewann auch die Animation an Qualität. Was heißt das für mich? Ich weiß jetzt dass Sound einer etwas wackeligen Animation viel stärke geben kann, oder eine „ganz okay wirkende Animation“ in den Boden drücken kann. Deshalb > Sich gut überlegen was die Sound-Ebene der animation mitgeben soll/wird + Gute Beziehungen zu Sound-Designer:innen wahren!

Quellen: 

Dupre 2023
Dupré, Gwénaëlle (2023): Sound Design in Animation. Definition, Process & Challenges. In: CG Wire, https://blog.cg-wire.com/sound-design-in-animation-definition-process-challenges/(zuletzt aufgerufen am 06.01.2025)

Connolly 2024
Connolly, Michelle (15.05.2024):Sound Design in Animation: Crafting Immersive Experiences for Your Audience. In: Educational Voice, https://educationalvoice.co.uk/sound-design-in-animation/ (zuletzt aufgerufen am 06.01.2025)

Nisha 2024
Nisha (30.05.2024): Explainer Video Voiceover: Elevating Your Message with the Right Tone. In: mypromovideos, https://mypromovideos.com/blog/explainer-video-voice-over/ (zuletzt aufgerufen am 06.01.2025)

Moshammer 2023

Moshammer, Gerald  (2023): Abstract animation, emergent audiovisual motion and micro-expression. A case study of analogue music tracking with Robert Schumann’s Forest Scenes in AudioVisualizer. In: ResearchGate,https://www.researchgate.net/publication/373684415_Abstract_animation_emergent_audiovisual_motion_and_micro-expression_A_case_study_of_analogue_music_tracking_with_Robert_Schumann’s_Forest_Scenes_in_AudioVisualizer (zuletzt aufgerufen am 06.01.2025)

Marques o.D.

Marques, Raff (o.D.): Why and How to Incorporate Custom Sound Design into Your Next Animation Project. In: Mowe, https://mowe.studio/animation-sound-design-effects-music-motion-graphics/(zuletzt aufgerufen am 06.01.2025)

Disclaimer: 

This text was proofread for punctuation, grammar and spelling errors with the help of ChatGPT 4o. The content of the text remains unaffected.

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