Bisher zwar noch nicht meine Lieblingsbeschäftigung, aber wenn ich mich mit Sprache und Schrift auseinandersetzen möchte, ist Typografie ein nicht ganz unwichtiger Teil davon. Vielleicht sogar der Wichtigste, weil es beides miteinander verknüpft.
Back to the Basics
Wieso ist es wichtig, verschiedene Schriften zu nutzen? Irgendwie ja auch logisch, aber was ist da der Hintergrund?
Die Gestaltung und Anordnung von Schrift anhand von Merkmalen wie Schriftart, Schriftgröße, Zeilenabstand, Satzzeichen, Zeichenabstand, Textausrichtung … wird als “Typografie” bezeichnet (Leitner, 2024). Mithilfe von diesen (und noch viel mehr) Elementen wird die Darstellung der Schrift je nach Kontext angepasst. Weil Schriften sind im Grunde genommen auch nur Formen und Formen hinterlassen unterschiedliche Wirkungen.
Typografie strukturiert Informationen, schafft Hierarchien und lenkt den Blick. Sie entscheidet darüber, was zuerst wahrgenommen wird, wie schnell etwas gelesen werden kann und ob ein Text zugänglich oder anstrengend wirkt. Damit beeinflusst sie nicht nur die Lesbarkeit, sondern auch das Verständnis von Inhalten.
Gleichzeitig transportieren Schriften immer Stimmungen und kulturelle Bedeutungen. Eine Serifenschrift kann traditionell oder seriös wirken, eine serifenlose modern oder technisch, eine handschriftliche persönlich oder informell. Typografie ist daher nie neutral: Sie rahmt den Inhalt und prägt, wie eine Botschaft interpretiert wird.
Die Gestaltung der Schrift sollte demnach eine Information gut lesbar, aesthetisch ansprechend und im Kontext stehen gestaltet werden, es gibt aber natürlich keine Regeln denen befolgt werden muss (Leitner, 2024).
Typography & Poetry
Hier mal wieder eine kleine Zusammenfassung eines Buches, was ich passend und spannend zum Thema finde.
“Typography is kept at the treshold of verse” (Matore, 2023).
In dem Buch the graphics of verse experimental typography in twentieth century poetry beschäftigt sich Daniel Matore damit, wie Poetry durch Print zu einer visuellen Erfahrung wurde und wie die unterschiedliche Nutzung von Typografie dies im Beszug auf Aspekte wie Layout, Sound und Struktur beeinflusst hat (Matore, 2023). Außerdem wird hier argumentiert, dass Typografie zu Beginn des Druckes sehr konservativ ausgerichtet war. Es ging hierbei mehr um die Funktionalität des Textes und der Leitsatz “Gute Typografie fällt nicht auf” ist Gang und Gebe. Laut Morison (1967), bewegt sich Typografie mit der Geschwindigkeit des konservativsten Lesers. Auch die modernen Bewegungen im 20. Jahrhhundert wie Bauhaus oder Tschichold sehen Typografie eher als funktional und rational an. Es wird als Werkzeug der Informationsübertragung genutzt und designed.
Das Buch stellt dies dann einiger Dichter gegenüber, welche ohne Typografieasubildung in den Druck iherer Poesie geworfen wurden. Da natürlich kein Verständnis von Regeln vorhanden war, konnte hier viel freier und vielleicht auch kreativer mit der Gestaltung umgegangen werden – Resultat sind zerbrochene Syntax, Störung der Lesbarkeit, visuelle Anordnung von Wörtern oder variable Abstände. Typographie nimmt also als Gestaltungsmittel Form an und ist Teil der Kunst und des Gedichts. Das Schriftbild ist ein wichtiger Teil davon, wie das Gedicht aufgenommen wird.
Matore kritisiert hier also die funktionale Typografie und zeigt auf, dass es gerade für Literatur, Poesie und “künstlerische” Texte keine messbare Funktion gibt (Matore, 2023).









