In diesem letzten Blogartikel möchte ich mein geplantes Werkstück vorstellen, das den praktischen Kern meiner Abschlussarbeit darstellen wird.




Das Mausoleum als transzendenter Projektionsraum
Als Aufführungsort ist das Mausoleum Graz vorgesehen. Der sakrale Innenraum soll jedoch nicht im religiösen oder kulturellen Sinne thematisiert werden. Vielmehr interessiert mich die architektonische Struktur als räumliche Skulptur, als Formkörper, der durch Licht transformiert werden kann. Säulen, Gewölbe, Wandflächen und Raumachsen sollen durch die Projektion neu definiert werden.
Geplant ist der Einsatz eines NEC-Weitwinkel-Beamers, der den Innenraum von unten nach oben bespielt. Diese einzelne, künstliche Lichtquelle wird bewusst gewählt: Das Licht ist nicht nur Mittel zum Zweck, sondern Material der Gestaltung. Durch abstrakte Formen, rhythmische Bewegungen und eine reduzierte, wahrscheinlich schwarz-weiße Bildsprache soll eine visuelle Erzählung entstehen, die weniger narrativ als atmosphärisch funktioniert.
Stilistisch knüpft das Projekt an meine bisherigen Arbeiten an, insbesondere an die Projektionen bei Generate 25 in der Helmut-List-Halle sowie an „The Dragon’s Cave“ im Schlossbergstollen. Das neue Werk versteht sich als logische Weiterentwicklung dieser beiden Projekte, jedoch mit stärkerem Fokus auf Raumtransformation und immersiver Wahrnehmung.
Das Mausoleum als audiovisuelle Lichtskulptur
Ziel ist es, das Mausoleum selbst in eine audiovisuelle Lichtskulptur zu verwandeln. Der Raum soll nicht nur beleuchtet, sondern animiert erscheinen. Architektur wird zur Projektionsfläche und zugleich zum Akteur. Durch gezielte Verfremdung möchte ich den Ort in einen Zustand versetzen, der zwischen Realität und Abstraktion oszilliert.
Der Besucher soll aus dem Alltäglichen herausgelöst und in einen zeitlosen Erfahrungsraum geführt werden. Dieser Raum bewegt sich metaphorisch zwischen Raum und Zeit. Es geht um Transzendenz im ästhetischen Sinne, nicht im religiösen. Der sakrale Kontext wird nicht zitiert, sondern transformiert. Das Mausoleum erscheint als temporär umcodierter Raum, als immersive Lichtarchitektur.
Interaktion und gestengesteuerte Animation
Ein zentrales Element des Werkstücks ist die Entwicklung einer gestengesteuerten FBX-Animationstechnik. Derzeit arbeite ich an einem System, bei dem mithilfe eines Bewegungssensors (Modolino) und eines MIDI-Drehreglers Parameter von Animationen in Echtzeit gesteuert werden können. Dadurch sollen Bewegungen, Intensitäten, Partikelsysteme oder Verzerrungen dynamisch kontrollierbar werden.
Diese Interaktion ist nicht primär als partizipatives Element für das Publikum gedacht, sondern als performative Steuerung innerhalb des Systems. Dennoch eröffnet sie die Möglichkeit, das audiovisuelle Geschehen organisch und lebendig wirken zu lassen. Animation wird dadurch weniger linear und stärker prozessual.
Erweiterung der Raumebenen
Eine zusätzliche räumliche Dimension könnte durch den Einsatz eines Holonetzes entstehen. Dieses würde über den Köpfen der Besucher gespannt werden und als weitere Projektionsfläche dienen. So entsteht eine zweite Bildebene im Raum, die nicht frontal, sondern über dem Publikum positioniert ist.
Idealerweise sollen Sitzsäcke oder Liegeflächen installiert werden, damit die Besucher nach oben blicken können. Diese Perspektivverschiebung verändert die Körperhaltung und damit auch die Wahrnehmung. Der Raum wird nicht nur betrachtet, sondern erlebt.
3D-Audio als integraler Bestandteil
Neben der visuellen Ebene ist ein Sechs-Speaker-Setup mit 3D-Audio geplant. Der Klang soll den Raum ebenso modellieren wie das Licht. Durch räumliche Klangbewegungen, gezielte Platzierung von Soundquellen und abstraktes Sounddesign entsteht eine akustische Architektur, die mit der visuellen Projektion korrespondiert.
Das Zusammenspiel aus Licht, Bewegung und Klang soll eine kohärente audiovisuelle Komposition bilden. Sound ist dabei nicht Begleitung, sondern gleichwertiger Bestandteil der Lichtskulptur.
Prototyping und experimentelle Annäherung
Ein wesentlicher Teil der Arbeit wird in das Prototyping fließen. Sollte die Zusammenarbeit mit den Eigentümern des Mausoleums zustande kommen, plane ich zunächst einen LIDAR-Scan des Innenraums. Auf Basis dieser Daten könnte ein präzises 3D-Modell entstehen, das sowohl für Simulationen in Cinema 4D als auch für ein physisches Modell, etwa mittels 3D-Druck, genutzt werden kann.
Dieses verkleinerte Modell würde es ermöglichen, Projektionen und Lichtführungen im Maßstab zu testen und experimentell weiterzuentwickeln. Die technische und ästhetische Erprobung im Vorfeld ist entscheidend, um die Wirkung im realen Raum besser einschätzen zu können.
Ausblick
Das Werkstück soll eine etwa sechs- bis zehnminütige audiovisuelle Installation werden. Es versteht sich als Prototyp, der perspektivisch weiterentwickelt werden könnte. Im Zentrum steht die Frage, wie Architektur durch künstliches Licht, abstrakte Projektion und räumlichen Klang temporär transformiert werden kann.
Die Masterarbeit bewegt sich damit zwischen Medienkunst, Raumforschung und experimentellem Design. Ich bin gespannt, wie sich das Mausoleum als Projektionskörper verhalten wird und welche neuen Erkenntnisse sich aus der Verbindung von Architektur, Licht und Klang ergeben.
Hinweis zur Verwendung von KI
Zur sprachlichen Optimierung und für Verbesserungsvorschläge hinsichtlich Rechtschreibung, Grammatik und Ausdruck wurde ein KI-gestütztes Schreibwerkzeug (Perplexity 2026) verwendet.