Impuls 7: “The Framework” von Patrick O´Sullivan

Für meinen siebenten Impuls möchte ich endlich einmal etwas über die schier endlosen Weisheiten des WanderingDP mit euch teilen. Seit einigen Monaten schaue ich nun seine Pay-per-View Videos und bin nämlich echt schwer davon beeindruckt, wie genau und praktisch er auf Dinge eingeht. Als erstes möchte ich daher sein “Framework” zusammenfassen, das ist eine sechsteilige Videoserie, in denen er quasi die wichtigsten Aspekte moderner Kameraarbeit erklärt.

1. Upstage Lighting

Als ersten Punkt führt er hier sogenanntes Upstage Lighting ein. Dabei geht es im Grunde darum, wenn möglich, Kamera und Key auf unterschiedliche Seiten der Line of Action zu legen. Das führt automatisch dazu, dass die Kamera immer auf der Schattenseite des Subjekts ist und bietet daher einfach maximalen Kontrast. Laut O´Sullivan kreiert diese eine Sache bereits automatisch 80% eines kontrastreichen Looks.1

2. Der Point-of-Control

Seine Vorgehensweise beim Einleuchten einer Szene ist dabei quasi zu einhundert Prozent vom sogenannten Point-of-Control abhängig, also dem Licht in einer Szene, das man nicht oder nur sehr schwer kontrollieren kann. Draußen ist das klassischerweise die Sonne oder der Himmel an sich, aber auch Reflektionen oder heiße Spots im Hintergrund sind möglich. Drinnen liegt der Point-of-Control eigentlich fast immer in den Fenstern oder manchmal auch im ambient light. Das erste was ich also gemacht habe, wenn ich die Schauspieler im Raum platziert und den Frame gesetzt habe, ist ich suche diese Punkt und belichte dann für genau diesen, sodass mir eben der Himmel, das Fenster, die Spiegelung etc. nicht ausbrennt, sondern dass dieser Punkt genau richtig belichtet ist, da ich ihn ja nicht kontrollieren kann. Erst dann versuche ich die Szene mit dem restlichen mir verfügbaren Licht zu balancen.2

3. The Lighting Triad

Unter der Lighting Triad versteht O´Sullivan quasi seine Art des klassischen Dreipunktlichts. Damit beginnt er die Szene quasi wirklich zu leuchten, nachdem er zuerst den Frame gesetzt und auf den Point-of-Control belichtet hat. Die Triade besteht dabei aus dem Key (auf der gegenüberliegenden Seite der line of action von der Kamera), einer Menge negative fill statt klassischem fill light (auf der selben Seite wie der Kamera) und einem Kicker, ebenfalls auf der Kameraseite. Der große Unterschied zum klassischen Dreipunktlicht ist also, dass er auf der Fill-Seite immer versucht maximal viel Licht durch neg wegzunehmen, statt mit Lampen hinzuzufügen. Dies führt zu maximaler Kontrolle und maximalem Kontrast.3

4. Room Tone

Bei Room Tone geht is im Grunde um das Level der Umgebung, des Hintergrunds oder auch Ambientes. Heißt: Schon alle Lichter, die wir schon gesetzte haben bzw. die schon da sind: das Key, Kicker, die Fenster etc. beleuchten automatisch ja nicht nur das Subjekt, sondern die ganze Szene. Dabei muss man aber sichergehen, dass zum Beispiel der Hintergrund auch genug Licht abbekommt, gerade wenn er zum Beispiel weit weg vom Subjekt ist, weil es mitten im Raum steht. Denn während wir beim Point-of-Control extra auf diesen Belichten um sicherzugehen, dass er nicht clipped, möchten wir natürlich auch nicht, dass der Hintergrund zu dunkel ist und absäuft. Was O´Sullivan also macht ist, er bringt eine vierte Lichtquelle (Triad +1) ins Spiel, die so groß und so stark diffused wie möglich ist. Zum Beispiel eine große overhead Softbox, deren einziger Sinn ist, dem gesamten Raum eine schattenlose durchgängige Illumination zu geben, um zu verhindern, dass einzelne Elemente zu dunkel sind und Strukturen erkennbar bleiben. Ist der Room Tone bereits schon zu stark, stopped er in der Kamera beispielsweise durch ND oder Blende runter, und verstärkt die Kraft von Key und Kicker, bis das Verhältnis zwischen Vorder- und Hintergrund passt.4

5. The L of the Room

Eigentlich hätte dieses Kapitel wohl ganz an den Anfang gehört, denn beim L of the Room definiert O´Sullivan seine Vorgehensweise, wenn er aufs Set oder beim Recce auf die Location kommt. Dort sollte nämlich geklärt werden, wohin man die Subjekte der Szene stellt/setzt und von wo die Kamera das ganze filmt. Das L des Raums hilft dabei, genau diesen optimalen Spot zu finden, nämlich den, der am meisten Tiefe im Bild erzeugt. Für maximale Tiefe ist einmal eines klar, das Subjekt sollte nie direkt vor einer Wand stehen, da das im Grunde das flachste Bild ergeben würde, stattdessen sind die Ecken des Raumes immer besser geeignet. Und die beste Ecke findet man, indem man sich die zwei angrenzenden Wände einer Ecke immer als L vorstellt, da bei rechteckigen Räumen ja eine immer länger sein wird als die andere. Die perfekte Ecke ist dabei jene, in der die lange Seite des L´s die Wand mit den Fenstern ist und die kurze Seite keine Fenster hat. Diese Ecke macht es am einfachsten Tiefe zu erzeugen und gleichzeitig Upstage Lighting (von draußen durchs Fenster) zu praktizieren und ist damit vielleicht nicht der einzige, aber der einfachste Ort für ein gutes Bild.5

6. Salt and Pepper

Als wirklich letzten Schritt, bevor auf Rec gedrückt wird versucht O´Sullivan dann noch die letzten 1-2% aus dem Bild rauszuholen, deshalb die Analogie zu Salz und Pfeffer. Im Grunde, und das ist ja nicht nur sein Grundsatz, geht es ihm dabei so viele Iterationen zwischen Hell und Dunkel wie möglich zu schaffen – also so viel Kontrast wie möglich. Dafür arbeitet er in den letzten Minuten, wenn Subjekt, Kamera, Key, Roomtone usw bereits stehen, noch daran irgendwo kleine Highlights zu platzieren um das Bild interessanter zu machen. Also zum Beispiel noch einmal Licht von draußen durch ein Fenster zu bringen und auf die Wand fallen zu lassen, oder mit einem Spotlight Mount so etwas noch einmal zu imitieren. Auch die letzte Ausrichtung, also dass die Kamera noch einmal einen Grad nach links oder rechts geht, damit sich Schatten und Lichter in Hinter- und Vordergrund nicht überlappen, sondern abwechseln, zählt noch in diese letzten Steps.6

Fazit

Ich finde O´Sullivan ist eine wahnsinnig gute Ressource für gut und praktikabel vermitteltes Wissen. Ich weiß nicht inwiefern seine Videos geeignet als Quellen für die Masterarbeit sein können, gerade jene Inhalte hinter der Paywall, die ja dann nur schwer von Prüfer oder Begutachter nachvollziehbar sind. Falls nicht, werde ich versuchen ähnliche Theorien in publizierter Literatur zu finden. Fürs Verständnis sind seine Ansätze aber einfach unersetzbar.

  1. http://wanderingdp.com/2344780_frame_23_/ ↩︎
  2. http://wanderingdp.com/149813_basdfkei_framework_2/ ↩︎
  3. http://wanderingdp.com/adskjadfn_214313257_framework_3/ ↩︎
  4. http://wanderingdp.com/bsasdjk_2345_framework_4/ ↩︎
  5. http://wanderingdp.com/sdkjdeewiud_14535_framework_5/ ↩︎
  6. http://wanderingdp.com/sdllwekhjht_4377892_framework_6/ ↩︎
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