03.09.: John Alton – The Close-Up

Als letzten großen Input von John Alton habe ich mir heute seine ausführlichen Erklärungen zur Close-Up-Illumination angesehen. Soviel voraus: Ich finde hier merkt man noch am ehesten das Alter des Buches, und viele seiner Tips und Ratschläge, würden so wohl heute nicht mehr verwendet werden. Dennoch möchte ich mit diesem Kapitel “Painting with Light” abschließen, da es das dritte und letzte mal im Buch ist, an dem er wirklich konkrete Vorschläge gibt. Ich habe fast die ganzen 200 Seiten zumindest überflogen und bin dabei wirklich nur auf diese drei Kapitel gekommen, in denen er nicht seitenlang nur philosophiert, sondern wirklich praktikable Tipps abgibt. Deshalb möchte ich mit der folgenden Zusammenfassung schließen, bevor es ans Fazit dieser Blogposts geht.

Grundregeln für Close-Ups

Anfangs definiert Alton ein paar Grundregeln, bleibt dabei aber sehr vage und überlässt viel der Intuition. Klassiker wie “always film the shadow side”, was ich jetzt eigentlich als ultimative Grundregel der modernen Close-Up Cinematografie bezeichnen würde, sucht man hier vergeblich. Beim Kamerawinkel verlässt er sich etwa darauf immer die, ich nenne es mal Schokoladenseite, des Models zu filmen, was ich jetzt nicht als richtige Regel ansehen würde, mit der man viel anfangen kann. Viel definitiver geht er mit Vordergrund-Elementen um: Diese müssten nämlich schon wirklich einen guten Grund haben, um zu existieren, da sie sonst viel zu sehr vom eigentlichen Motiv ablenken. Und auch beim Zusammenstellen des Bildes gibt es einige kleine Tipps: Zuallererst filmt er Close-Ups immer mit sehr engen Linsen, er spricht von 75-100mm, so minimiert er die Umgebung und konzentriert sich wirklich auf Gesicht und Gesichtsausdruck. Außerdem sei es wichtig die Augenpartie immer in der oberen Bildhälfte zu halten, auch wenn der Charakter beispielsweise einen großen Hut tragen würde, da der Mensch die Augen immer zuerst oben sucht. Und auch Diffusion ist bereits ein Thema. Da Alton grundsätzlich bei Close-Ups von Frauen immer nur auf die maximale Schönheit achtet (er meint Licht sei so etwas wie das beste Make-Up), versucht er in allen seinen Setups Falten, Poren oder alles unästhetische verschwinden zu lassen.1

Eight-Light-Rule und Orangen als Modelle

Für all seine Erklärungen nutzt Alton eigentlich immer Orangen als Modelle. Scheinbar waren ansprechend hübsche Modelle zu seiner Zeit so teuer (sagt er zumindest), dass der Beginner Cinematographer lieber an einer Orange üben sollte, um Geld zu sparen. Vor allem weil die Orange mit ihren Poren, Farben und Formen sehr an ein Gesicht erinnere.

Sein Modell für das Ausleuchten von Close-Ups besteht aus insgesamt 8 Lampen, die er in drei Ebenen aufstellt. Entweder auf Höhe der Kamera, auf Höhe des Modells oder hinter dem Modell. Er startet mit dem Key, oder Fill Light (wobei sich dieses heute eher als Room Tone bezeichnen lassen würde, da es dafür da ist, dass die gesamte Szene ausreichend geleuchtet ist und nichts absäuft). Für maximale Beauty-Ästhetik platziert er das Key eigentlich fast immer frontal von oben, um so wenige Schatten wie möglich zu werfen. Und die wenigen Schatten, die durch die PLatzierung von oben kommen, also zum Beispiel unter Augen und Nase, füllt er dann noch mit Filler light von unten auf. Dies widerspricht so gut wie allem, was ich jemals über die Beleuchtung von Gesichtern gelernt habe, da (zwar ein sehr sehr softes, gutmütiges) aber im Grunde komplett flaches Licht entsteht. Die Form (und den Kontrast) bringt er dann über andere Lichter, zum Beispiel über Backlight und Kicker, was auf seinen Illustrationen aber definitiv besser funktioniert als in der echten Welt (ich habs ausprobiert). Zusätzlich verwendet er noch ein Licht nur für die Kleidung, dessen Sinn sich mir beim Lesen gleich wenig erschlossen hat, wie im Grunde das ganze System, da es nicht wie in seiner Theory of Illumination weiterhin darum geht maximal viele Kontrastbereiche zu schaffen und ein Bild so interessant zu machen (wie er es bei long shots ja so genial erklärt), sondern rein nur mehr darum die Haut der Charaktere so weich wie möglich aussehen zu lassen, ohne dass das Bild irgendwie interessant wäre. Das hat mich wirklich enttäuscht.2

Eyelight

Wo ich Alton aber wieder einiges abgewinnen kann, ist bei seinem Ansatz zum Eyelight. Laut Alton sind die Augen nämlich das, was einen Charakter strahlen lässt: “Be it day or night, in real life the human eye always shines, sparkles.”3 Exakt dieses Gefühl müsse man auch im Film vermitteln können. Ohne Eyelight hätten Menschen einen “[…] expressionless cold look of a statue.”4 Deshalb geht der letzte Blick, nachdem alles geleuchtet wurde, immer ins Auge. Steht das Key bereits im richtigen Winkel zur Kamera, so dass es sich spiegelt, ist nichts weiter zu tun. Falls nicht, implementiert Alton ein letztes, ganz schwaches und mehrfach diffundiertes Licht (damit es nicht die gesamte Szene wieder zerstört, weil es zu stark ist) und setzt es genau in die Spiegelung der Augen, um seinem Charakter leben zu verleihen.5

  1. vgl. Alton, John: Painting with Light. Berkely und Los Angeles: University of California Press 2013. S. 80-91. ↩︎
  2. vgl. Alton, John: Painting with Light. Berkely und Los Angeles: University of California Press 2013. S. 93-103. ↩︎
  3. Alton, John: Painting with Light. Berkely und Los Angeles: University of California Press 2013. S. 104. ↩︎
  4. Alton, John: Painting with Light. Berkely und Los Angeles: University of California Press 2013. S. 104. ↩︎
  5. vgl. Alton, John: Painting with Light. Berkely und Los Angeles: University of California Press 2013. S. 104. ↩︎

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