Nachdem ich mich im letzten Blogpost bereits mit den grundlegensten Lichttheorien von Altmeister Alton auseinandergesetzt habe, soll es heute um das gehen, was ihn eigentlich so berühmt gemacht hat: Noir. Dazu fasse ich die für mich wichtigen Aspekte aus Kapitel drei von “Painting with Light” zusammen.
Alton beginnt das Kapitel wieder mit einem Satz, der eigentlich sinnbildlich für seine Werke steht, nämlich dem Grundstein für die Vermittlung von Thrill, wie man heute sagen würde: “Where there is no light, one cannot see; and when one cannot see, his imagination starts to run wild. He begins to suspect that something is about to happen. In the dark there is mystery.” Seine Grundaussage dabei: Menschen haben seit jeher Angst vor der Dunkelheit. Egal ob in Sagen, oder einfachen Schauergeschichten, die Geister, die Monster leben verborgen im Dunkeln. Und gehen wir vom Keller in den ersten Stock, schalten wir das Licht nicht unten schon ab, sondern erst oben, weil das Licht auf uns fast schon eine Art schützenden Effekt hat.
Für eine mysteriöse Stimmung braucht es laut Alton eine Lichtsetzung, die sehr stark von “echtem” Licht, also quasi Practicals abhängig ist, am liebsten Feuer. Jede Art von Feuer, egal ob im Sesselkreis ums Lagerfeuer, einem offenen Kamin oder nur dem Feuerzeug, das eine Zigarette anzündet, strahlt laut Alton eine gewisse mysteriöse Stimmung aus. Gerade das Anzünden einer Zigarette – das heute mit modernen Kameras tadellos direkt aufgenommen werden kann, damals aber mit kleinen in der Hand versteckten Lampen simuliert wurde, um genug Licht für den farbnegativen Film zu bekommen – erwähnt Alton sehr ausführlich. Und wenn ich genauer darüber nachdenke, hat der Hauptcharacter in fast jedem Thriller an den ich mich erinnern kann eigentlich immer geraucht – interessante Beobachtung.
Alton beschreibt aber nicht nur das Feuer einer Zigarette, als sehr gut geeignet um in einer dimmlich geleuchteten Szene als optimale, mysteriöse Lichtquelle zu fungieren: Auch Spiegelungen, vornehmlich im Wasser auf offener See, aber ich denke da auch an eine Badewanne etc. (oder einem Messer mit dem jemand gerade abgestochen wird), Autoscheinwerfer, die von draußen die Wände entlang wandern, Neonschilder, Suchscheinwerfer, das Mündungsfeuer einer Waffe, das Innenlicht eines Kühlschranks, oder die altbekannte Straßenlampe eignen sich laut Alton perfekt, um sie quasi als Keylight in Mystery-Filmen einzusetzen. Ein weiterer interessanter Tipp: Nässt man den Boden, wirft er tanzende, oft nicht ganz nachvollziehbare Reflexionen an die Wände, die einen unwohlen Effekt verstärken.
Der laut Alton aber wohl effektivste Weg, sind Blitze: Lighting for Lightning quasi. Dafür verwendete er eigens konzipierte Blitzmaschinen, wenn ich an klassische LED-COB´s von heute denke, haben aber fast alle schon einen derartigen Modus. Benutzt man Blitze als eine der Hauptlichtquellen, ist deren Platzierung essentiell. Blitze sollten nie frontal oder seitlich auf Personen fallen, da die Stärke des Lichts Hauttöne völlig ausbrennen würde. Stattdessen sollten Blitze rein nur als back- oder crosslight verwendet werden. Also entweder den Charakter von hinten silhouettieren, oder von schräg (zum Beispiel durch ein Fenster) Schatten an die Wand malen.
Eine besondere Beziehung hat Alton auch zu Kerzen (mit Zigaretten den quasi einzigen “Flammen des kleinen Mannes” könnte man fast schon sagen), da jede Person gewisse Gefühle mit Kerzen assoziiert. Die effektivste Methode um Kerzen einzubauen, ist wenn die Kerze selbst der Hauptlichtgeber ist. Wie schon bei Feuerzeug und Zigarette wurde dies damals durch hohle Kerzenattrappen, mit eingebauten Lichtern realisiert, heute ginge das aber eigentlich problemlos auch so. Für Kerzen die nur im Hintergrund Kontrastflächen geben empfiehlt er batteriebetriebene. Dies hat den Vorteil, dass sie nie abbrennen und sich so keine Probleme mit der Continuity zwischen Shots ergeben.
Auch die abschließenden Worte eignen sich für meiner Masterarbeit eigentlich perfekt. Im Gegensatz zum Eingang, als über die mysteriösen Aspekte der Dunkelheit gesprochen wurde, gilt der Gegensatz nämlich natürlich ebenso. “Where there is light, there is hope”, schreibt Alton da. Und schöner könnte man es eigentlich nicht sagen.
vgl. Alton, John: Painting with Light. Berkely und Los Angeles: University of California Press 2013. S. 44-56.