Thesis Research 03: Gutes Design, schlechtes Design und die Frage nach Haltung

Beim Weiterlesen in Weltentwerfen. Eine politische Designtheorie verdichtet sich für mich ein zentraler Gedanke immer stärker. Wenn Design politisch ist, dann braucht es auch Kriterien, um Gestaltung zu bewerten. Nicht ästhetisch, nicht funktional, nicht ökonomisch, sondern ethisch und gesellschaftlich.

„Eine politische Designtheorie bietet deshalb Kriterien für ein anderes Bewertungsraster an. Sie setzt als Maßstäbe für gut und schlecht auf ethische und politische, nicht auf ästhetische, funktionalistische oder ökonomische Kategorien. Als gut wird entwerfendes, als schlecht unterwerfendes Design angesehen.“
Friedrich von Borries, Weltentwerfen. Eine politische Designtheorie, Suhrkamp, S. 36

Dieser Perspektivwechsel ist für mich besonders inspirierend, weil er die gewohnte Frage nach guter Gestaltung radikal verschiebt. Es geht nicht mehr darum, ob etwas schön, effizient oder marktfähig ist, sondern darum, ob Design Handlungsspielräume eröffnet oder einschränkt. Ob es entwirft oder unterwirft.

„Gutes Design ist nicht unterwerfend, sondern entwerfend.“
Friedrich von Borries, Weltentwerfen. Eine politische Designtheorie, S. 37

Diese scheinbar einfache Aussage hat eine enorme Tragweite. Sie zwingt dazu, Gestaltung nicht nur als Ergebnis, sondern als Wirkung zu denken. Was ermöglicht ein Entwurf. Wen befähigt er. Wen schließt er aus. Welche Beziehungen entstehen dadurch und welche werden verhindert.

Im Kapitel über gutes und schlechtes Design wird deutlich, dass Designgeschichte lange versucht hat, Qualität anhand formaler oder funktionaler Kriterien festzumachen. Politische und ethische Dimensionen wurden dabei oft bewusst ausgeklammert.

„In der Geschichte des Designs gab es etliche Versuche, Kriterien für Qualitätsurteile über Design zu finden. Dabei wurde Design entweder ästhetisch oder funktional oder gar nach ökonomischem Erfolg bewertet. Politische und ethische Kriterien wurden lange abgelehnt.“
Friedrich von Borries, Weltentwerfen. Eine politische Designtheorie, S. 34

Für meine eigene Arbeit ist das ein wichtiger Punkt. Viele gesellschaftlich wirksame Gestaltungen funktionieren formal hervorragend und sind trotzdem problematisch, weil sie bestehende Machtverhältnisse stabilisieren oder Ungleichheiten reproduzieren. Eine politische Designtheorie bietet hier ein Werkzeug, um genauer hinzusehen und Verantwortung nicht an Neutralitätsbehauptungen abzugeben.

Besonders eindrücklich ist in diesem Zusammenhang auch der Bezug auf Bruno Latour und die Idee, dass Design immer eine ethische Dimension enthält. Sobald Gestaltung nicht nur Objekte, sondern Systeme, Städte, Technologien oder soziale Strukturen formt, ist moralische Verantwortung unausweichlich.

„Es ist, als würden Materialität und Moralität schließlich verschmelzen.“
Bruno Latour, zitiert nach Friedrich von Borries, Weltentwerfen. Eine politische Designtheorie, S. 36

Dieser Satz bleibt bei mir hängen, weil er Gestaltung als etwas beschreibt, das nicht von Haltung zu trennen ist. Design kann sich nicht hinter Fakten, Funktionen oder reiner Umsetzung verstecken. Jede Entscheidung ist eine Positionierung.

Auch der Blick auf Dieter Rams und die berühmten „Zehn Thesen zum Design“ wird in diesem Kontext neu gelesen. Obwohl sie lange als Grundlage guter Gestaltung galten, zeigt sich aus politischer Perspektive eine gewisse Leerstelle. Die wiederholte Aussage „Gutes Design ist …“ bleibt oft im Formalen verhaftet und blendet gesellschaftliche Wirkung weitgehend aus.

„Die in den zehn Thesen wiederkehrende Aussage ‚Gutes Design ist …‘ stand Pate für die Formulierung der Schlusssätze der folgenden Kapitel.“
Friedrich von Borries, Weltentwerfen. Eine politische Designtheorie, S. 35

Für mich wird hier eine Spannung sichtbar zwischen einem Designverständnis, das auf Reduktion, Neutralität und Zurückhaltung setzt, und einem Designverständnis, das sich seiner politischen Wirksamkeit bewusst ist. Gerade diese Spannung ist produktiv für meine weitere Themenfindung.

Was nehme ich daraus für meine Masterarbeit mit.
Zum einen die klare Erkenntnis, dass es nicht reicht, politische Themen visuell zu bearbeiten. Entscheidend ist, wie gestaltet wird. Ob Gestaltung Handlungsmöglichkeiten öffnet, Beteiligung ermöglicht und Zugänge schafft. Oder ob sie still ordnet und damit auch unterwirft.

Zum anderen bestärkt mich dieser Abschnitt darin, Design nicht als Lösung, sondern als Frageform zu denken. Gestaltung als Angebot, als Einladung, als Intervention, die sich bewusst in gesellschaftliche Prozesse einschreibt.

Dieser Text schärft meinen Blick dafür, dass gutes Design nicht darin liegt, möglichst wenig aufzufallen, sondern darin, Verantwortung für seine Wirkung zu übernehmen. Genau hier sehe ich einen zentralen Ansatzpunkt für meine weitere Arbeit.

Thesis Research 02: Weltentwerfen. Eine politische Designtheorie, Friedrich von Borries

Aufbauend auf meiner Bachelorarbeit möchte ich mich auch innerhalb meiner Masterarbeit weiterhin mit politischen Inhalten beschäftigen. Gestaltung verstehe ich als Möglichkeit, visuellen Stimmen Raum zu geben und damit Inhalten mehr Macht, Sichtbarkeit und Zugänglichkeit zu verleihen. Dieses Potenzial von Design möchte ich weiter nutzen und vertiefen.

In meiner Bachelorarbeit „Was denkst du?“ – Fragen zur Vielfalt in unserer Gesellschaft habe ich mich mit gesellschaftlicher Diversität, Teilhabe und Dialog beschäftigt. Das Projekt zielte darauf ab, Menschen einzubeziehen, Fragen sichtbar zu machen und unterschiedliche Perspektiven ernst zu nehmen. Die Arbeit wurde im Rahmen des DDC Wettbewerbs 2025 eingereicht und ausgezeichnet.
https://www.wasdenkstdu.org/
https://ddc.de/de/wettbewerb/ddc-award-2025/auszeichnungen/kommunikation/KOM-0219-was-denkst-du.php

Beim Lesen von Friedrich von Borries, Weltentwerfen. Eine politische Designtheorie, bin ich erneut auf einen Textabschnitt gestoßen, der vieles von dem zusammenfasst, was mich an Gestaltung interessiert und motiviert: „Design ist politisch, weil es in die Welt interveniert. Dies erfordert eine politische Haltung des Designers. Viele Designer verstehen ihre gestalterische Arbeit nicht als politisch. Aufgrund des Spannungsfelds von Entwerfen und Unterwerfen ist Design, im Gegensatz zur freien Kunst, aber immer politisch. Design gestaltet die Form, in der eine Gesellschaft ihr Zusammenleben organisiert. Design ist seinem Wesen nach interventionistisch, denn es greift konkret in Objektkonstellationen, Räume, Beziehungen ein. Mit dem Gestalteten positioniert sich daher jeder Designer bewusst oder unbewusst zur bestehenden gesellschaftlichen Ordnung. Sie wird bestätigt, unterstützt, kritisiert oder unterlaufen, was sich in der Geschichte des Designs ablesen lässt.“
Friedrich von Borries, Weltentwerfen. Eine politische Designtheorie, Suhrkamp, S. 30

Was mich an diesem Abschnitt besonders inspiriert, ist die klare Benennung von Design als Eingriff. Gestaltung wird hier nicht als neutrale oder rein ästhetische Tätigkeit verstanden, sondern als aktiver Teil gesellschaftlicher Prozesse. Jede gestalterische Entscheidung wirkt auf die Art und Weise, wie Menschen sich orientieren, bewegen, wahrnehmen und miteinander in Beziehung treten.

Der Gedanke, dass Design die Form bestimmt, in der gesellschaftliches Zusammenleben organisiert wird, macht mir noch einmal bewusst, wie viel Verantwortung in Gestaltung liegt. Sichtbarkeit, Zugänglichkeit und Ausschluss entstehen nicht zufällig, sondern werden gestaltet. Auch wenn Design nicht ausdrücklich politisch gemeint ist, trägt es immer eine Haltung in sich. Es bestätigt bestehende Ordnungen oder stellt sie infrage.

Der Text von von Borries hilft mir, meine eigene Arbeit bewusster einzuordnen und weiterzudenken. Gestaltung wird für mich zu einer Form der Haltung. Nicht im Sinne einer eindeutigen Antwort, sondern als fortlaufender Prozess des Fragens, Erprobens und Reflektierens. Für meine Masterarbeit eröffnet sich daraus ein Möglichkeitsraum, in dem gesellschaftliche Themen, Machtverhältnisse, Teilhabe und visuelle Zugänglichkeit zentrale Rollen spielen können.

Impuls 06 La Divina Commedia – Ballett, Raum und typografische Wahrnehmung

Mein sechster Impuls für Design & Research 3 ist mein Besuch des Balletts La Divina Commedia in der Grazer Oper Graz, am 28.01.26. Seit ich denken kann, gehe ich regelmäßig ins Ballett. Umso besonderer war es für mich, hier eine Inszenierung zu erleben, die das klassische Format nicht nur erweitert, sondern grundlegend neu gedacht hat.

Die erste Hälfte des Balletts fand nicht im Opernsaal statt, sondern in den unterschiedlichen Räumen der Oper. Als Publikum bewegte man sich frei durch das Gebäude und konnte die einzelnen Tänzerinnen und Tänzer in performativen Situationen beobachten. Diese Erfahrung erinnerte mich stark an einen Museumsbesuch, bei dem man selbst entscheidet, wie lange man verweilt und aus welcher Perspektive man beobachtet. Dadurch entstand keine lineare Erzählung, sondern eine individuelle Abfolge von Eindrücken.

Besonders intensiv war die unmittelbare Nähe zu den Tänzerinnen und Tänzern. Teilweise stand man so nah, dass es sich anfühlte, als würde man gleich Teil der Performance werden. Durch die dichte Situation im Raum kam es vor, dass man die Körper fast berührte. Diese Nähe erzeugte eine starke körperliche Präsenz und machte Bewegung, Atmung und Anspannung deutlich spürbar. Gleichzeitig hatte man das Gefühl, dass die Performenden auf das Publikum reagierten. Durch Blicke, Richtungswechsel oder kleine Gesten entstand eine Form von Interaktion, die die Grenze zwischen Bühne und Zuschauerraum vollständig auflöste.

Diese räumliche Inszenierung hat mich besonders angesprochen, weil sie die Rolle des Publikums grundlegend verändert. Man ist nicht mehr passiv, sondern wird Teil der Situation. Wahrnehmung entsteht hier durch Bewegung, durch Nähe und durch das eigene Positionieren im Raum. Gestaltung funktioniert dabei nicht isoliert, sondern immer in Relation zum Körper der Betrachtenden.

Im zweiten Teil verlagerte sich das Geschehen in den Opernsaal. Nach der offenen und bewegten ersten Hälfte wirkte dieser Wechsel beinahe beruhigend. Umso eindrucksvoller war der reduzierte Einsatz von Bühnenmitteln. Besonders ein transparenter Vorhang ist mir nachhaltig im Gedächtnis geblieben. Hinter diesem Vorhang bewegten sich die Tänzerinnen, ihre Körper waren nur schemenhaft sichtbar. Die Bewegungen wirkten dadurch entrückt und poetisch, fast so, als würden sie sich zwischen Sichtbarkeit und Verschwinden bewegen.

In diesem Moment wurde mir auch ein sehr persönlicher Zugang bewusst, da ich die Inszenierung unmittelbar aus einer typografischen Perspektive wahrgenommen habe. Als Typografin musste ich beim Anblick der Tänzerinnen hinter dem transparenten Vorhang unweigerlich an Buchstaben denken. Die Körper, die nur fragmentarisch sichtbar waren, erinnerten mich an Zeichen, die sich dem vollständigen Erfassen entziehen und gerade dadurch eine besondere Spannung erzeugen.

Buchstaben können etwas sehr Tänzerisches und Akrobatisches haben. Besonders moderne Serifenschriften tragen Bewegung und Balance bereits in ihrer Form. Ich musste dabei konkret an die Schrift „Serif Babe“ der Schriftgestalterin Charlotte Rohde denken. Ihre stark ausgeprägten Serifen wirken beinahe wie Körper, die Position halten. Ähnlich wie im Ballett entstehen Spannung und Ausdruck genau in diesem Moment des Innehaltens. Die Serifen sind nicht bloß dekorative Elemente, sondern scheinen das Zeichen zu tragen und ihm Haltung zu geben.

Diese Assoziation hat meinen Blick darauf geschärft, dass Typografie nicht nur Information transportiert, sondern immer auch Wahrnehmung formt. Besonders dann, wenn sie sich an der Grenze von Lesbarkeit bewegt oder bewusst mit Transparenz, Unschärfe und zeitlicher Veränderung arbeitet. Wie die Tänzerinnen hinter dem Vorhang entfalten Buchstaben ihre Wirkung oft nicht durch vollständige Sichtbarkeit, sondern durch das, was angedeutet bleibt.

Der Gedanke, Typografie räumlich und installativ zu denken, hat mich seitdem stark beschäftigt. Eine Arbeit mit Schrift, Text und Licht, die sich ständig zwischen Sichtbarkeit und Verschwinden bewegt, erscheint mir als eine spannende gestalterische Möglichkeit. Dieses Wechselspiel könnte Wahrnehmung ähnlich herausfordern wie das Ballett selbst und den Fokus weg vom reinen Lesen hin zum Erleben verschieben.

Für meine Design und Research Arbeit war dieser Abend insgesamt ein wichtiger Impuls. La Divina Commedia hat mir deutlich gemacht, wie stark Gestaltung über Raum, Körper, Zeit und Nähe wirkt. Besonders die Verbindung von Bewegung, Reduktion und Wahrnehmung hat mir neue Perspektiven eröffnet, die sich sowohl auf räumliche als auch auf grafische Fragestellungen übertragen lassen.

Der Besuch des Balletts war für mich damit weit mehr als ein ästhetisches Erlebnis. Er hat meinen Blick dafür geschärft, wie wirkungsvoll Offenheit, Reduktion und körperliche Präsenz in der Gestaltung sein können. Diese Gedanken möchte ich in meiner weiteren Forschung bewusst weiterdenken und auf typografische sowie räumliche Konzepte übertragen.

Links:
https://oper-graz.buehnen-graz.com/produktion/la-divina-comedia/

https://www.youtube.com/watch?v=k6o2SkFaQTs

https://www.charlotterohde.de/typefaces?utm_source=ig&utm_medium=social&utm_content=link_in_bio&fbclid=PAZXh0bgNhZW0CMTEAc3J0YwZhcHBfaWQMMjU2MjgxMDQwNTU4AAGnyihjna3g6MdrqXap37NHbLAvCKjwyR_MHE8eyMGGEyni8ctZEc8eCNTBOqw_aem_jy_ND6ImpzYCkDYGl0mS1w

Impuls 05 Klanglichter Graz 2025

Mein fünfter Impuls für Design & Research 3 ist mein Besuch des Festivals Klanglicht Ende Oktober in Graz. Klanglicht ist kein klassischer Ausstellungsbesuch, sondern ein nächtlicher Parcours durch den Stadtraum, in dem Licht, Klang und Bewegung temporär neue Wahrnehmungssituationen schaffen. Gerade diese Verlagerung von Kunst in den öffentlichen Raum hat für mich einen starken gestalterischen Impuls ausgelöst, da Gestaltung hier nicht isoliert funktioniert, sondern immer im Zusammenspiel mit Umgebung, Körper und Zeit.

Besonders angesprochen haben mich Installationen, die nicht auf visuelle Überforderung setzen, sondern auf Wahrnehmung, Atmosphäre und Reduktion. Zwei Arbeiten sind mir dabei nachhaltig im Gedächtnis geblieben: The Weather Project von Olafur Eliasson sowie AFTEREAL von Yasuhiro Chida.

Die Arbeit The Weather Project war in der Orangerie im Burggarten installiert und hat mich sofort in ihren Bann gezogen. Der Raum war von Licht, Nebel und Klang erfüllt und erzeugte eine künstliche Wetterlage, die sich nur schwer rational greifen ließ. Das Licht erinnerte an eine abstrahierte Sonne, die sich im Nebel ausbreitete und den gesamten Raum in eine diffuse, fast zeitlose Atmosphäre tauchte. Man hatte nicht das Gefühl, vor einem Kunstwerk zu stehen, sondern sich innerhalb eines Zustands zu befinden. Mich hat diese Installation so stark angezogen, dass ich das Gefühl hatte, nicht mehr gehen zu wollen. Zeit spielte plötzlich keine Rolle mehr. Der Nebel ließ Konturen verschwimmen, Bewegungen wurden langsamer, das eigene Sehen unsicherer. The Weather Project machte mir sehr deutlich, wie stark Wahrnehmung konstruiert ist und wie Gestaltung nicht nur visuell, sondern körperlich und emotional wirkt. Eliassons Arbeit zeigt, dass Licht kein Effekt ist, sondern ein Material, das Raum, Stimmung und Verhalten formt.

Einen ganz anderen, aber ebenso intensiven Zugang zur Wahrnehmung bot AFTEREAL von Yasuhiro Chida im Burggarten. Die Installation erinnerte an den magischen Effekt von Wunderkerzen, an das Zeichnen mit Licht in der Luft. Hunderte elastische, sich bewegende Drähte wurden durch UV Licht zum Leuchten gebracht. Ihre wellenförmigen Bewegungen erzeugten ein Bild, das physisch eigentlich gar nicht existiert. Stattdessen entsteht es im Gehirn der Betrachtenden durch das schnelle Aneinanderreihen einzelner Lichtmomente.

Was mich an AFTEREAL besonders fasziniert hat, war die Einfachheit der Mittel im Verhältnis zur emotionalen Wirkung. Trotz der Reduktion entstand ein tief berührendes Erlebnis. Das leuchtende Bild bleibt im Gedächtnis, obwohl es materiell nie wirklich da war. Chidas Arbeit macht deutlich, dass das, was wir als Realität wahrnehmen, ein Konstrukt unserer Augen und unseres Gehirns ist. Diese Erkenntnis hat mich stark beschäftigt, da sie den Fokus weg vom Objekt hin zur Wahrnehmung selbst lenkt.

Für meine Design und Research Arbeit ist genau dieser Gedanke zentral. Gestaltung erzeugt nicht nur sichtbare Formen, sondern beeinflusst, wie Menschen Realität wahrnehmen, erinnern und emotional einordnen. Klanglicht hat mir gezeigt, dass Wirkung oft zeitlich verzögert entsteht und dass Gestaltung im Nachhall weiterarbeitet. Besonders im Vergleich zu klassischen grafischen Arbeiten wurde mir bewusst, dass auch dort Wahrnehmung kein statischer Zustand ist.

Ein weiterer Aspekt, der mich nachhaltig inspiriert hat, ist die Rolle des Körpers im Raum. Beide Installationen funktionieren nur durch Bewegung, durch Annäherung, Verweilen und Perspektivwechsel. Je nachdem, wie man sich positioniert, verändert sich das Erlebte. Diese Abhängigkeit von Zeit und Position lässt sich auch auf Grafikdesign übertragen. Wahrnehmung ist nie neutral und nie unabhängig vom Kontext.

Der Besuch von Klanglicht war für mich damit mehr als ein ästhetisches Erlebnis. Er hat meinen Blick dafür geschärft, wie stark Gestaltung Wahrnehmung formt und wie wirkungsvoll Reduktion, Atmosphäre und Zeitlichkeit sein können. Besonders The Weather Project und AFTEREAL haben mir gezeigt, dass Gestaltung dann am stärksten ist, wenn sie nicht alles erklärt, sondern Raum für eigenes Erleben lässt. Diese Erkenntnisse möchte ich in meiner weiteren Forschung bewusst weiterdenken und auf grafische und räumliche Fragestellungen übertragen.

https://klanglicht.buehnen-graz.com/installation/8-eye-see-you/
https://olafureliasson.net/

https://lightart-collection.com/artworks/aftereal
https://yasuhirochida.com/

Impuls 04 Klang Raum Spannung

Konzert von Wallners im PPC in Graz

Mein vierter Impuls für Design & Research ist der Besuch eines Konzerts der Band Wallners aus Wien, im PPC in Graz. Im Vergleich zu meinen bisherigen Impulsen war dieses Event stark über Atmosphäre, Klang und visuelle Zurückhaltung definiert. Gerade diese bewusste Gestaltung von Stimmung hat für mich einen klaren gestalterischen Reiz erzeugt.

Besonders eindrucksvoll war für mich das Opening des Konzerts. Zu Beginn war der Raum nahezu vollständig dunkel und stark vernebelt. Man hörte bereits den Gesang, konnte die Band jedoch noch nicht sehen. Diese Trennung von Stimme und Sichtbarkeit empfand ich als sehr starkes Gestaltungselement. Die Reduktion auf Klang erzeugte eine hohe Spannung und lenkte die Aufmerksamkeit vollständig auf das Hören. Erst nach und nach wurde die Bühne sichtbar, wodurch sich der Raum langsam öffnete. Dieser Moment hat mir gezeigt, wie wirkungsvoll zeitliche Verzögerung und kontrolliertes Sichtbarmachen sein können.

Auch im weiteren Verlauf des Konzerts spielte das Zusammenspiel von Musik, Licht und Raum eine große Rolle. Die Lichtstimmung war reduziert, aber sehr gezielt eingesetzt und unterstützte die emotionale Wirkung der Songs, ohne sich in den Vordergrund zu drängen. Die Bühne lebte dabei fast ausschließlich von einem konstant leichten Nebel, der je nach Song und Album in unterschiedliche Farbstimmungen getaucht wurde. So wurden einzelne Alben durch spezifische Farbwelten visuell markiert etwa Blau in Kombination mit Lila oder Pink oder verblasste Blau Weiß Töne.

Dadurch entstand nicht nur ein akustischer Wiedererkennungswert durch die Musik, sondern zusätzlich eine visuelle Codierung über Farbe. Die Songs waren somit auch farblich eindeutig zuordenbar. Diese bewusste Verknüpfung von Klang und Farbgestaltung empfand ich als besonders starkes Gestaltungsmittel. Es entstand ein geschlossenes Gesamtbild, in dem jedes Element eine klare Funktion hatte. Gestaltung funktionierte hier nicht über Überinszenierung, sondern über Präzision und Wiedererkennbarkeit.

Die Musik von Wallners ist ruhig, emotional und klar strukturiert. Es geht weniger um Lautstärke oder große Gesten, sondern um Feinheit, Wiederholung und subtile Veränderungen. Diese Zurückhaltung prägte auch die Atmosphäre im Raum. Das Publikum war aufmerksam und konzentriert, was das gemeinsame Erleben zusätzlich verstärkte.

Besonders inspiriert hat mich die Präsenz der Band auf der Bühne. Sie wirkte ruhig und fokussiert, ohne dominantes Auftreten. Diese Form von Präsenz hat mir gezeigt, dass Ausdruck nicht laut sein muss, um wirksam zu sein. Auch im Design können leise Entscheidungen eine starke Wirkung entfalten, wenn sie bewusst und klar gesetzt sind.

Für meine eigene Designpraxis nehme ich aus diesem Konzert vor allem das Prinzip der Reduktion und der zeitlichen Steuerung von Wahrnehmung mit. Inhalte müssen nicht sofort vollständig sichtbar sein, um zu funktionieren. Spannung kann entstehen, wenn Information bewusst zurückgehalten wird. Gerade im Umgang mit Layout, Typografie und Rhythmus sehe ich darin eine wertvolle gestalterische Strategie.

Das Konzert war für mich damit nicht nur ein musikalisches Erlebnis, sondern ein klarer Impuls, Gestaltung stärker über Atmosphäre, Timing und Zurückhaltung zu denken.

Abschließend hat mir das Konzert noch einmal sehr deutlich gezeigt, wie nah sich Musik und Gestaltung insbesondere Grafikdesign und Typografie eigentlich sind. In beiden Bereichen erfordert Gestaltung ein hohes Maß an Feingefühl. Es geht darum, welcher Ton welche Stimmung auslöst, genauso wie darum, welche Typografie welche Wirkung erzeugt. In beiden Fällen entsteht Gestaltung in einem ständigen Wechselspiel zwischen Störung und Balance. Genau dieses Spannungsverhältnis ist sowohl in der Musik als auch im Grafikdesign essenziell.

Durch dieses Konzert habe ich zudem noch einmal verstanden, dass Inspiration für meine grafische Arbeit nicht ausschließlich aus visuellen Eindrücken entstehen muss. Inspiration bedeutet nicht zwangsläufig, etwas zu sehen, sondern kann genauso stark aus dem Akustischen kommen. Klang, Rhythmus und Atmosphäre können neue visuelle Ideen auslösen und gestalterische Prozesse anstoßen. Diese Erkenntnis hat meinen Blick auf Inspiration erweitert und mir gezeigt, wie wertvoll interdisziplinäre Wahrnehmung für meine gestalterische Praxis ist.

Links
https://www.youtube.com/watch?v=81toZio7qqM&list=RD81toZio7qqM&start_radio=1

https://open.spotify.com/artist/3EdHRW9KganBlpKU12OQos

https://www.youtube.com/shorts/OGZrvTvU0yc

https://www.youtube.com/shorts/xau4D7J57i4

Impuls 03 Bühne als gestalteter Bewegungsraum

On the Town von Leonard Bernstein mit Texten von Betty Comden und Adolph Green in der Oper Graz besucht am 04.01.26

Mein dritter Impuls für Design & Research ist der Besuch des Musicals On the Town in der Oper Graz. Besonders angesprochen hat mich während des Auftritts das Bühnenbild und die Art, wie der Raum der Bühne genutzt wurde. Der Bühnenraum fungiert nicht als bloßer Hintergrund, sondern als aktiver Gestaltungsträger. Er wird laufend neu organisiert, geöffnet und verdichtet und erzeugt dadurch eine starke räumliche Dynamik.Der Bühnenraum fungiert nicht als bloßer Hintergrund, sondern als aktiver Gestaltungsträger. Er wird laufend neu organisiert, geöffnet und verdichtet und erzeugt dadurch eine starke räumliche Dynamik. Diese Herangehensweise hat mich auch aus gestalterischer Sicht besonders angesprochen. Das ständige Neuorganisieren, Öffnen und anschließende Verdichten des Raums empfinde ich als inspirierendes Prinzip für Gestaltung. Es hat mich dazu angeregt, dieses Denken auf meine eigene Arbeit zu übertragen, insbesondere auf den Umgang mit Typografie. Auch dort lassen sich Inhalte immer wieder neu strukturieren, auflösen und verdichten, um Spannung, Rhythmus und Lesbarkeit zu erzeugen.

Auffällig war für mich die intensive Farbigkeit. Bühne und Kostüme arbeiten mit klaren, selbstbewussten Farben, die bewusst kombiniert sind. Trotz dieser visuellen Fülle wirkt das Gesamtbild strukturiert und kontrolliert. Farbe übernimmt hier eine ordnende Funktion und unterstützt die Orientierung im Raum. Für meine eigene gestalterische Arbeit war das ein starkes Beispiel dafür, das Farbe eben nicht nur ästhetisch, sondern auch systematisch eingesetzt werden sollte.

Ein Moment, der mir besonders im Gedächtnis geblieben ist, ist das Zusammenspiel von Bewegung, Raum und Musik. Die Choreografien reagieren direkt auf die Architektur der Bühne. Tänzerinnen und Tänzer nutzen Ebenen, Übergänge und Kanten aktiv mit. Raum wird dadurch nicht nur sichtbar, sondern rhythmisch erfahrbar. Die Musik verstärkt diesen Eindruck und macht Timing zu einem zentralen Gestaltungselement.

Überraschend war für mich, wie klar strukturiert die Inszenierung trotz ihrer Lebendigkeit bleibt. Es passiert viel gleichzeitig, aber nichts wirkt zufällig. Diese Klarheit zeigt, wie wichtig eine starke räumliche Grundidee ist, um Komplexität lesbar zu machen. Gestaltung funktioniert hier über Zeit und Bewegung, nicht über einzelne statische Bilder.

Für meine weitere Design und Research Arbeit nehme ich aus diesem Besuch vor allem den bewussten Umgang mit Raum, Farbe und Rhythmus mit. On the Town hat mir gezeigt, dass Gestaltung als Zusammenspiel von Elementen gedacht werden kann, die sich im zeitlichen Verlauf entfalten. Der Opernbesuch war für mich damit nicht nur ein kulturelles Ereignis, sondern ein klarer gestalterischer Impuls.

Links
https://www.youtube.com/watch?v=SZuJPWr-aZs&t=1s
https://oper-graz.buehnen-graz.com/produktion/on-the-town/
https://www.mphil.de/ueber-uns/musikerinnen-und-musiker/details/leonard-bernstein

Impuls 02 Malerei als körperlicher Gestaltungsprozess

Ausstellung von Wolfgang Hollegah in Graz

Mein zweiter Impuls für Design & Research 3 ist der Besuch der Ausstellung von Wolfgang Hollegah in Graz. Die Begegnung mit seinen Arbeiten war für mich ein starkes visuelles und körperliches Erlebnis. Anders als bei digitalen oder kleinformatigen Arbeiten wird man hier unmittelbar mit der Größe der Gemälde konfrontiert. Die riesigen Formate wirken selbstbewusst und fordernd und lassen keinen distanzierten Blick zu. Ich stand vor ihnen und hatte den Eindruck, ich werde Teil der Malerei.

Was mich besonders fasziniert hat, ist der Umgang mit Farbe. Hollegahs Arbeiten sind farbenfroh, aber nie beliebig. Die Farbkompositionen wirken sehr bewusst gesetzt und gleichzeitig lebendig. Durch die Anwendung unterschiedlicher Acrylfarben entstehen spannende Verläufe, Überlagerungen und Tiefen. Man sieht den Prozess, das Auftragen, das Reagieren der Farben miteinander. Die Bilder wirken nicht statisch, sondern wie eingefrorene Bewegungen.

Ein zentraler Aspekt für mich war die sogenannte Gemäldearchitektur. Damit meine ich die Art, wie Hollegah mit der Farbe auf der großen Leinwand agiert. Es geht nicht nur um Farbe an sich, sondern um Balance. Trotz der Größe und der intensiven Farbigkeit wirken die Kompositionen nie überladen. Er schafft es, eine sehr präzise Spannung zwischen Dichte und Offenheit zu halten. Diese Balance empfinde ich als große Inspiration für meine eigene gestalterische Arbeit, vor allem im Umgang mit großen Flächen und Mut zum Weißraum. Besonders spannend fand ich, dass Hollegah in manchen Gemälden bewusst Weißraum stehen lässt. Diese leeren Flächen wirken nicht unfertig, sondern notwendig. Sie geben den Farben Raum zu wirken und schaffen Ruhe innerhalb der Komposition. Als Grafikerin hat mich das sehr angesprochen, da Weißraum auch im Grafikdesign eine zentrale Rolle spielt.

Ein Zitat von Hollegah hat meine Wahrnehmung seiner Arbeiten zusätzlich vertieft
„Wenn der Schwung der richtige ist, dann erst kann ich das Bild malen.“
Dieses Zitat verbindet für mich viele der Eindrücke aus der Ausstellung. Es beschreibt Malerei als körperlichen und zeitlichen Prozess. Der richtige Schwung steht für Bewegung, Intuition und den Moment, in dem alles zusammenkommt. Genau das spiegelt sich in seinen Bildern wider.

Für meine weitere Design und Research Arbeit nehme ich aus dieser Ausstellung mit, dass Gestaltung nicht nur im Kopf entsteht, sondern auch im Körper. Rhythmus, Bewegung und Mut zur Leere sind Aspekte, die ich stärker in meine eigene Praxis integrieren möchte.Hollegahs Arbeiten verdeutlichen, dass großformatige gestische Setzungen und präzise kompositorische Balance keine Gegensätze darstellen, sondern sich strukturell gegenseitig bedingen.

Links
https://www.museum-joanneum.at/neue-galerie-graz/unser-programm/ausstellungen/event/wolfgang-hollegha

https://wolfganghollegha.com/

https://open.spotify.com/episode/4RC9zx0l2eBGBJzZwxcDB4



Impuls 01 Podcast Hotel Matze als Denkraum der Differenz

Hotel Matze Gespräch mit Benjamin von Stuckrad-Barre veröffentlicht am 31.12.2025

Mein erster Impulse Eintrag für Design & Research 3 basiert auf einer medialen Aktivität dem Podcast „Hotel Matze“. Konkret beziehe ich mich auf die am 31. Dezember 2025 erschienene Folge mit Benjamin von Stuckrad Barre. Das Gespräch dauert über drei Stunden und hat mich über einen längeren Zeitraum begleitet. Anders als viele kurze digitale Formate erlaubt diese Länge ein Abschweifen ein Zurückkommen und ein Aushalten von Unsicherheiten. Genau das hat für mich den Reiz dieser Episode ausgemacht.

Im Gespräch geht es um Schreiben Angst Rückfälle Erfolg Humor und um die Frage was Kunst eigentlich leisten muss. Besonders hängen geblieben ist mir ein Satz von Stuckrad Barre der für mich wie ein Schlüssel funktioniert hat: „Die Differenz ist das Normale. Da entsteht das Ich in der Differenz.“

Dieser Gedanke hat mich persönlich sehr angesprochen weil er ein Verständnis von Identität beschreibt das nicht auf Stabilität oder Klarheit basiert. Stattdessen wird das Ich als etwas verstanden das sich erst durch Unterschiede Widersprüche und Brüche formt. Ich habe gemerkt dass mich genau diese Vorstellung auch in meiner gestalterischen Arbeit begleitet. Oft entstehen meine Ideen nicht aus klaren Konzepten sondern aus Unsicherheiten aus Reibung oder aus Momenten in denen etwas nicht aufgeht.

Der Podcast funktioniert für mich als Event weil er nicht nur Information vermittelt sondern einen Denkraum öffnet. Ohne Bilder ohne visuelle Reize zwingt er dazu zuzuhören und eigene innere Bilder zu entwickeln. Diese Form des Zuhörens ist für mich eng mit Designprozessen verbunden. Auch dort entsteht Bedeutung nicht sofort sondern entwickelt sich über Zeit durch Nachdenken Verwerfen und Neuordnen.

Besonders interessant fand ich die Offenheit mit der Stuckrad Barre über seine Brüche spricht. Es entsteht kein geschlossenes Selbstbild sondern etwas Fragmentiertes Unfertiges. Das hat mir gezeigt dass Unvollständigkeit kein Mangel sein muss sondern eine Qualität haben kann. Für meine weitere Design und Research Arbeit nehme ich daraus mit dass Gestaltung nicht immer auf Eindeutigkeit abzielen muss. Ambivalenz Mehrdeutigkeit und Irritation können produktiv sein.

Auch die Aussage dass Künstlerinnen und Künstler ihrem Publikum nichts schulden hat meine Sicht auf Gestaltung verändert. Sie stellt gängige nutzerorientierte Denkweisen infrage und öffnet Raum für eine stärkere Autorenschaft. Für mich ergibt sich daraus die Frage wie viel Zumutung Design aushalten darf und ob Gestaltung nicht auch ein Angebot sein kann statt eine Lösung.

Diese Podcastfolge war für mich kein beiläufiger Medienkonsum sondern ein persönlicher Impuls. Sie hat meine Aufmerksamkeit auf Differenz als Ausgangspunkt gelenkt und mich darin bestärkt Unklarheit und Brüche als Teil meines Forschungs und Gestaltungsprozesses zu akzeptieren. Damit bildet sie einen wichtigen Ausgangspunkt für meine weiteren Impulse im Rahmen von Design & Research.

Links
https://open.spotify.com/episode/5EA9GeucaEfxngKwY5Ywjc
https://stuckradbarre.de/?utm_source=chatgpt.com

Thesis Research 01: Weltentwerfen. Eine politische Designtheorie, Friedrich von Borries

I started reading a book to get new inspiration for my master’s thesis project. my next blog post will just be about some quotes, words, and thoughts from the book (weltentwerfen. eine politische designtheorie, friedrich von borries) that i find interesting. i’ll also include a kind of “free-flowing” summary of everything that comes to my mind randomly but feels inspiring. i will save these impressions under the category “random inspirations.”

book:
weltentwerfen. eine politische designtheorie, friedrich von borries

short facts about friedrich von borries:
friedrich von borries, born in 1974 in berlin, is a professor of design theory at the university of fine arts hamburg (hfbk). as a researcher and designer, he operates in the socio-political border areas of architecture, design, and art.

„als wissenschaftler versuche ich, die welt zu verstehen. als gestalter versuche ich, sie zu verändern. deshalb setze ich mich forschend und entwerfend mit politischen fragen auseinander, die unsere gegenwart bestimmen“
(friedrich von borries, about, https://www.friedrichvonborries.de/de/about)

quotes from the book:
„alles was gestaltet ist, entwirft und unterwirft. design ist von dieser gegensätzlichkeit grundlegend geprägt. sie bedingt freiheit und unfreiheit, macht und ohnmacht, unterdrückung und widerstand. sie ist das politische wesen von design.“
(friedrich von borries, weltentwerfen. eine politische designtheorie, klappentext, berlin: suhrkamp verlag, aktuelle auflage vom 26. 11. 2024)

„entwerfen ist das gegenteil von unterwerfen. entwerfen. unterwerfen. alles, was gestaltet ist, unterwirft uns unter seine bedingungen. gleichzeitig befreit uns das gestaltete aus dem zustand der unterwerfung, der unterworfenheit. design schafft freiheit, design ermöglicht handlungen, die zuvor nicht möglich oder nicht denkbar waren. indem es dies tut, begrenzt es aber auch den möglichkeitsraum, weil es neue bedingungen schafft. alles, was gestaltet ist, entwirft und unterwirft. design ist von dieser sich bedingenden und ausschließenden gegensätzlichkeit grundlegend geprägt.“
(friedrich von borries, weltentwerfen. eine politische designtheorie, berlin: suhrkamp verlag, aktuelle auflage vom 26. 11. 2024, s. 9 f.)

random inspirations:
erleben, erproben, testen (to experience, to prove, to test)