Impuls 03 Bühne als gestalteter Bewegungsraum

On the Town von Leonard Bernstein mit Texten von Betty Comden und Adolph Green in der Oper Graz besucht am 04.01.26

Mein dritter Impuls für Design & Research ist der Besuch des Musicals On the Town in der Oper Graz. Besonders angesprochen hat mich während des Auftritts das Bühnenbild und die Art, wie der Raum der Bühne genutzt wurde. Der Bühnenraum fungiert nicht als bloßer Hintergrund, sondern als aktiver Gestaltungsträger. Er wird laufend neu organisiert, geöffnet und verdichtet und erzeugt dadurch eine starke räumliche Dynamik.Der Bühnenraum fungiert nicht als bloßer Hintergrund, sondern als aktiver Gestaltungsträger. Er wird laufend neu organisiert, geöffnet und verdichtet und erzeugt dadurch eine starke räumliche Dynamik. Diese Herangehensweise hat mich auch aus gestalterischer Sicht besonders angesprochen. Das ständige Neuorganisieren, Öffnen und anschließende Verdichten des Raums empfinde ich als inspirierendes Prinzip für Gestaltung. Es hat mich dazu angeregt, dieses Denken auf meine eigene Arbeit zu übertragen, insbesondere auf den Umgang mit Typografie. Auch dort lassen sich Inhalte immer wieder neu strukturieren, auflösen und verdichten, um Spannung, Rhythmus und Lesbarkeit zu erzeugen.

Auffällig war für mich die intensive Farbigkeit. Bühne und Kostüme arbeiten mit klaren, selbstbewussten Farben, die bewusst kombiniert sind. Trotz dieser visuellen Fülle wirkt das Gesamtbild strukturiert und kontrolliert. Farbe übernimmt hier eine ordnende Funktion und unterstützt die Orientierung im Raum. Für meine eigene gestalterische Arbeit war das ein starkes Beispiel dafür, das Farbe eben nicht nur ästhetisch, sondern auch systematisch eingesetzt werden sollte.

Ein Moment, der mir besonders im Gedächtnis geblieben ist, ist das Zusammenspiel von Bewegung, Raum und Musik. Die Choreografien reagieren direkt auf die Architektur der Bühne. Tänzerinnen und Tänzer nutzen Ebenen, Übergänge und Kanten aktiv mit. Raum wird dadurch nicht nur sichtbar, sondern rhythmisch erfahrbar. Die Musik verstärkt diesen Eindruck und macht Timing zu einem zentralen Gestaltungselement.

Überraschend war für mich, wie klar strukturiert die Inszenierung trotz ihrer Lebendigkeit bleibt. Es passiert viel gleichzeitig, aber nichts wirkt zufällig. Diese Klarheit zeigt, wie wichtig eine starke räumliche Grundidee ist, um Komplexität lesbar zu machen. Gestaltung funktioniert hier über Zeit und Bewegung, nicht über einzelne statische Bilder.

Für meine weitere Design und Research Arbeit nehme ich aus diesem Besuch vor allem den bewussten Umgang mit Raum, Farbe und Rhythmus mit. On the Town hat mir gezeigt, dass Gestaltung als Zusammenspiel von Elementen gedacht werden kann, die sich im zeitlichen Verlauf entfalten. Der Opernbesuch war für mich damit nicht nur ein kulturelles Ereignis, sondern ein klarer gestalterischer Impuls.

Links
https://www.youtube.com/watch?v=SZuJPWr-aZs&t=1s
https://oper-graz.buehnen-graz.com/produktion/on-the-town/
https://www.mphil.de/ueber-uns/musikerinnen-und-musiker/details/leonard-bernstein

Impuls 02 Malerei als körperlicher Gestaltungsprozess

Ausstellung von Wolfgang Hollegah in Graz

Mein zweiter Impuls für Design & Research 3 ist der Besuch der Ausstellung von Wolfgang Hollegah in Graz. Die Begegnung mit seinen Arbeiten war für mich ein starkes visuelles und körperliches Erlebnis. Anders als bei digitalen oder kleinformatigen Arbeiten wird man hier unmittelbar mit der Größe der Gemälde konfrontiert. Die riesigen Formate wirken selbstbewusst und fordernd und lassen keinen distanzierten Blick zu. Ich stand vor ihnen und hatte den Eindruck, ich werde Teil der Malerei.

Was mich besonders fasziniert hat, ist der Umgang mit Farbe. Hollegahs Arbeiten sind farbenfroh, aber nie beliebig. Die Farbkompositionen wirken sehr bewusst gesetzt und gleichzeitig lebendig. Durch die Anwendung unterschiedlicher Acrylfarben entstehen spannende Verläufe, Überlagerungen und Tiefen. Man sieht den Prozess, das Auftragen, das Reagieren der Farben miteinander. Die Bilder wirken nicht statisch, sondern wie eingefrorene Bewegungen.

Ein zentraler Aspekt für mich war die sogenannte Gemäldearchitektur. Damit meine ich die Art, wie Hollegah mit der Farbe auf der großen Leinwand agiert. Es geht nicht nur um Farbe an sich, sondern um Balance. Trotz der Größe und der intensiven Farbigkeit wirken die Kompositionen nie überladen. Er schafft es, eine sehr präzise Spannung zwischen Dichte und Offenheit zu halten. Diese Balance empfinde ich als große Inspiration für meine eigene gestalterische Arbeit, vor allem im Umgang mit großen Flächen und Mut zum Weißraum. Besonders spannend fand ich, dass Hollegah in manchen Gemälden bewusst Weißraum stehen lässt. Diese leeren Flächen wirken nicht unfertig, sondern notwendig. Sie geben den Farben Raum zu wirken und schaffen Ruhe innerhalb der Komposition. Als Grafikerin hat mich das sehr angesprochen, da Weißraum auch im Grafikdesign eine zentrale Rolle spielt.

Ein Zitat von Hollegah hat meine Wahrnehmung seiner Arbeiten zusätzlich vertieft
„Wenn der Schwung der richtige ist, dann erst kann ich das Bild malen.“
Dieses Zitat verbindet für mich viele der Eindrücke aus der Ausstellung. Es beschreibt Malerei als körperlichen und zeitlichen Prozess. Der richtige Schwung steht für Bewegung, Intuition und den Moment, in dem alles zusammenkommt. Genau das spiegelt sich in seinen Bildern wider.

Für meine weitere Design und Research Arbeit nehme ich aus dieser Ausstellung mit, dass Gestaltung nicht nur im Kopf entsteht, sondern auch im Körper. Rhythmus, Bewegung und Mut zur Leere sind Aspekte, die ich stärker in meine eigene Praxis integrieren möchte.Hollegahs Arbeiten verdeutlichen, dass großformatige gestische Setzungen und präzise kompositorische Balance keine Gegensätze darstellen, sondern sich strukturell gegenseitig bedingen.

Links
https://www.museum-joanneum.at/neue-galerie-graz/unser-programm/ausstellungen/event/wolfgang-hollegha

https://wolfganghollegha.com/

https://open.spotify.com/episode/4RC9zx0l2eBGBJzZwxcDB4



Impuls 01 Podcast Hotel Matze als Denkraum der Differenz

Hotel Matze Gespräch mit Benjamin von Stuckrad-Barre veröffentlicht am 31.12.2025

Mein erster Impulse Eintrag für Design & Research 3 basiert auf einer medialen Aktivität dem Podcast „Hotel Matze“. Konkret beziehe ich mich auf die am 31. Dezember 2025 erschienene Folge mit Benjamin von Stuckrad Barre. Das Gespräch dauert über drei Stunden und hat mich über einen längeren Zeitraum begleitet. Anders als viele kurze digitale Formate erlaubt diese Länge ein Abschweifen ein Zurückkommen und ein Aushalten von Unsicherheiten. Genau das hat für mich den Reiz dieser Episode ausgemacht.

Im Gespräch geht es um Schreiben Angst Rückfälle Erfolg Humor und um die Frage was Kunst eigentlich leisten muss. Besonders hängen geblieben ist mir ein Satz von Stuckrad Barre der für mich wie ein Schlüssel funktioniert hat: „Die Differenz ist das Normale. Da entsteht das Ich in der Differenz.“

Dieser Gedanke hat mich persönlich sehr angesprochen weil er ein Verständnis von Identität beschreibt das nicht auf Stabilität oder Klarheit basiert. Stattdessen wird das Ich als etwas verstanden das sich erst durch Unterschiede Widersprüche und Brüche formt. Ich habe gemerkt dass mich genau diese Vorstellung auch in meiner gestalterischen Arbeit begleitet. Oft entstehen meine Ideen nicht aus klaren Konzepten sondern aus Unsicherheiten aus Reibung oder aus Momenten in denen etwas nicht aufgeht.

Der Podcast funktioniert für mich als Event weil er nicht nur Information vermittelt sondern einen Denkraum öffnet. Ohne Bilder ohne visuelle Reize zwingt er dazu zuzuhören und eigene innere Bilder zu entwickeln. Diese Form des Zuhörens ist für mich eng mit Designprozessen verbunden. Auch dort entsteht Bedeutung nicht sofort sondern entwickelt sich über Zeit durch Nachdenken Verwerfen und Neuordnen.

Besonders interessant fand ich die Offenheit mit der Stuckrad Barre über seine Brüche spricht. Es entsteht kein geschlossenes Selbstbild sondern etwas Fragmentiertes Unfertiges. Das hat mir gezeigt dass Unvollständigkeit kein Mangel sein muss sondern eine Qualität haben kann. Für meine weitere Design und Research Arbeit nehme ich daraus mit dass Gestaltung nicht immer auf Eindeutigkeit abzielen muss. Ambivalenz Mehrdeutigkeit und Irritation können produktiv sein.

Auch die Aussage dass Künstlerinnen und Künstler ihrem Publikum nichts schulden hat meine Sicht auf Gestaltung verändert. Sie stellt gängige nutzerorientierte Denkweisen infrage und öffnet Raum für eine stärkere Autorenschaft. Für mich ergibt sich daraus die Frage wie viel Zumutung Design aushalten darf und ob Gestaltung nicht auch ein Angebot sein kann statt eine Lösung.

Diese Podcastfolge war für mich kein beiläufiger Medienkonsum sondern ein persönlicher Impuls. Sie hat meine Aufmerksamkeit auf Differenz als Ausgangspunkt gelenkt und mich darin bestärkt Unklarheit und Brüche als Teil meines Forschungs und Gestaltungsprozesses zu akzeptieren. Damit bildet sie einen wichtigen Ausgangspunkt für meine weiteren Impulse im Rahmen von Design & Research.

Links
https://open.spotify.com/episode/5EA9GeucaEfxngKwY5Ywjc
https://stuckradbarre.de/?utm_source=chatgpt.com

Thesis Research 01: Weltentwerfen. Eine politische Designtheorie, Friedrich von Borries

I started reading a book to get new inspiration for my master’s thesis project. my next blog post will just be about some quotes, words, and thoughts from the book (weltentwerfen. eine politische designtheorie, friedrich von borries) that i find interesting. i’ll also include a kind of “free-flowing” summary of everything that comes to my mind randomly but feels inspiring. i will save these impressions under the category “random inspirations.”

book:
weltentwerfen. eine politische designtheorie, friedrich von borries

short facts about friedrich von borries:
friedrich von borries, born in 1974 in berlin, is a professor of design theory at the university of fine arts hamburg (hfbk). as a researcher and designer, he operates in the socio-political border areas of architecture, design, and art.

„als wissenschaftler versuche ich, die welt zu verstehen. als gestalter versuche ich, sie zu verändern. deshalb setze ich mich forschend und entwerfend mit politischen fragen auseinander, die unsere gegenwart bestimmen“
(friedrich von borries, about, https://www.friedrichvonborries.de/de/about)

quotes from the book:
„alles was gestaltet ist, entwirft und unterwirft. design ist von dieser gegensätzlichkeit grundlegend geprägt. sie bedingt freiheit und unfreiheit, macht und ohnmacht, unterdrückung und widerstand. sie ist das politische wesen von design.“
(friedrich von borries, weltentwerfen. eine politische designtheorie, klappentext, berlin: suhrkamp verlag, aktuelle auflage vom 26. 11. 2024)

„entwerfen ist das gegenteil von unterwerfen. entwerfen. unterwerfen. alles, was gestaltet ist, unterwirft uns unter seine bedingungen. gleichzeitig befreit uns das gestaltete aus dem zustand der unterwerfung, der unterworfenheit. design schafft freiheit, design ermöglicht handlungen, die zuvor nicht möglich oder nicht denkbar waren. indem es dies tut, begrenzt es aber auch den möglichkeitsraum, weil es neue bedingungen schafft. alles, was gestaltet ist, entwirft und unterwirft. design ist von dieser sich bedingenden und ausschließenden gegensätzlichkeit grundlegend geprägt.“
(friedrich von borries, weltentwerfen. eine politische designtheorie, berlin: suhrkamp verlag, aktuelle auflage vom 26. 11. 2024, s. 9 f.)

random inspirations:
erleben, erproben, testen (to experience, to prove, to test)