Autor: Marius Lessiak
Titel: Interaktionsdesign in Webapplikationen
Jahr: 2007
Institution: Technische Universität Wien, Fakultät für Informatik
Betreuung: Ao. Univ.-Prof. Dr. Gerald Steinhardt, Univ.-Ass. Dipl.-Ing. Dr. Hilda Tellioglu
Typ: Diplomarbeit
Zugänglichkeit: Original in der Hauptbibliothek der TU Wien
Oder
Struktur:
- Einleitung
- Usability
- Interface & Interaktion
- Entwicklung des Interaktionsmodells
- Implementierung
- Evaluierung
- Zusammenfassung & Ausblick
Artefakt:
Die Arbeit enthält ein eigenständig entwickeltes Interaktionsmodell für Webapplikationen, das mithilfe aktueller Webtechnologien (AJAX, DOM, JavaScript) in einer funktionierenden Anwendung („Zeitspur“) umgesetzt und technisch evaluiert wurde.
1. Overall Presentation Quality
Die Arbeit ist klar gegliedert, sauber formatiert und sprachlich konsistent. Tabellen, Abbildungen sowie Diagramme werden sorgfältig eingesetzt und mit Quellen belegt. Grundsätzlich eine gute wissenschaftliche Aufbereitung, wenn auch mit älterem Layout-Standard.
2. Degree of Innovation
Wenn meine Recherche richtig ist, war zum Zeitpunkt der Verfassung (2007) AJAX ein relativ neues Paradigma. Die Verbindung von Interaction Design Principles mit der technischen Realisierung einer Webapplikation ist innovativ und interdisziplinär gedacht. Eine Arbeit die einen hohen Innovationsgrad durch theoretisch fundierte Modellbildung und experimentelle Umsetzung aufweist.
3. Independence
Marius Lessiak zeigt deutlich Eigenständigkeit in der Entwicklung des Interaktionsmodells und seiner technischen Umsetzung. Die Arbeit geht über eine reine Literaturstudie hinaus und verbindet Theorie mit einem realen Prototyp.
4. Organization and Structure
Die Arbeit folgt einer klaren, nachvollziehbaren Logik: Von den theoretischen Grundlagen über Usability und HCI bis zur Entwicklung und Evaluation. Querverbindungen zwischen Theorie und Praxis sind deutlich erkennbar, wenn auch stellenweise etwas textlastig.
5. Communication
Sprache und Stil sind präzise und sachlich, mit hohem wissenschaftlichem Anspruch. Englischsprachige Fachliteratur wird korrekt eingebunden. Die Formulierungen sind klar, teilweise etwas technisch-nüchtern.
6. Scope
Die Arbeit bewegt sich in einem angemessenen Umfang (~65 Seiten Text + Visualisierungen). Sie deckt sowohl theoretische Tiefe (HCI, Design Patterns) als auch praktische Breite (AJAX, DOM) ab.
7. Accuracy and Attention to Detail
Quellen sind sorgfältig zitiert, Fachbegriffe korrekt verwendet, Diagramme (UML, Hypertext-Strukturmodelle etc.) präzise ausgeführt.
8. Literature
Die Literaturbasis umfasst zentrale Arbeiten aus der HCI-Forschung (Cooper, Shneiderman, Beaudouin-Lafon) und relevante technische Quellen (AJAX, DOM, W3C). Für 2007 ist der Stand aktuell und wissenschaftlich solide.
Beurteilung des Artefakts
Dokumentation:
Das Artefakt („Zeitspur“) ist detailliert beschrieben, mit Diagrammen. Die Dokumentation erlaubt ein gutes Verständnis der Funktionsweise.
Zugänglichkeit:
Das System war als funktionsfähige Webapplikation umgesetzt, die Interaktionsprinzipien konkret veranschaulicht. Zugang erfolgt theoretisch über TU Wien-Bibliothek (kein Link zu Live-System).
Theorie–Praxis-Verknüpfung:
Sehr stark. Das entwickelte Modell wird nicht nur theoretisch erläutert, sondern praktisch umgesetzt und technisch evaluiert.
Qualität des Artefakts:
Für mich wirkt es sehr anspruchvoll, sowohl technisch als auch gestalterisch niveauvoll für den damaligen Stand.
Gesamturteil
Stärken:
- Exzellente theoretische Fundierung (Verbindung HCI ↔ Webtechnologie)
- Eigenständiges Interaktionsmodell
- Klare, logische Struktur
- Fundierte Evaluation
- Solide wissenschaftliche Sprache
Schwächen:
- Begrenzte empirische Evaluation (Fokus auf technische, nicht auf Nutzerstudien)
- Text teilweise zu detailverliebt in technische Aspekte
- Gestaltung/Visualität des Artefakts könnte stärker diskutiert werden
Marius Lessiak liefert eine inhaltlich und methodisch überzeugende Diplomarbeit, die den Stand der Webentwicklung Anfang der 2000er-Jahre reflektiert und ihn mit HCI-Theorien verbindet. Das Werk zeigt, wie Interaktionsdesign strategisch und technisch zusammengedacht werden kann. Ein Beitrag, aus dem man heute noch methodisch relevantes Wissen beziehen kann.