Mein achter Impuls für Design & Research ist die Podcastfolge von gSpot mit der Schauspielerin Nilam Farooq, als Gästin. Die Folge beschäftigt sich mit dem Thema Selbstinszenierung und der Frage, wie bewusst wir jeden Tag entscheiden, wie wir nach außen wirken möchten.
Besonders spannend fand ich den Gedanken, dass jede Person sich täglich neu positionieren kann. Selbstinszenierung wird dabei nicht als etwas Oberflächliches verstanden, sondern als aktiver Prozess. Wie möchte ich wahrgenommen werden. Welche Teile meiner Persönlichkeit teile ich öffentlich. Welche bleiben privat. Und wie sehr lasse ich mich von der Meinung anderer beeinflussen.
Nilam Farooq spricht darüber, wie sie sich von ihren YouTube Anfängen bis zu ihren heutigen Rollen als Schauspielerin immer wieder neu erfinden musste. Dabei wird deutlich, dass Inszenierung nicht automatisch Unechtheit bedeutet, sondern eine bewusste Entscheidung darüber ist, welche Facetten man zeigt. Identität erscheint nicht als starres Konstrukt, sondern als etwas Bewegliches, das sich je nach Kontext verändern darf.
Ein besonders starker Gedanke aus dem Podcast war für mich die Auseinandersetzung mit äußerer Bewertung. Nilam Farooq spricht darüber, wie wichtig es ist, Kritik einzuordnen, Grenzen zu setzen und sich nicht ausschließlich über Resonanz im Außen zu definieren. Sie beschreibt sinngemäß, dass man nie allen gefallen kann und dass genau darin eine gewisse Freiheit liegt. Dieser Gedanke hat mich sehr beschäftigt. Gerade als Gestalterin bewegt man sich ständig im Spannungsfeld zwischen eigener Haltung und externer Bewertung. Entwürfe werden kommentiert, überarbeitet und hinterfragt. Gestaltung ist immer auch öffentlich und damit angreifbar. Gleichzeitig besteht die Gefahr, sich zu stark über Zustimmung oder Ablehnung zu definieren. Der Impuls aus dem Podcast hat mir deutlich gemacht, wie wichtig es ist, Kritik differenziert zu betrachten, ohne die eigene gestalterische Position aufzugeben.
Kritik einzuordnen bedeutet nicht, sie abzulehnen, sondern sie bewusst zu filtern. Welche Rückmeldung hilft dem Konzept weiter. Welche ist rein subjektiv. Wo muss ich mich anpassen, und wo darf ich bei meiner Haltung bleiben. Diese Fähigkeit, Grenzen zu setzen und sich nicht ausschließlich über Resonanz im Außen zu definieren, ist für Gestalterinnen essenziell. Sie schafft den Raum, in dem eigenständige Ideen überhaupt entstehen können.
Für mich wurde dadurch auch klar, dass Inszenierung im Design eine zentrale Rolle spielt. Jedes Projekt ist eine Entscheidung darüber, wie etwas erscheinen soll. Welche Haltung wird sichtbar. Welche Werte transportiert ein visuelles Konzept. Gestaltung ist immer auch Positionierung. Nicht nur für Marken oder Institutionen, sondern auch für uns Designerinnen selbst.
Im Designprozess stellt sich immer wieder die Frage, was gezeigt und was weggelassen wird. Wirkung entsteht nicht nur durch Präsenz, sondern auch durch Reduktion. Die bewusste Entscheidung für eine bestimmte Ästhetik, für eine typografische Haltung oder für eine visuelle Sprache ist vergleichbar mit der Entscheidung, wie man sich selbst im öffentlichen Raum präsentiert.
Der Podcast hat mir eröffnet, dass Gestaltung nicht losgelöst von Identität gedacht werden kann. Jede visuelle Entscheidung ist auch eine Aussage über Selbstverständnis und Haltung. Gleichzeitig bleibt sie wandelbar. So wie Nilam Farooq ihre Rollen wechselt und sich immer wieder neu definiert, verändern auch wir als Gestalterinnen unsere Perspektiven, Themen und Ausdrucksformen.
Der Impuls aus dieser Folge liegt für mich in der bewussten Auseinandersetzung mit Inszenierung als reflektiertem Akt der Positionierung. Nicht als reine Oberfläche, sondern als Entscheidung mit Konsequenz. Diese Gedanken möchte ich in meiner weiteren Design und Research Arbeit vertiefen, insbesondere im Hinblick darauf, wie visuelle Kommunikation Identität formt und gleichzeitig Raum für Entwicklung und Freiheit lässt.
Links:
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https://www.instagram.com/nilam.farooq/