Thesis Research 02: Weltentwerfen. Eine politische Designtheorie, Friedrich von Borries

Aufbauend auf meiner Bachelorarbeit möchte ich mich auch innerhalb meiner Masterarbeit weiterhin mit politischen Inhalten beschäftigen. Gestaltung verstehe ich als Möglichkeit, visuellen Stimmen Raum zu geben und damit Inhalten mehr Macht, Sichtbarkeit und Zugänglichkeit zu verleihen. Dieses Potenzial von Design möchte ich weiter nutzen und vertiefen.

In meiner Bachelorarbeit „Was denkst du?“ – Fragen zur Vielfalt in unserer Gesellschaft habe ich mich mit gesellschaftlicher Diversität, Teilhabe und Dialog beschäftigt. Das Projekt zielte darauf ab, Menschen einzubeziehen, Fragen sichtbar zu machen und unterschiedliche Perspektiven ernst zu nehmen. Die Arbeit wurde im Rahmen des DDC Wettbewerbs 2025 eingereicht und ausgezeichnet.
https://www.wasdenkstdu.org/
https://ddc.de/de/wettbewerb/ddc-award-2025/auszeichnungen/kommunikation/KOM-0219-was-denkst-du.php

Beim Lesen von Friedrich von Borries, Weltentwerfen. Eine politische Designtheorie, bin ich erneut auf einen Textabschnitt gestoßen, der vieles von dem zusammenfasst, was mich an Gestaltung interessiert und motiviert: „Design ist politisch, weil es in die Welt interveniert. Dies erfordert eine politische Haltung des Designers. Viele Designer verstehen ihre gestalterische Arbeit nicht als politisch. Aufgrund des Spannungsfelds von Entwerfen und Unterwerfen ist Design, im Gegensatz zur freien Kunst, aber immer politisch. Design gestaltet die Form, in der eine Gesellschaft ihr Zusammenleben organisiert. Design ist seinem Wesen nach interventionistisch, denn es greift konkret in Objektkonstellationen, Räume, Beziehungen ein. Mit dem Gestalteten positioniert sich daher jeder Designer bewusst oder unbewusst zur bestehenden gesellschaftlichen Ordnung. Sie wird bestätigt, unterstützt, kritisiert oder unterlaufen, was sich in der Geschichte des Designs ablesen lässt.“
Friedrich von Borries, Weltentwerfen. Eine politische Designtheorie, Suhrkamp, S. 30

Was mich an diesem Abschnitt besonders inspiriert, ist die klare Benennung von Design als Eingriff. Gestaltung wird hier nicht als neutrale oder rein ästhetische Tätigkeit verstanden, sondern als aktiver Teil gesellschaftlicher Prozesse. Jede gestalterische Entscheidung wirkt auf die Art und Weise, wie Menschen sich orientieren, bewegen, wahrnehmen und miteinander in Beziehung treten.

Der Gedanke, dass Design die Form bestimmt, in der gesellschaftliches Zusammenleben organisiert wird, macht mir noch einmal bewusst, wie viel Verantwortung in Gestaltung liegt. Sichtbarkeit, Zugänglichkeit und Ausschluss entstehen nicht zufällig, sondern werden gestaltet. Auch wenn Design nicht ausdrücklich politisch gemeint ist, trägt es immer eine Haltung in sich. Es bestätigt bestehende Ordnungen oder stellt sie infrage.

Der Text von von Borries hilft mir, meine eigene Arbeit bewusster einzuordnen und weiterzudenken. Gestaltung wird für mich zu einer Form der Haltung. Nicht im Sinne einer eindeutigen Antwort, sondern als fortlaufender Prozess des Fragens, Erprobens und Reflektierens. Für meine Masterarbeit eröffnet sich daraus ein Möglichkeitsraum, in dem gesellschaftliche Themen, Machtverhältnisse, Teilhabe und visuelle Zugänglichkeit zentrale Rollen spielen können.

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