Der Vortrag von Mike Monteiro war für mich nichts neues aber hat mich an einen wesentlichen grundsatz erinnert den wir alle mit uns tragen sollten im Design. Während viele Design-Talks sich um neue Tools, Trends oder Best Practices drehen, geht es hier um moralische Verantwortung und darum, dass Designer*innen oft vergessen, welche Wirkung ihre Arbeit in der echten Welt hat.
Monteiro startet seinen Talk direkt recht provokant: “Designer*innen zerstören die Welt nicht, weil sie schlecht designen — sondern weil sie nicht über die Konsequenzen ihres Designs nachdenken“.
„You are responsible for what you put into the world.“
Einer der stärksten Punkte im Vortrag war die Aussage, dass Design kein neutraler Akt ist. Jede Entscheidung die getroffen wird — sei es ein Button, ein Algorithmus, ein Interface oder eine komplette Plattform — hat reale Folgen:
- Sie beeinflusst, wie Menschen handeln.
- Sie beeinflusst, welche Informationen sichtbar werden.
- Sie beeinflusst, wer Zugang bekommt — und wer ausgeschlossen wird.
Monteiro zeigt Beispiele von Unternehmen, die durch bewusstes Wegschauen oder blinden Gehorsam Designs entwickelt haben, die massiven Schaden angerichtet haben. Er spricht über Social Media Plattformen, die Hass und Manipulation verstärken. Über Dark Patterns, die Menschen in Abos oder Systeme drängen. Und darüber, dass all diese Systeme nicht zufällig entstanden sind sondern bewusst designed wurden.
Designer*innen haben mehr Macht, als sie glauben. Und zu oft geben sie diese Macht freiwillig ab. Monteiro kritisiert, dass viele Designer*innen „Professionalität“ als Ausrede nutzen. Sätze wie “Ich mach nur was der Kunde will” oder “Ich bin nur Designer, ich entscheide das nicht” sind nur Ausreden die es einem ermöglichen ethische Verantwortung abzugeben. Architekt*innen würden auch keine einsturzgefährdende Gebäude entwerfen nur weil der Kunde es so will.
Ein Gedanke, der wichtig ist sich immer wieder in den Kopf zu rufen ist, dass Design immer politisch ist. Monteiro sagt ganz klar: “Wenn wir etwas bauen, das Millionen an Menschen benutzen, dann gestalten wir Strukturen, Verhalten und Systeme mit.”
Und damit nehmen wir Einfluss auf unsere Gesellschaft.
Einer der wichtigsten Impulse aus dem Talk: “Designer*innen dürfen — und sollen — Nein sagen.”
- Nicht jeder Auftrag ist moralisch vertretbar.
- Nicht jeder Kunde hat gute Absichten.
- Nicht jedes Produkt sollte existieren.
Monteiro ruft dazu auf, sich bewusst zu machen, für welche Art Welt man arbeiten möchte. Und sich bewusst dagegen zu entscheiden, Dinge zu bauen, die Menschen schaden, ausbeuten oder manipulieren. Er sagt auch: “Wir brauchen weniger Designerinnen, die Dienstleister sind — und mehr, die als verantwortliche Expertinnen auftreten.”
Was mir wieder klar geworden ist, ist dass ich viel öfter über die Konsequenzen meiner Arbeit nachdenken sollte. Nicht nur über das Interface, die Experience oder die Conversion Rate, sondern auch darüber welche Verhaltensweisen ich mit meinem Design fördere, welche Menschen ausgeschlossen werden und welche Probleme durch mein Design in der realen Welt entstehen könnten.