Der Talk über „Political Design“ beim World Usability Congress war für mich ein sehr spannender, weil er etwas angesprochen hat, das im UX/UI und Design Business immer zu beachten ist und zwar, dass Design nie in einem luftleeren Raum, sondern immer in einem Netz aus Unternehmenskultur, Menschen, Egos und politischen Dynamiken entsteht. Obwohl man immer versucht sich im Studium oder in Projekten auf „best practices“ und Designprinzipien zu konzentrieren, merkt man irgendwann unumgänglich, dass die Realität viel komplexer ist.
Im Vortrag wurde Political Design als ein Prozess beschrieben, in dem UX Professionals nicht nur Interfaces gestalten, sondern auch lernen müssen, mit organisationalen Spannungen umzugehen. Nicht, weil sie wollen, sondern weil sie müssen!! Die Grundidee befasst sich damit, dass Design immer mit Neugier, Spieltrieb und Leidenschaft beginnt. Aber je weiter wir in echten Projekten vorstoßen, desto mehr stoßen wir an Grenzen, die nichts mehr mit Figma oder heuristischen Evaluationen zu tun haben, sondern mit Menschen, Macht und Kommunikation.
Ein Satz, der besonders betont wurde ist:
„No tension. No extension.“
Ohne Reibung und Konflikt keine Weiterentwicklung. Ohne Konflikte keine Innovation. Das klingt im ersten Moment sehr intuitiv und sinnvoll für mich und das ist es im Endeffekt auch. Viele der spannendsten Projekte, wurde erzählt, entstehen genau da, wo unterschiedliche Perspektiven aufeinanderprallen. Marketing will X, Engineering will Y, das Management will alles gleichzeitig und Nutzer*innen wollen etwas ganz anderes. In dieser Spannung entsteht oft der Raum für kreative Lösungen.
Was ich besonders gut fand war, dass der Vortrag klar gemacht hat, dass Political Design nicht bedeutet, sich „politisch”, im Sinne von manipulativ oder strategisch zu verhalten. Vielmehr geht es um Soft Skills wie: klar zu kommunizieren, zuzuhören und das Gefühl zu geben gehört zu werden. Es geht darum zu verstehen wie und warum die Menschen um uns herum ihre Entscheidugnen treffen.
Im Grunde wurde betont, dass UX nicht nur ein sehr technischer, sondern ein zutiefst zwischenmenschlicher Beruf ist. Wir designen nicht nur für Menschen, sondern auch mit Menschen und diese Menschen haben ihre eigenen Prioritäten, Ängste, Ziele und Blind Spots. Ein Design Prozess der das mitbedenkt ist weitaus effektiver und liefert bessere Ergebnisse.
Als Impuls nehme ich für mich mit, dass ich in meiner eigenen Arbeit noch stärker darauf achten möchte WIE ich kommuniziere und woran Ideen wirklich scheitern. Political Design nehme ich für mich weniger als ein Framework, sondern mehr als eine Haltung auf. Eine die neugierig auf Menschen zugeht und sich nicht nur auf das perfekte Interface beschränkt.