Ausstellung von Wolfgang Hollegah in Graz
Mein zweiter Impuls für Design & Research 3 ist der Besuch der Ausstellung von Wolfgang Hollegah in Graz. Die Begegnung mit seinen Arbeiten war für mich ein starkes visuelles und körperliches Erlebnis. Anders als bei digitalen oder kleinformatigen Arbeiten wird man hier unmittelbar mit der Größe der Gemälde konfrontiert. Die riesigen Formate wirken selbstbewusst und fordernd und lassen keinen distanzierten Blick zu. Ich stand vor ihnen und hatte den Eindruck, ich werde Teil der Malerei.
Was mich besonders fasziniert hat, ist der Umgang mit Farbe. Hollegahs Arbeiten sind farbenfroh, aber nie beliebig. Die Farbkompositionen wirken sehr bewusst gesetzt und gleichzeitig lebendig. Durch die Anwendung unterschiedlicher Acrylfarben entstehen spannende Verläufe, Überlagerungen und Tiefen. Man sieht den Prozess, das Auftragen, das Reagieren der Farben miteinander. Die Bilder wirken nicht statisch, sondern wie eingefrorene Bewegungen.
Ein zentraler Aspekt für mich war die sogenannte Gemäldearchitektur. Damit meine ich die Art, wie Hollegah mit der Farbe auf der großen Leinwand agiert. Es geht nicht nur um Farbe an sich, sondern um Balance. Trotz der Größe und der intensiven Farbigkeit wirken die Kompositionen nie überladen. Er schafft es, eine sehr präzise Spannung zwischen Dichte und Offenheit zu halten. Diese Balance empfinde ich als große Inspiration für meine eigene gestalterische Arbeit, vor allem im Umgang mit großen Flächen und Mut zum Weißraum. Besonders spannend fand ich, dass Hollegah in manchen Gemälden bewusst Weißraum stehen lässt. Diese leeren Flächen wirken nicht unfertig, sondern notwendig. Sie geben den Farben Raum zu wirken und schaffen Ruhe innerhalb der Komposition. Als Grafikerin hat mich das sehr angesprochen, da Weißraum auch im Grafikdesign eine zentrale Rolle spielt.
Ein Zitat von Hollegah hat meine Wahrnehmung seiner Arbeiten zusätzlich vertieft
„Wenn der Schwung der richtige ist, dann erst kann ich das Bild malen.“
Dieses Zitat verbindet für mich viele der Eindrücke aus der Ausstellung. Es beschreibt Malerei als körperlichen und zeitlichen Prozess. Der richtige Schwung steht für Bewegung, Intuition und den Moment, in dem alles zusammenkommt. Genau das spiegelt sich in seinen Bildern wider.
Für meine weitere Design und Research Arbeit nehme ich aus dieser Ausstellung mit, dass Gestaltung nicht nur im Kopf entsteht, sondern auch im Körper. Rhythmus, Bewegung und Mut zur Leere sind Aspekte, die ich stärker in meine eigene Praxis integrieren möchte.Hollegahs Arbeiten verdeutlichen, dass großformatige gestische Setzungen und präzise kompositorische Balance keine Gegensätze darstellen, sondern sich strukturell gegenseitig bedingen.
Links
https://www.museum-joanneum.at/neue-galerie-graz/unser-programm/ausstellungen/event/wolfgang-hollegha
https://wolfganghollegha.com/
https://open.spotify.com/episode/4RC9zx0l2eBGBJzZwxcDB4