Konzert von Wallners im PPC in Graz
Mein vierter Impuls für Design & Research ist der Besuch eines Konzerts der Band Wallners aus Wien, im PPC in Graz. Im Vergleich zu meinen bisherigen Impulsen war dieses Event stark über Atmosphäre, Klang und visuelle Zurückhaltung definiert. Gerade diese bewusste Gestaltung von Stimmung hat für mich einen klaren gestalterischen Reiz erzeugt.
Besonders eindrucksvoll war für mich das Opening des Konzerts. Zu Beginn war der Raum nahezu vollständig dunkel und stark vernebelt. Man hörte bereits den Gesang, konnte die Band jedoch noch nicht sehen. Diese Trennung von Stimme und Sichtbarkeit empfand ich als sehr starkes Gestaltungselement. Die Reduktion auf Klang erzeugte eine hohe Spannung und lenkte die Aufmerksamkeit vollständig auf das Hören. Erst nach und nach wurde die Bühne sichtbar, wodurch sich der Raum langsam öffnete. Dieser Moment hat mir gezeigt, wie wirkungsvoll zeitliche Verzögerung und kontrolliertes Sichtbarmachen sein können.
Auch im weiteren Verlauf des Konzerts spielte das Zusammenspiel von Musik, Licht und Raum eine große Rolle. Die Lichtstimmung war reduziert, aber sehr gezielt eingesetzt und unterstützte die emotionale Wirkung der Songs, ohne sich in den Vordergrund zu drängen. Die Bühne lebte dabei fast ausschließlich von einem konstant leichten Nebel, der je nach Song und Album in unterschiedliche Farbstimmungen getaucht wurde. So wurden einzelne Alben durch spezifische Farbwelten visuell markiert etwa Blau in Kombination mit Lila oder Pink oder verblasste Blau Weiß Töne.
Dadurch entstand nicht nur ein akustischer Wiedererkennungswert durch die Musik, sondern zusätzlich eine visuelle Codierung über Farbe. Die Songs waren somit auch farblich eindeutig zuordenbar. Diese bewusste Verknüpfung von Klang und Farbgestaltung empfand ich als besonders starkes Gestaltungsmittel. Es entstand ein geschlossenes Gesamtbild, in dem jedes Element eine klare Funktion hatte. Gestaltung funktionierte hier nicht über Überinszenierung, sondern über Präzision und Wiedererkennbarkeit.
Die Musik von Wallners ist ruhig, emotional und klar strukturiert. Es geht weniger um Lautstärke oder große Gesten, sondern um Feinheit, Wiederholung und subtile Veränderungen. Diese Zurückhaltung prägte auch die Atmosphäre im Raum. Das Publikum war aufmerksam und konzentriert, was das gemeinsame Erleben zusätzlich verstärkte.
Besonders inspiriert hat mich die Präsenz der Band auf der Bühne. Sie wirkte ruhig und fokussiert, ohne dominantes Auftreten. Diese Form von Präsenz hat mir gezeigt, dass Ausdruck nicht laut sein muss, um wirksam zu sein. Auch im Design können leise Entscheidungen eine starke Wirkung entfalten, wenn sie bewusst und klar gesetzt sind.
Für meine eigene Designpraxis nehme ich aus diesem Konzert vor allem das Prinzip der Reduktion und der zeitlichen Steuerung von Wahrnehmung mit. Inhalte müssen nicht sofort vollständig sichtbar sein, um zu funktionieren. Spannung kann entstehen, wenn Information bewusst zurückgehalten wird. Gerade im Umgang mit Layout, Typografie und Rhythmus sehe ich darin eine wertvolle gestalterische Strategie.
Das Konzert war für mich damit nicht nur ein musikalisches Erlebnis, sondern ein klarer Impuls, Gestaltung stärker über Atmosphäre, Timing und Zurückhaltung zu denken.
Abschließend hat mir das Konzert noch einmal sehr deutlich gezeigt, wie nah sich Musik und Gestaltung insbesondere Grafikdesign und Typografie eigentlich sind. In beiden Bereichen erfordert Gestaltung ein hohes Maß an Feingefühl. Es geht darum, welcher Ton welche Stimmung auslöst, genauso wie darum, welche Typografie welche Wirkung erzeugt. In beiden Fällen entsteht Gestaltung in einem ständigen Wechselspiel zwischen Störung und Balance. Genau dieses Spannungsverhältnis ist sowohl in der Musik als auch im Grafikdesign essenziell.
Durch dieses Konzert habe ich zudem noch einmal verstanden, dass Inspiration für meine grafische Arbeit nicht ausschließlich aus visuellen Eindrücken entstehen muss. Inspiration bedeutet nicht zwangsläufig, etwas zu sehen, sondern kann genauso stark aus dem Akustischen kommen. Klang, Rhythmus und Atmosphäre können neue visuelle Ideen auslösen und gestalterische Prozesse anstoßen. Diese Erkenntnis hat meinen Blick auf Inspiration erweitert und mir gezeigt, wie wertvoll interdisziplinäre Wahrnehmung für meine gestalterische Praxis ist.
Links
https://www.youtube.com/watch?v=81toZio7qqM&list=RD81toZio7qqM&start_radio=1
https://open.spotify.com/artist/3EdHRW9KganBlpKU12OQos
https://www.youtube.com/shorts/OGZrvTvU0yc
https://www.youtube.com/shorts/xau4D7J57i4