Hotel Matze Gespräch mit Benjamin von Stuckrad-Barre veröffentlicht am 31.12.2025
Mein erster Impulse Eintrag für Design & Research 3 basiert auf einer medialen Aktivität dem Podcast „Hotel Matze“. Konkret beziehe ich mich auf die am 31. Dezember 2025 erschienene Folge mit Benjamin von Stuckrad Barre. Das Gespräch dauert über drei Stunden und hat mich über einen längeren Zeitraum begleitet. Anders als viele kurze digitale Formate erlaubt diese Länge ein Abschweifen ein Zurückkommen und ein Aushalten von Unsicherheiten. Genau das hat für mich den Reiz dieser Episode ausgemacht.
Im Gespräch geht es um Schreiben Angst Rückfälle Erfolg Humor und um die Frage was Kunst eigentlich leisten muss. Besonders hängen geblieben ist mir ein Satz von Stuckrad Barre der für mich wie ein Schlüssel funktioniert hat: „Die Differenz ist das Normale. Da entsteht das Ich in der Differenz.“
Dieser Gedanke hat mich persönlich sehr angesprochen weil er ein Verständnis von Identität beschreibt das nicht auf Stabilität oder Klarheit basiert. Stattdessen wird das Ich als etwas verstanden das sich erst durch Unterschiede Widersprüche und Brüche formt. Ich habe gemerkt dass mich genau diese Vorstellung auch in meiner gestalterischen Arbeit begleitet. Oft entstehen meine Ideen nicht aus klaren Konzepten sondern aus Unsicherheiten aus Reibung oder aus Momenten in denen etwas nicht aufgeht.
Der Podcast funktioniert für mich als Event weil er nicht nur Information vermittelt sondern einen Denkraum öffnet. Ohne Bilder ohne visuelle Reize zwingt er dazu zuzuhören und eigene innere Bilder zu entwickeln. Diese Form des Zuhörens ist für mich eng mit Designprozessen verbunden. Auch dort entsteht Bedeutung nicht sofort sondern entwickelt sich über Zeit durch Nachdenken Verwerfen und Neuordnen.
Besonders interessant fand ich die Offenheit mit der Stuckrad Barre über seine Brüche spricht. Es entsteht kein geschlossenes Selbstbild sondern etwas Fragmentiertes Unfertiges. Das hat mir gezeigt dass Unvollständigkeit kein Mangel sein muss sondern eine Qualität haben kann. Für meine weitere Design und Research Arbeit nehme ich daraus mit dass Gestaltung nicht immer auf Eindeutigkeit abzielen muss. Ambivalenz Mehrdeutigkeit und Irritation können produktiv sein.
Auch die Aussage dass Künstlerinnen und Künstler ihrem Publikum nichts schulden hat meine Sicht auf Gestaltung verändert. Sie stellt gängige nutzerorientierte Denkweisen infrage und öffnet Raum für eine stärkere Autorenschaft. Für mich ergibt sich daraus die Frage wie viel Zumutung Design aushalten darf und ob Gestaltung nicht auch ein Angebot sein kann statt eine Lösung.
Diese Podcastfolge war für mich kein beiläufiger Medienkonsum sondern ein persönlicher Impuls. Sie hat meine Aufmerksamkeit auf Differenz als Ausgangspunkt gelenkt und mich darin bestärkt Unklarheit und Brüche als Teil meines Forschungs und Gestaltungsprozesses zu akzeptieren. Damit bildet sie einen wichtigen Ausgangspunkt für meine weiteren Impulse im Rahmen von Design & Research.
Links
https://open.spotify.com/episode/5EA9GeucaEfxngKwY5Ywjc
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